Nachruf
Rektorin Ursula Thomet übte ihren Beruf als Berufung aus

Als junge, engagierte Hauswirtschaftslehrerin fand Ursula Thomet in Flawil eine erste Stelle. Später vertrat sie als Rektorin des Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnenseminars den Wert der Bildung in den Bereichen Handarbeit und Hauswirtschaft auf dem politischen Parkett.

Werner Stauffacher
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Ursula Thomet (1937–2021) war Rektorin des Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnenseminars.

Ursula Thomet (1937–2021) war Rektorin des Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnenseminars.

Bild: PD

In der Kirche Oberglatt-Flawil haben Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Berufskolleginnen und –kollegen von Ursula Thomet, der ehemaligen Rektorin des Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnenseminars (AHLS), Abschied genommen. Die Zusammensetzung der Trauergemeinde war eher «bildungslastig», zumal die familiären Wurzeln der Verstorbenen im Kanton Bern sind.

Als junge, engagierte Hauswirtschaftslehrerin hatte Ursula Thomet in Flawil eine erste Stelle gefunden. Bereits dort wurde man auf die tüchtige, zielstrebige Hauswirtschaftslehrerin aufmerksam. Es erstaunt deshalb nicht, dass sie schon bald für Aufgaben in der Ausbildung von Lehrerinnen engagiert wurde. Auch dort ist die vielseitig interessierte Pädagogin aufgefallen. Sie wurde schliesslich von der St.Galler Regierung als Rektorin des AHLS gewählt.

Eine erfolgreiche Führungsfrau

Als versierte Fachperson, aber auch als Führungspersönlichkeit hat Ursula Thomet den Wert der Bildung in den Bereichen Handarbeit und Hauswirtschaft auf dem politischen Parkett erfolgreich vertreten. Und als es darum ging, in Gossau für die Lehrerinnenbildung zeitgemässe Räumlichkeiten zu schaffen, hat sie diesen Bildungszweig der Volksschule in zahlreichen Bausitzungen klar und hartnäckig vertreten.

Als Seminarrektorin hat Ursula Thomet zusammen mit der Rektorin des kantonalen Kindergärtnerinnenseminars auch die letzten Zweifler davon überzeugt, dass anspruchsvolle Führungsaufgaben auch von Frauen erfolgreich wahrgenommen werden können. Sie arbeiteten mit den Rektoren der Ausbildungsstätten für die Primar- und Oberstufenlehrpersonen auf Augenhöhe zusammen.

«Man fühlte sich in ihrer Umgebung wohl»

Zum guten Ruf der st.-gallischen Ausbildung der Lehrkräfte beigetragen hat zweifellos auch, dass unsere Rektorinnen und Rektoren auch über den Kanton hinaus – etwa in der EDK-Ostschweiz und darüber hinaus – tätig waren. Ein Beispiel von vielen ist das überkantonale Ausbildungsprojekt für Seminarlehrpersonen, in welchem Ursula Thomet eine führende Rolle eingenommen hat.

Wer mit Ursula Thomet zusammenarbeiten konnte, hat neben den fachlichen Qualitäten auch ihre menschliche Seite kennen und schätzen gelernt. Sie war nach den Sitzungen jeweils auch den sozialen Kontakten nicht abhold. Man fühlte sich in ihrer Umgebung wohl.

Ursula Thomet konnte von dieser Welt Abschied nehmen in der Gewissheit, ihre Talente für die Öffentlichkeit gut und wirksam eingesetzt zu haben. Sie hat ihren Beruf als Berufung ausgeübt. Möge sie die verdiente Ruhe finden.

Werner Stauffacher, ehemaliger Generalsekretär des St.Galler Bildungsdepartementes.

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