Nachgefragt

«Kampfhund-Liste ist nicht sinnvoll» Der Nationalrat hat überraschend ein einheitliches Schweizer Hundegesetz abgelehnt. Dieses hätte auch den Umgang mit potentiell gefährlichen Hunderassen geregelt. Der St.

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Thomas Giger (Bild: pd)

Thomas Giger (Bild: pd)

«Kampfhund-Liste ist nicht sinnvoll»

Der Nationalrat hat überraschend ein einheitliches Schweizer Hundegesetz abgelehnt. Dieses hätte auch den Umgang mit potentiell gefährlichen Hunderassen geregelt. Der St. Galler Kantonstierarzt Thomas Giger kritisiert den Entscheid und erklärt, warum St. Gallen keine «Kampfhund-Liste» braucht.

Herr Giger, hat der Nationalrat am Montag eine Chance vertan?

Ja – er hat es nämlich verpasst, in der Schweiz endlich eine einheitliche Behandlung der Hunde und ihrer Halter einzuführen. Weil wir auf die Bundesregelung gehofft haben, hat der Kanton St. Gallen in den vergangenen Jahren das eigene Hundegesetz auch nicht weiter angepasst.

Das heisst, es braucht jetzt

Verschärfungen?

Nein, denn grundsätzlich haben wir bereits alle nötigen Massnahmen gegen Problemhunde im Gesetz – wie etwa den Maulkorb- oder Leinenzwang oder die Anordnung für Halter von Problemhunden, einen Kurs zu besuchen.

Wir haben zudem mit dem obligatorischen Theorie- und Praxiskurs für Neuhundehalter bereits strengere Auflagen eingeführt.

Können Sie die in der politischen Debatte oft geäusserte Beobachtung bestätigen, dass die Zahl der Hundebisse stetig ansteige?

Die Zahl steigt zwar an – dies aber nur, weil in der Schweiz seit Jahren immer mehr Leute, gerade in den Städten, einen Hund kaufen.

Der Thurgau hat in seinem Hundegesetz eine Liste mit 14 potenziell gefährlichen Hunden, für die es eine Bewilligung braucht. Eine Idee auch für St. Gallen?

Nein, eine solche Liste nützt wenig bis nichts, um Beissunfälle zu vermeiden. Es gibt neben den Problemhunden auch viele andere Rassen – Spitzenreiter ist der Schäferhund –, die in der Statistik der Beissunfälle auftauchen.

Vorstellen könnte ich mir aber, spezielle Bestimmungen zu erlassen – dies für einige wenige Rassen wie etwa Pitbull oder American Staffordshire, die ein sehr negatives Image haben.

Das heisst?

Vorstellbar ist etwa eine Eignungsprüfung sowie der Nachweis eines guten Leumunds speziell für die Neubesitzer dieser Problemhunde. (upz)

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