Nach Stallbrand in Herdern: Tierschützer fordern Brandmelder und Sprinkleranlagen in Ställen

«Die Bauern verlieren viel, die Tiere ihr Leben»: Ende Februar sterben 160 Schweine bei einem Grossbrand in Herdern. Nun verlangen Tierschutzorganisationen einen härteren Brandschutz.

David Grob
Drucken
Teilen
Beim Brand am 25. Februar in Herden starben rund 160 Schweine.

Beim Brand am 25. Februar in Herden starben rund 160 Schweine.

Bild: BRK News

Zwei Stallbrände, zwei Anzeigen: Ende Februar ist in Herdern ein Schweinestall abgebrannt, 160 Schweine starben; Anfang Jahr fielen im Rheintaler Dorf Sax rund 400 Schweine Flammen zum Opfer. Laut Eigenangaben hat die Tierrechtsorganisation Peta in beiden Fällen Anzeige gegen die Betreiber eingereicht. Ilana Bollag, Fachreferentin der Peta Schweiz, sagt:

«Es ist grobfahrlässig, dass so viele unschuldige Lebewesen im Feuer sterben müssen.»

Und in einem Communiqué der Tierrechtsorganisation heisst es: «Aufgrund mutmasslich unzureichender Brandschutzmassnahmen wurde möglicherweise billigend in Kauf genommen, dass die Schweine ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen.»

Der Zweck der Anzeige ist auch ein politischer. «Wir erhoffen uns, dass endlich gesetzliche Vorgaben für den Brandschutz in Ställen eingeführt werden», sagt Bollag. In den bestehenden Brandschutzverordnungen würde der Schutz der Tiere so gut wie nicht geregelt.

Ähnlich sieht es auch die Stiftung «Tier im Recht». «Die heutige Situation ist nicht zufriedenstellend», sagt Vanessa Gerritsen, stellvertretende Geschäftsführerin «Tier im Recht». «Wir prüfen derzeit politische Massnahmen zur Verbesserung der Situation.» Ihr Ziel: Brandmelder und Sprinkleranlagen in allen Ställen.

Ein Brandmelder hätte nicht geholfen

Für Hansjörg Lüking, Leiter des Massnahmezentrums Kalch­rein, zum der abgebrannte Zuchtbetrieb in Herdern gehört, hätte ein Brandmelder das Unglück kaum verhindert. Diese würden in landwirtschaftlichen Betrieben nicht zuverlässig funktionieren.

«Oft kommt es wegen Feuchtigkeit oder Staub zu Fehlalarmen.»

Und Lüking sieht einen weiteren Grund: «Die Tiere laufen zurück in den Stall.» Bei Gefahr zeigen Schweine nämlich ein artenspezifisches Verhalten: Sie bleiben stehen und ergreifen nicht die Flucht. Die Tiere müssen aus dem brennenden Stall getrieben werden. Obschon Betriebsleiter Ernst Zellweger den Brand in Herdern entdeckte und rasch reagierte, konnten nur rund 20 Tiere gerettet werden.

«Für ihn waren die letzten Wochen sehr schwierig», sagt Lüking. Die Untersuchung der Polizei, die nicht von menschlichem Fehlversagen ausgeht, sei eine Erleichterung gewesen. Die Anzeige der Peta kommentiert Lüking mit den folgenden Worten:

«Wir halten den Tierschutz sehr hoch. Es war ein vorbildlich geführter Stall.»
Markus Hausammann, Präsident Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Markus Hausammann, Präsident Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Bild: Peter Klaunzer, Keystone

Markus Hausammann, Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft, hält die Anzeige der Peta indes für «sehr bedenklich»: «Es kann nicht sein, dass ein Landwirt, der nun wahrlich andere Sorgen hat, sich nun mit einer Anzeige herumschlagen muss.» Trotzdem ist er dem Anliegen der Peta nicht abgeneigt.

«Brandmelder in Ställen könnten allenfalls eine gute Lösung sein – wenn es technisch möglich ist.»

Er schränkt aber gleich ein: Gehe es der Peta nur darum, die Tierhaltung in der Schweiz generell zu erschweren oder abzuschaffen, dann habe er grosse Mühe.

Die Stiftung «Tier im Recht» würde ein anderes Vorgehen wählen. «Wir setzen auf die Forderung nach einem effektiven Brandschutz», sagt Gerritsen. Die Anzeige von Peta sei rechtlich aber nicht unbegründet, schliesslich habe der Tierhalter die Verantwortung, das Wohlergehen seiner Tiere sicherzustellen. «Man muss die Frage stellen dürfen, ob wirklich alle Vorkehrungen getroffen worden sind.» Ein solcher Brand sei natürlich immer eine Tragödie: «Die Bauern verlieren viel, die Tiere ihr Leben.»

«Tier im Recht» setzt auf politische Vorstösse

Das Mittel der Peta, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist die Anzeige. Die Stiftung «Tier im Recht» sucht andere Wege. Die Stiftung möchte die Problematik mit politischen Vorstössen im Nationalrat und in den kantonalen Parlamenten thematisieren.

Mehr zum Thema