Kolumne

Nachfragewelle im Appenzellerland

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
Drucken
Teilen
Silvan Lüchinger.

Silvan Lüchinger.

Bild: Coralie Wenger

Als Timo Räbsamen noch ganz jung war, wollte er die «Weltwoche» verbrennen und bei Gelegenheit Chefredaktor Roger Köppel grad auch. Satire sei das gewesen, sagt er heute. Wie bei den Nazis halt - die haben auch im Spass Bücher und Zeitschriften verbrannt. Jung ist Räbsamen immer noch, inzwischen aber Juso-Gemeinderat in Wil. Von verbrennen redet er nicht mehr. Aber immerhin: «Alle Polzisten sind Schweine» - das muss dann doch gesagt sein. Irgendwann könnte er zur Erkenntnis kommen: «Alle Wähler sind Idioten». Die eigenen in dem Fall auch.

Im Kreuzlinger Seeburgpark leben rund 1000 Wasserfledermäuse. Jede von ihnen vertilgt pro Nacht angeblich 3000 bis 4000 Insekten. Das wären dann allein in Kreuzlingen und Umgebung drei bis vier Millionen allnächtlich. Dramatisches Insektensterben? Die Fledermausbestände müssen dringend reguliert werden. Sonst heisst es wieder, die Bauern seien schuld.

Läuft alles nach Plan und ohne Einsprachen, kann im Frühling 2023 in St.Gallen die Villa Wiesental ihrer neuen Bestimmung übergeben und das Hotel Wiesental mit seinen rund 100 Zimmern eröffnet werden. Den Hotelbetreibern schwebt ein Mittelklassehotel für ein junges und urbanes Publikum vor. Wer nicht mehr jung ist und erst noch vom Land kommt, soll sich gefälligst anderswo ein Bett suchen.

In Matzingen wurden die Primarschüler von den Lehrern am letzten Schultag vor den Herbstferien gruppenweise nach Hause geschickt. Wegen eines Vorfalls in der Nähe des Schulhauses «Chatzebuggel», aus einem Mail der Schulbehörde an die Eltern hervorgeht. Jetzt schiessen die Spekulationen ins Kraut. Eine unbekannte Person wollte ein Kind ins Auto locken, heisst es auf Facebook. Angeblich mit einem weissen VW, weiss ein anderer Spekulant. Gesichert ist gar nichts – aber wer einen weissen VW hat, sollte Matzingen besser grossräumig umfahren. Überhaupt, wer ein Auto hat.

«Service ohne» ist verpönt. Dennoch wird er immer wieder nachgefragt. Derzeit schwappt eine solche Nachfragewelle über das Appenzellerland. So beklagt es wenigstens der Präsident des einschlägigen Gewerbes. Nicht des horizontalen – der Coiffeure.

Die Partyveranstalter, die vor rund zwei Wochen mit Electrobeats und rund 600 Gästen auf der Fähre Euregia in den Bodensee stachen, haben eine Strafanzeige am Hals. Wegen Nichteinhaltung des Sicherheitskonzepts. Nun soll dieses Wochenende eine zweitägige Rock-Kreuzfahrt auf demselben Schiff stattfinden. Mit maximal 300 Teilnehmern, aber ohne Maskenpflicht. «Wir wollen zeigen, dass man trotz der momentanen Situation etwas auf die Beine stellen kann», sagt der Veranstalter. Auch wenn die Rocker nachher flach liegen.

Mehr zum Thema