Nach tödlichem Unfall auf Autobahn A1: St.Galler Polizei sucht Dashcam-Aufnahmen

Erstmals erweitert die St.Galler Polizei einen Zeugenaufruf explizit auf Aufnahmen von Dashcams. Ob sie als Beweise zulässig wären, ist unsicher. Es sei aber Aufgabe der Polizei, alle Hinweise zu sammeln, sagt dazu der Polizeisprecher. Auch im Thurgau ist die Verwertung solcher Aufnahmen umstritten.

Drucken
Teilen
Die St.Galler Kantonspolizei sucht erstmals aktiv und per Zeugenaufruf Autofahrer, die mit eingeschalteter Dashcam den Unfallhergang auf der A1 filmten. (Bild: KEYSTONE/DPA/Wolfgang Kumm)

Die St.Galler Kantonspolizei sucht erstmals aktiv und per Zeugenaufruf Autofahrer, die mit eingeschalteter Dashcam den Unfallhergang auf der A1 filmten. (Bild: KEYSTONE/DPA/Wolfgang Kumm)

(sda/dh) Am Freitag kam es auf der Autobahn A1 zwischen Oberbüren und Gossau bei einer Serie von drei Unfällen zu mehreren Kollisionen. Zehn Fahrzeuge waren beteiligt. Eine Beifahrerin kam ums Leben.

Am Dienstag veröffentlichte die St.Galler Polizei dazu einen Zeugenaufruf. Unter anderem werden darin Autofahrer gesucht, «die mit eingeschalteter Dashcam den Unfallhergang filmten».

Die kleinen Kameras, die auf der Windschutzscheibe so angebracht werden müssen, dass sie die Sicht nicht behindern, finden immer mehr Verbreitung. Sie sind mit Weitwinkelobjektiven ausgestattet und filmen inzwischen mit hoher Auflösung.

Aufruf als letztes Mittel

Solche Aufnahmen würden zunehmend gemacht, «wieso sollen wir sie nicht nutzen?», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi zu Keystone-SDA. Es habe sich um einen schweren Unfall mit einem Todesopfer gehandelt, bei dem der Ablauf «nicht glasklar» sei. Unter anderem seien auch verschiedene Versicherungen involviert. In den sozialen Medien habe man bereits nach Bildern des Unfalls gesucht, erklärt er. Ein solcher Zeugenaufruf sei jeweils das letzte Mittel.

«Wir versprechen uns nicht wahnsinnig viel davon», räumt Krüsi ein. Bilder, die erst nach der Kollision aufgenommen wurden, brächten nichts. Es gehe um die Situation vor dem ersten Zusammenstoss. Zehn Autos seien am Unfall direkt beteiligt gewesen, die Aufnahmen könnten also höchsten noch von den nächsten drei, vier Fahrzeugen stammen. Teilweise würden die Aufnahmen auch automatisch nach 24 Stunden von den Speicherkarten gelöscht, weiss der Polizeisprecher.

Bei einem Unfall zwischen Gossau und Oberbüren ist eine Frau ums Leben gekommen.(Bild: Beat Kälin/BrkNews)

Bei einem Unfall zwischen Gossau und Oberbüren ist eine Frau ums Leben gekommen.(Bild: Beat Kälin/BrkNews)

Die Gerichte haben bisher Bilder von Dashcams unterschiedlich beurteilt. «Es ist unsere Aufgabe, alle Hinweise zu sammeln», so Krüsi. Dazu gehörten Aussagen von Beteiligten oder Zeugen, aber auch Fotos. Nun kämen bewegte Bilder dazu. Wie sie verwendet werden, sei danach Sache der Staatsanwaltschaft.

Noch nie Dashcam-Aufnahmen im Thurgau gesucht

Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, kann sich nicht erinnern, dass im hiesigen Kanton jemals per Zeugenaufruf Dashcam-Aufnahmen gesucht wurden. Gemäss der Staatsanwaltschaft Thurgau ist die Verwendung solcher Daten allerdings rechtlich umstritten. «Eine strafprozessuale Verwertung von Dashcam-Aufzeichnungen ist nur unter gewissen Voraussetzungen möglich», sagt deren Sprecher Marco Breu.

Gerade bei Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten oder gar mit Todesfolge, bei denen der Unfallhergang unklar sei, würden die Aufnahmen sichergestellt und «die Frage der Verwertbarkeit sodann dem Gericht vorgelegt». Bei schweren Unfällen werde der Pikett-Staatsanwalt aufgeboten, der vor Ort die Sicherstellung der nötigen Beweismittel in Zusammenarbeit mit der Polizei anordnet.