Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nachruf: Zum Tod von Auslandredaktor Walter Brehm

Mit Walter Brehm hat uns nicht nur ein politisch versierter und sehr belesener Kollege verlassen, sondern auch ein leidenschaftlicher Journalist.
Stefan Schmid, Urs Bader
Walter Brehm, 4. Dezember 1951 bis 6. Januar 2019. (Bild: Urs Bucher)

Walter Brehm, 4. Dezember 1951 bis 6. Januar 2019. (Bild: Urs Bucher)

Walter Brehm, ab 1. Dezember 1995 Auslandredaktor beim St.Galler Tagblatt, erlag vergangene Woche im Alter von 67 Jahren einem Krebsleiden, das er bis zuletzt mit Würde ertrug. Er hatte grossen Anteil daran, dass unsere Zeitung während Jahren über einen überdurchschnittlich guten Auslandteil verfügte, mit einer in die Tiefe und Breite gehenden Berichterstattung.

Die internationale Politik war seine Passion

Während die Korrespondenten in erster Linie aus den Nachbarstaaten oder über Grossmächte schrieben, nahm sich Walter Brehm mit Akribie kleinerer und unbekannterer Länder an, deren politische und gesellschaftliche Entwicklung er kenntnisreich beschrieb.

Die internationale Politik war Walter Brehms Passion. Wenn er am Morgen als einer der ersten auf der Redaktion erschien, hatte er sich über das Fernsehen und das Internet bereits mit den neusten Entwicklungen vertraut gemacht. Auf der Redaktion wollte er diese diskutiert haben. Es ging darum, die brisantesten Themen zu eruieren, in die er sich dann durch weitere Lektüre vertiefte. Und dann wollte er so bald wie möglich mit dem Schreiben ­loslegen – einen einfachen Bericht, einen Erklärtext oder – am liebsten – eine Analyse oder einen Kommentar.

Er wollte jeden Tag einen Artikel schreiben

In der ausgreifenden Analyse, in die er sein grosses Wissen einfliessen lassen konnte, und im pointierten Kommentar lag seine Stärke, weniger in der geduldigen, kleinteiligen Recherche. Das hatte mit seinem journalistischen Temperament zu tun, das ihn drängte, im guten Sinn die Welt zu erklären. Auch mit seiner Ungeduld, mit der er gelegentlich die Geduld von Kolleginnen und Kollegen strapazierte. Für Walter Brehm war ein Tag, an dem er nichts schrieb, ein verlorener Tag. Er war Redaktor mit Leib und Seele.

Einen Namen machte er sich insbesondere als profunder Kenner des Nahen und Mittleren Ostens sowie Afrikas. Zwar durch und durch ein politischer Kopf, war er auch vertraut mit den drei grossen Weltreligionen, in die er sich auch über die Lektüre der Originaltexte, von Bibel, Koran und Talmud, vertiefte. Aber ob Politik oder Religion – jede Art von Ex­tremismus war ihm suspekt.

Immer wieder kritisierte er auch die politische Indienstnahme der Religion. Leitwerte in seinen Kommentaren waren Walter Brehm die Menschenrechte, Friede und Freiheit.

Afrika und der Nahe Osten

Sein grosses Wissen eignete er sich nicht nur durch Fachbücher und Literatur an, die er geradezu verschlang. Er reiste auch leidenschaftlich gerne, vor allem auf den afrikanischen Kontinent und in den Nahen Osten. Dort machte er sich ein Bild und seine Meinung vor Ort.

So ungeduldig und streitbar Walter Brehm manchmal war, wir haben mit ihm einen liebenswerten, sensiblen und inspirierenden Kollegen mit Charakter verloren. Er war nicht nur immer für eine engagierte politische Diskussion zu haben, sondern auch für ein persönliches, privates Gespräch oder für einen heiteren Schwatz, in dem Witz und Selbstironie aufblitzten.

Mit seinem starken beruflichen Engagement, das nicht nur eine kritische, sondern auch selbstkritische Grundhaltung einschloss, kann Walter Brehm uns Berufskolleginnen und -kollegen Vorbild sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.