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SP-Grüne-Fraktion stellt Qualität in Frage: Nachfolgelösung für das St.Galler Schlupfhuus in Sicht

Das Amt für Soziales hat die Weichen gestellt bei der Nachfolgelösung für das Schlupfhuus. Der St.Gallische Hilfsverein für gehör- und sprachgeschädigte Kinder und Erwachsene ist im Bewilligungsverfahren für eine neue Notunterkunft für Kinder und Jugendliche. Ergänzend soll ein Angebot für Säuglinge und Kleinkinder entstehen.
Katharina Brenner
Das Schlupfhuus wird seine Türen Ende März 2020 schliessen. (Bild: Benjamin Manser)

Das Schlupfhuus wird seine Türen Ende März 2020 schliessen. (Bild: Benjamin Manser)

Wenn die SP-Grüne-Fraktion schreibt, sie sei gespannt, klingt das misstrauisch. Sie sei gespannt, wie das neue Angebot in dieser kurzen Zeit in der notwendigen Qualität aufgebaut werden könne. Gemeint ist die Nachfolgelösung für das Schlupfhuus, der Notunterkunft für Kinder und Jugendliche in der Stadt St. Gallen. Das Amt für Soziales hat dafür die Weichen gestellt: Es empfiehlt dem St. Gallischen Hilfsverein für gehör- und sprachgeschädigte Kinder und Erwachsene, sich dem formellen Bewilligungsverfahren für den Aufbau einer neuen Notunterkunft zu stellen. Das teilte die Staatskanzlei gestern mit. Drei Trägerschaften hatten Projektskizzen eingereicht.

Der ausgewählte Verein betreibt mehrere Sprachheilschulen, ein Internat, eine Kindertagesstätte sowie verschiedene Beratungs- und Therapieangebote. Weder Präsident Walter Gattiker noch Christina Manser, Leiterin des Amts für Soziales, äussern sich zu konkreten Plänen. Soviel sagt Gattiker: «Wir erarbeiten ein völlig neues Konzept.» Er fügt aber auch hinzu, dass bei solchen Institutionen vieles vorgegeben sei.

Der Start ist im Frühjahr 2020 geplant

Viel Zeit bleibt nicht. Manser rechnet mit einem Entscheid im Herbst. Der Betrieb soll im Frühjahr starten. Ende März 2020 schliesst das Schlupfhuus. Ein wirtschaftlicher Betrieb des kleinen, unabhängigen Angebots sei immer schwieriger geworden, teilte der Kanton im Frühjahr mit. Letztes Jahr hatte ein Defizit von 300000 Franken resultiert, das der Kanton übernahm. Getragen wird das Schlupfhuus von der Stiftung Ostschweizer Kinderspital.

Der Entscheid stiess auf Unverständnis. Mitglieder der CVP sowie die SP-Grüne-Fraktion reichten Interpellationen ein. Sie betonen die Bedeutung der Notunterkunft sowie der Betreuungsqualität und sprechen sich gegen Sparmassnahmen aus. Die SP-Grüne-Fraktion schreibt, es brauche genügend Plätze, um eine Nachfragespitze befriedigen zu können. SP-Kantonsrat Dario Sulzer reichte deshalb gestern eine Motion ein mit dem Titel: «Schaffung einer Rechtsgrundlage für den Betrieb einer Notunterkunft für Kinder und Jugendliche». Künftig soll die Notunterkunft statt acht Plätzen vier bis sechs haben. Dabei stützt sich der Kanton auf Erfahrungswerte der letzten Jahre.

Reduktion der Plätze stösst auf Kritik

Michael Gretler, der seit 15 Jahren im Schlupfhuus arbeitet, sieht diese Reduktion kritisch: «Wie können Zeiten, in denen viele Jugendliche Schutz suchen, gut bewältigt werden?» Manser sagt, dann könne auf Pflegefamilien und bei Kindern bis sechs Jahren auf das neue Angebot der GHG ausgewichen werden. Damit meint sie die neue, ergänzende Notfallunterkunft für Säuglinge und Kleinkinder. Damit will der Kantone eine Angebotslücke schliessen. Die Fallzahlen bei Kleinkindern nehmen zu, für ihre Betreuung gelten besondere Anforderungen. Im Bewilligungsprozess steht die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St. Gallen (GHG), die Heime für Betagte, Schulen für Kinder mit Behinderungen, eine Kindertagesstätte und Wohngruppe für Kleinkinder betreibt.

Die GHG biete derzeit acht Plätze für Säuglinge und Kleinkinder an, sagt Präsident Patrik Müller. Neu will die Einrichtung zusätzlich zwei Plätze für Notfälle schaffen. «Wir werden dafür Räumlichkeiten ausbauen.» Für Kleinkinder besteht gemäss Staatskanzlei ein Bedarf an durchschnittlich einem Platz.

Beide Angebote in der Stadt St. Gallen

Die neuen Angebote sollen schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen aus dem ganzen Kanton und bei Bedarf auch Kindern aus anderen Kantonen offen stehen. Und beide sollen in der Stadt St. Gallen entstehen. Das freut Schlupfhuus-Mitarbeiter Gretler, der auch Sprecher des Petitionsteams ist, das Fachleute nach der angekündigten Schliessung des Schlupfhuus’ lancierten. Aktueller Stand: über 7000 Unterschriften. «Wir wollen damit auf Qualitätsmerkmale aufmerksam machen, die uns wichtig sind», so Gretler.

Dazu gehöre gut ausgebildetes Personal mit Erfahrungen in Krisenintervention und Traumapädagogik. Sowie ein Angebot, das Jugendliche in Not leicht erreichen können. Ob dies noch der Fall sei, wenn der Ort nicht öffentlich ist, stellt das Petitionsteam in Frage. Die Adresse des Schlupfhuus’ ist bekannt, die Sicherheit sei trotzdem gewährleistet. Den genauen Ort der neuen Notunterkünfte nennen die Verantwortlichen vorerst nicht. «Zum Schutz der Kinder und Jugendlichen», sagt Manser. Heute, da jeder ein Handy habe, sei ein Anruf fast die kleinere Hürde.

Eines betont Manser: «Es ist wichtig, den beiden Organisationen eine Chance zu geben.» Fachwelt, Politik und Bevölkerung sollten ihnen zutrauen, dass etwas Gutes entstehe.

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