Nachbarstreit artet aus

Weil er seine Nachbarin beschimpft hat, musste sich ein 67-Jähriger vor Gericht verantworten. Die Fehde dauert bereits Jahre. Sie brachte den Rentner laut eigener Aussage schon ins Spital.

Margrith Widmer
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BÜHLER. Ein 67jähriger Rentner stand am Montag vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht. Er hatte vor gut einem Jahr eine Frau in einem Quartier in Bühler beleidigt, sie mit einem Schimpfwort betitelt, mit dem in der Vulgärsprache das Geschlechtsteil einer Sau bezeichnet wird. Ein Nachbar war Zeuge. Es ist nicht die erste Auseinandersetzung im Quarter; der Streit dauert schon Jahre.

Einsprache gegen Urteil

Die Ausserrhoder Staatsanwaltschaft verurteilte den Mann wegen Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von 1000 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren. Zusätzlich muss er eine Busse von 500 Franken zahlen. Er hätte – samt Gebühren und Polizeikosten – 810 Franken bezahlen müssen. Dagegen erhob er Einsprache. Die Staatsanwaltschaft aber stützte sich auf die als glaubwürdig eingestufte Aussage der Privatklägerin und auf die Zeugenaussage eines Nachbars. Dieser bestätigte, das Schimpfwort klar und deutlich gehört zu haben. Der Beschuldigte bestritt die Beschimpfung vehement. Seine Frau, die den Streit teilweise vom Fenster aus beobachtet hatte, sagte als Zeugin aus. Sie habe nichts gehört, beteuert sie vor Gericht.

Der Rentner bestritt auch, dass der Zeuge in der Nähe gewesen sei. Die Klägerin habe ihn auf seinem Grundstück fotografiert. Das will auch die Gattin des Rentners gesehen haben.

Auslöser des Streits war ein Lieferwagen, den der Rentner von seinem Grundstück verwiesen hatte: Die Person, die den Wagen gelenkt habe, habe ihm mit der Stossstange einen «Putsch» gegeben.

Der Mann ist des weiteren überzeugt, dass das Ganze eine «Retourkutsche» sei für einen Vorfall vor zwei Jahren: Damals habe eine Nachbarin den Rentner bezichtigt, morgens um 4 Uhr Kehricht im Quartier verstreut zu haben. Dabei, sagt der Mann, habe er in Solothurn an einem christlichen Fest teilgenommen. Im Übrigen habe der Ehemann jener Nachbarin von seinem früheren Chef verlangt, ihn zu entlassen, berichtete der Rentner weiter.

Mit Schneefräse verletzt

Die Nachbarn hätten ihn bedroht, hätten ihm einen Zaun abmontiert und ihn mehrmals zusammengeschlagen, sagt der Mann. Einer von ihnen habe ihn mit einer Schneefräse derart verletzt, dass er sich im Spital habe behandeln lassen müssen; andere Nachbarn seien auf seine Gattin losgegangen. «Das ist ein Schlägerquartier», so der 67-Jährige.

Urteil steht noch aus

Dass die Nachbarn ein Wegrecht durch das Grundstück des Rentners haben, weiss dieser zwar. Zu seiner Rechtfertigung sagt er aber, dass sie Schaden angerichtet hätten. In seinem Schlusswort äussert er einen Wunsch: «Ich will, dass man uns endlich in Ruhe lässt.»

Bereits vor drei Jahren sei eine Nachbarin wegen Verleumdung verurteilt worden, sagte der Rentner aus. Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft liegen keine entsprechenden Akten vor. Das Urteil steht noch aus. Der Richter will wissen, was es mit der behaupteten Verurteilung wegen Verleumdung auf sich hat.

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