Nackt wandern im Oberland

Auf dem Weg nach Goldingen soll der erste Nacktwanderweg der Schweiz entstehen. Maturandin Evelyn Schwarzenbach setzt sich für hüllenloses Wandern in der Region ein.

Nicole Bruhin
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Evelyn Schwarzenbach (Bild: Willi Meissner)

Evelyn Schwarzenbach (Bild: Willi Meissner)

Goldingen. Die Maturandin Evelyn Schwarzenbach aus Wetzikon hat ein Herz für Nacktwanderer oder ein Flair für touristische Attraktionen. Nachdem sie diesem Thema schon die Maturaarbeit gewidmet hat, initiiert sie nun auch den ersten Nacktwanderweg der Schweiz. «Ich habe mich gewundert, dass es immer so einen Aufruhr gibt, wenn wieder eine Gruppe ohne Kleider unterwegs ist», sagt Evelyn Schwarzenbach. Die Maturandin wollte es genau wissen und hat vor den Sommerferien einige Nacktwanderer kontaktiert. So kam es, dass sie mit zwei Hüllenlosen nackt auf Wanderschaft ging.

Sich unbefangen bewegen

Zur Idee, einen Nacktwanderweg zu initiieren, war es also nicht weit. «Ich dachte mir, es wäre am besten, ein Gelände oder einen Weg für die Nacktwanderer zu definieren», sagt Schwarzenbach. So könnten sich diese unbefangen bewegen, ohne dass sie neugierigen oder wütenden Passanten begegnen müssten. Oder besser noch, die normalen Wanderer seien durch eine Signalisation vorbereitet auf die hüllenlosen Wanderer. Ihre Idee sei auf breites Interesse gestossen – auch in den Medien. «Ich habe bis heute einige Interviews geben müssen, sogar im Fernsehen», freut sie sich.

Nicht überall ist man glücklich über die Idee von Evelyn Schwarzenbach, denn der Vater der jungen Frau ist kein geringerer als der Tourismus-Chef des Zürcher Oberlandes, berichtete der «Tages-Anzeiger». Der Vorwurf liegt auf der Hand: Die junge Frau vermarkte mit ihrer Maturaarbeit medienwirksam das Zürcher Oberland, wird der jungen Frau vorgeworfen.

Gemischte Gefühle in Goldingen

Auch in der Gemeinde Goldingen sieht man dem Projekt mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn der Nacktwanderweg soll auch durch Goldinger Gemeindegebiet führen. Bei Hansjörg Hunziker, Gemeindeschreiber von Goldingen, stösst das auf wenig Begeisterung, wie er gegenüber «newsnetz.ch» berichtete. «Ich glaube nicht, dass der Gemeinderat eine Bewilligung für einen solchen Nacktwanderweg erteilt», sagt er. «Das könnte zu einem ziemlichen Aufruhr führen.»

Für Evelyn Schwarzenbach sind solche Aussagen kein Hindernis: «Ich werde die Bevölkerung befragen.» Sie möchte wissen, wie die Leute im Dorf darüber denken. Mit Freunden, die sie unterstützen, will sie vor allem in Wald unterwegs sein, dem Ausgangsort des Wanderwegs. Fallen die Rückmeldungen positiv aus, will die Maturandin den nächsten Schritt wagen. «Ich werde dann den jeweiligen Gemeinden einen Brief schreiben und anfragen, ob der Weg offiziell ausgeschildert werden kann.»

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