Nach Schlägerei auf Gossauer Bahngeleisen: Beschuldigter wird des Landes verwiesen

Ein 27-jähriger Kosovare musste sich wegen einer Schlägerei vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten. Für das Gericht ist erwiesen, dass er der Provokateur war. Das Urteil: eine unbedingte Haftstrafe von neun Monaten und eine Landesverweisung von fünf Jahren.

Claudia Schmid
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Die Tat hatte sich 2019 am Gossauer Bahnhof zugetragen.

Die Tat hatte sich 2019 am Gossauer Bahnhof zugetragen.

Bild: Alexa Maier

Bei der Prügelei wurde das Opfer am Hals verletzt. Dafür verantwortlich gemacht, wurde ein 27-jähriger Mann, der sich vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten musste. Er schilderte aus seiner Sicht, was sich 2019 am Bahnhof Gossau zugetragen hatte. Er habe seinen Kontrahenten nicht gekannt. Dieser habe ihn provoziert und die Schlägerei angefangen.

Auf die Geleise gestürzt

Laut dem Beschuldigten wollte das spätere Opfer eine Zigarette von ihm «schnorren». Als er dies verweigerte, habe der Mann sich neben ihn auf die Bank gesetzt und ihm die Zigarettenpackung entwenden wollen. Dies sei ihm nicht gelungen. Plötzlich habe er einen Schlag erhalten, worauf eine gegenseitige Rangelei entstanden sei. Während der Auseinandersetzung gerieten die beiden Männer offenbar auf die Geleise. Zufällig anwesende Angehörige der Armee versuchten die beiden zu trennen.

Zurück auf dem Perron sei er vom Kontrahenten verfolgt und weiter attackiert worden, erzählte der Beschuldigte weiter. Dabei habe ihm der Mann von hinten eine Bierdose an den Kopf geschlagen. Ein Messer sei nicht im Spiel gewesen. Er habe sich nur mit seinen Fäusten gewehrt.

Arbeit und Wohnung verloren

Der vorsitzende Richter wies den Beschuldigten darauf hin, dass sowohl Zeugen als auch das Opfer eine andere Version der Geschehnisse zu Protokoll gegeben hätten. Demnach gingen die Provokationen vom Beschuldigten aus. Angesprochen wurde in der Befragung auch die familiäre Situation des 27-Jährigen. Er habe seine Arbeit und seine Wohnung verloren, antwortete er auf entsprechende Fragen. Zudem gebe es Probleme in seiner Ehe.

Frau und Tochter flüchteten ins Frauenhaus. Von der Fremdenpolizei bekam der vor sechs Jahren in die Schweiz eingereiste Kosovare die Weisung, einen Deutschkurs zu besuchen, den er aber abbrach. Zudem hat er mehrere Vorstrafen, bei denen es um Strassenverkehrsdelikte und Ungehorsam in Betreibungsverfahren ging.

Widersprüchliche Aussagen

Die Staatsanwältin beantragte eine Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Gefährdung des Lebens und als Strafmass eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Zudem sei er für fünf Jahre aus der Schweiz zu verweisen. Die Zeugenaussagen würden beweisen, dass die Provokationen vor der Auseinandersetzung vom Beschuldigten ausgegangen seien. Seine eigenen Aussagen seien widersprüchlich. Er habe mit einem Messergriff gegen den Hals des Opfers geschlagen.

Es sei keineswegs bewiesen, dass ihr Mandant den Streit angefangen habe, betonte die Verteidigerin. Auch der Kontrahent habe Aussagen gemacht, die offensichtlich nicht stimmten. Deshalb sei überhaupt nicht erstellt, was sich genau zugetragen habe. Mehrere Zeugen hätten ausgesagt, dass der Privatkläger den zweiten Teil des Streits begonnen habe. Fest stehe, dass beide während der Auseinandersetzung geschlagen hätten. Keine einzige Person, die am Tatort zugegen gewesen sei, habe ein Messer gesehen. Deshalb könne man nicht davon ausgehen, dass eines im Spiel gewesen sei.

Die Verteidigerin verlangte Freisprüche von Schuld und Strafe oder allenfalls einen Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung und eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Von einer Landesverweisung sei abzusehen. Ihr Mandant sei in einen Teufelskreis geraten, aus dem es für ihn schwierig sei herauszukommen. Die Situation sei nicht nur selbstverschuldet. Die Behörden hätten es ihm nicht leicht gemacht.

Beschuldigter muss Land verlassen

Das Kreisgericht St.Gallen sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung und der Gefährdung des Lebens frei, verurteilte ihn aber wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung zu einer unbedingten Haftstrafe von neun Monaten und einer Landesverweisung von fünf Jahren.

Für das Gericht sei erwiesen, dass er der Provokateur in der Auseinandersetzung gewesen sei, erklärte der vorsitzende Richter zum Urteil. Nicht bewiesen sei, dass er ein Messer eingesetzt habe. Die Landesverweisung spreche das Gericht aus, weil der kosovarische Staatsangehörige in den sechs Jahren seines Aufenthaltes in der Schweiz rein gar nichts zu seiner Integration beigetragen habe.