Nach Stachs Rücktritt steht der Universitätsrat St.Gallen vor einem Umbruch – Die SVP sucht bereits einen Nachfolger

Der St.Galler Rechtsanwalt Patrick Stach zieht sich nach überhöhter Honorarforderung zurück.

Christoph Zweili/Regula Weik
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Der St. Galler Rechtsanwalt Patrick Stach gibt seinen Rücktritt als Universitätsrat bekannt.

Der St. Galler Rechtsanwalt Patrick Stach gibt seinen Rücktritt als Universitätsrat bekannt.

Bild: Hanspeter Schiess

Patrick Stach reagiert auf den öffentlichen Druck und tritt aus dem Universitätsrat zurück. Der St.Galler Rechtsanwalt war vor einer Woche wegen einer krass überhöhten Honorarforderung in die Schlagzeilen geraten. Sofort waren Rücktrittsforderungen laut geworden. Gestern nun hat Stach die Konsequenzen gezogen.

Im Vorfeld der Erneuerungswahl des Universitätsrats im Juni sind nun die Fraktionen des Kantonsparlaments gefordert. Die SVP sieht sich in der Verantwortung: «Wir haben die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin bereits eingeleitet», sagt Vize-Fraktionspräsident Christoph Gull.

Das oberste Führungsgremium der HSG steht vor einem Umbruch. Bereits bekannt sind die Rücktritte von Ruth Metzler, Hildegard Fässler und Karl Güntzel. Das neue Universitätsgesetz, das derzeit in der internen Vernehmlassung ist und ab 2023 greifen soll, sieht eine Verkleinerung und Entpolitisierung des Elfer-Gremiums vor. Laut dem St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker ist derzeit offen, welche Stellung der Universitätsrat in Zukunft haben wird und welche Anforderungen an die Mitglieder gestellt werden.

Regierung gewährt Stach Gehör

Die St.Galler Regierung hat Patrick Stach vergangene Woche rechtliches Gehör gewährt. Das sei angezeigt gewesen aufgrund der medialen Berichterstattung, sagt Bildungschef Stefan Kölliker, der den Universitätsrat präsidiert. «Mit seinem Rücktritt sind weitere Schritte nun obsolet geworden. Stachs Rücktritt sei ein Verlust für das Gremium. «Er hat in den sechs Jahren ausgezeichnete Arbeit für die HSG geleistet, mit der er sich extrem identifiziert hat.»

Bleibt nach dem «Fall Stach» ein Reputationsschaden für die HSG zurück? «Gut war das sicher nicht für die Universität», sagt Kölliker. Mittel- und langfristig gehe er allerdings nicht von einem Reputationsschaden aus.

SP: «Wir sind erfreut und erleichtert»

Laura Bucher.

Laura Bucher.

Michel Canonica

Die SP reagiert kurz und knapp auf den Rücktritt:

«Herr Stach hat eingesehen, dass er der Universität St.Gallen mehr schadet als nützt, wenn er sich an sein Amt klammert.»

Co-Präsidentin Laura Bucher hatte vor Wochenfrist namens der Fraktion von SP und Grünen Stachs Rücktritt aus dem Universitätsrat gefordert. «Wir sind nun erfreut und erleichtert über diesen Schritt.»

Für die «entscheidende Phase der Neuorientierung» nach den Skandalen der letzten Monate sei die Universität auf einen starken Universitätsrat angewiesen. «Dieser muss sich auf seine Aufgaben konzentrieren können und in diesem wichtigen Prozess als Vorbild vorangehen», hält die Fraktion fest. Der dringend nötige Kulturwandel an der Universität St.Gallen sei nur möglich, wenn er von allen mitgetragen werde – «vom Hauswart über die Studierenden bis zu den Mitgliedern des Universitätsrats».

CVP: «Der richtige Schritt und auch konsequent»

Andreas Widmer, CVP-Fraktionspräsident.

Andreas Widmer, CVP-Fraktionspräsident.

Bild: Hanspeter Schiess

Auch CVP und Grünliberale hatten den Rücktritt gefordert:

«Der Verurteilte hat in seiner beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt mehr als nur unanständig gehandelt.»

Man begrüsse den sofortigen Rücktritt, sagt Fraktionspräsident Andreas Widmer. «Damit wird die Universität St. Gallen vor weiterem Ärger verschont.» Der Schritt sei «richtig und auch konsequent». Die Mitglieder des obersten Führungsorganes hätten auch Vorbildfunktion.

Raphael Frei, FDP-Kantonsrat und Kantonalpräsident.

Raphael Frei, FDP-Kantonsrat und Kantonalpräsident.

Regina Kühne

Für FDP-Kantonsrat und Kantonalpräsident Raphael Frei waren die Vorwürfe gegen den SVP-Kantonsrat «schwerwiegend». Nun attestiert er: «Patrick Stach hat mit seinem Rücktritt verantwortungsvoll gehandelt. Er hat damit die Universität und ihr strategisches Führungsgremium aus der Schusslinie genommen.» Damit sei seine Person nicht mehr von öffentlichem Interesse. Die Partei werde sich deshalb nicht weiter zu diesem Fall äussern.

Christoph Gull, SVP-Fraktionspräsident.

Christoph Gull, SVP-Fraktionspräsident.

Bild: PD

Die SVP-Fraktion sah sich mit Blick auf die Erneuerungswahl des Universitätsrats in der Junisession in der Verantwortung: «Es haben verschiedene Gespräche mit Patrick Stach stattgefunden», sagt Vize-Fraktionspräsident Christoph Gull. Stachs Rücktritt sei aufgrund der Ereignisse und Entwicklungen der letzten Tage «sicher der richtige Schritt, sowohl für die HSG als auch für Herrn Stach persönlich».

Die aktive Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin im Universitätsrat sei bereits am Montag eingeleitet worden. Noch offen ist, ob es zu einer Nachwahl in der noch laufenden Amtszeit kommt, oder ob die Nachwahl direkt mit der Neuwahl des Unirates im Juni erfolgen wird.