Nachfolgelösung
Der Gemeinde Wattwil gelang ein Coup: Die Berit Klinik steigt im Toggenburg ein – was sind die Pläne der Ausserrhoder Privatklinik?

Die Spitalnachrichten aus dem Toggenburg überschlugen sich an dem Tag: Das private Pflegeunternehmen Solviva zieht sich aus Wattwil zurück, auf der Matte steht bereits das nächste. Die Berit Klinik ist am Spital interessiert – und unterzeichnet eine Absichtserklärung.

Regula Weik
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Was künftig in den heutigen Wattwiler Spitalgebäuden angeboten wird, ist noch offen.

Was künftig in den heutigen Wattwiler Spitalgebäuden angeboten wird, ist noch offen.

Bild: Benjamin Manser

Die Gemeinde Wattwil war mit dem geplanten Zentrum für Gesundheit, Notfall und spezialisierte Pflege nie warm geworden. Die medizinische Versorgung des Toggenburgs sei damit nicht ausreichend gewährleistet. Es fehle eine ambulante Tagesklinik. Nun, da die Gemeinde die Spitalimmobilie übernehmen kann, ist sie diesem Ziel einen grossen Schritt näher gekommen: Denn wenige Minuten, nachdem der Rückzug des privaten Pflegeunternehmens Solviva aus Wattwil kommuniziert worden war, konnte sie den nächsten, privaten Interessenten präsentieren - die Berit Klinik. Die Ausserrhoder Privatklinik und die Gemeinde haben eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Doch was plant die Berit Klinik in Wattwil? Welche medizinischen Leistungen will sie im Toggenburg anbieten? Wird sie eine ambulante Tagesklinik realisieren? Denkt sie auch über stationäre Angebote nach?

Der CEO gibt sich bedeckt

Peder Koch, CEO der Berit Klinik.

Peder Koch, CEO der Berit Klinik.

Bild: Ralph Ribi

Für Antworten sei es noch zu früh, erklärt CEO Peder Koch auf Anfrage. Nur so viel: Ja, sie hätten eine Absichtserklärung mit der Gemeinde Wattwil unterzeichnet. Mehr könne er derzeit noch nicht sagen, so der CEO – und er verweist auf das Communiqué der Gemeinde, das diese vor zehn Tagen verschickt hatte. Darin ist die Rede von einem medizinischen Zentrum mit ambulanter Tagesklinik und «allenfalls weiteren Leistungselementen» für die regionale Bevölkerung. Und weiter: «Die Berit Klinik ist bereit und sieht sich in der Lage, einerseits ein breites Leistungsspektrum abzudecken und andererseits für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Wattwil attraktive Perspektiven zu eröffnen.» Sowohl der Gemeinderat als auch die Berit Klinik seien offen für die Zusammenarbeit mit den im – inzwischen gescheiterten – Nachfolgekonzept des Kantons vorgesehenen Leistungserbringern.

Bruno Damann, St.Galler Regierungsrat und Gesundheitschef.

Bruno Damann, St.Galler Regierungsrat und Gesundheitschef.

Bild: Michel Canonica

Er sei nicht gegen das Engagement der Berit Klinik in Wattwil, versicherte der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann gegenüber dieser Zeitung, nachdem er von den Plänen erfahren hatte. Zuerst müssten nun aber die gegenseitigen Vorstellungen geklärt werden. Nach den Sommerferien werde er möglichst rasch mit der Gemeinde Wattwil, der Berit Klinik, aber auch den anderen bisherigen Partnern an einen Tisch sitzen.

Ein zentrales Thema wird dabei die Notfallversorgung im Toggenburg sein. Der Kanton ist verpflichtet, diese zu gewährleisten. «Und falls die Berit Klinik plant, in Wattwil einen Notfall zu betreiben, reden wir auch darüber», so der Gesundheitschef. Danach gefragt bestätigt Peder Koch das geplante Treffen mit allen Beteiligten und sagt:

«Wer dann was in Wattwil anbietet, wird man danach sehen.»

Wann wird das Spital geschlossen?

Wie rasch es in Wattwil nun vorwärtsgeht, ist derzeit noch offen. Auch welche weiteren Partner – neben der Berit Klinik – sich der neuen Nachfolgelösung der Gemeinde anschliessen werden. Bislang war geplant, das Spital Wattwil sicher bis Herbst 2023 weiterzubetreiben. Die Fluktuationsrate ist aber bereits heute hoch. Führt die Ungewissheit zu weiteren Abgängen, dürfte eine frühere Schliessung ein Thema werden.

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