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Nach Scheitern des Textildesign-Lehrgangs in St.Gallen: Die Branche schlägt zurück

Nach dem Scheitern des St.Galler Lehrgangs für Textildesign bestreiten die Textilunternehmer eine Mitschuld.
Odilia Hiller
Der Lehrgang für Textildesign an der St.Galler Schule für Gestaltung kann trotz genügend Interessenten nicht starten. (Bild: Beat Belser)

Der Lehrgang für Textildesign an der St.Galler Schule für Gestaltung kann trotz genügend Interessenten nicht starten. (Bild: Beat Belser)

Nachdem der berufsbegleitende Lehrgang für Textildesign an der St.Galler Schule für Gestaltung gescheitert ist, melden sich die Textiler zu Wort. Im Raum steht der Vorwurf, die Textilbranche habe die Initiative, einen eigenen, praxisnahen Ausbildungsweg für die Ostschweiz zu schaffen, zu wenig unterstützt.

Davon möchten die Geschäftsführer der St.Galler Forster-Rohner-Gruppe nichts wissen. Co-Chefin und Textilunternehmerin Caroline Forster sagt dazu: «Wir haben uns als Gesprächspartner für die Initiantinnen des Lehrgangs von Beginn weg zur Verfügung gestellt.» Zunächst sei sie selber Ansprechperson gewesen, später dann die Kreativchefin der Inter-Spitzen AG, einer Firma der Gruppe, die auf Stickerei für Lingerie spezialisiert ist.

Caroline Forster. (Bild: Urs Bucher)

Caroline Forster. (Bild: Urs Bucher)

Zu Forster Rohner gehören neben der Inter-Spitzen AG die Jakob Schlaepfer AG sowie die Forster Rohner AG. Schlaepfer und Forster Rohner sind vor allem auf Stoffe für den Haute-Couture- und Prêt-à-Porter-Bereich sowie technische Textilien ausgerichtet.

«Wir wurden kaum in das Projekt einbezogen»

Es sei im Gegenteil so gewesen, dass seitens der Schule für Gestaltung die Anstrengungen, die Industrie und deren Bedürfnisse in die Konzeption des Lehrgangs einzubeziehen, gering gewesen seien, so Caroline Forster. «Grundsätzlich ist es natürlich schade, dass ein solcher Lehrgang nicht zustande kommt.» Dennoch sei sie mit der Analyse von Ex-Schlaepfer-Kreativchef Martin Leuthold in dieser Zeitung nicht einverstanden, wonach der Innovationsgeist zurzeit nicht gross genug sei.

Dies bekräftigt Caroline Forsters Bruder und Co-Geschäftsführer Emanuel Forster, der sich gerade auf dem Weg von den Forster-Produktionsstätten in Bosnien nach China befindet. Er sagt:

«Der Innovationsgeist in der Industrie ist so gross und vielseitig wie schon lange nicht mehr.»

Emanuel Forster. (Bild: Ralph Ribi)

Emanuel Forster. (Bild: Ralph Ribi)

Das Bedürfnis, talentierte und gut ausgebildete Textildesigner für ihre Firmen zu gewinnen, sei sehr gross – und solche zu finden, sei zentral. «Wir wurden gar nicht oder kaum in das Projekt einbezogen», so Emanuel Forster. Für so etwas müssten aber «alle Seiten und alle Aspekte» ins Boot geholt werden.

Silvan Wildhaber, Chef des St. Galler Textilunternehmens Filtex AG, weist auf die Marktbedingungen hin, wie es gegenüber unserer Zeitung bereits der Branchenverband Swiss Textiles getan hatte. «Ich war von Beginn weg zurückhaltend. Dies aus einem einfachen Grund: Wir sollten nicht mehr Textildesigner ausbilden, als wir einstellen können.» Mit der Rekrutierung selbst- oder in der Ostschweiz ausgebildeter Stickereientwerferinnen könne sein Unternehmen den Bedarf heute gut abdecken.

Silvan Wildhaber. (Bild: PD)

Silvan Wildhaber. (Bild: PD)

Der Filtex-Chef weist darauf hin, dass die Designteams in den regionalen Unternehmen immer kleiner würden – und die Kooperationen internationaler:

«Wir waren der Ansicht, dass wir die kritische Grösse in der Ostschweiz nicht mehr erreichen, um alle drei Jahre ein gutes Dutzend neuer Textildesigner zu beschäftigen.»

Auch seien keine konkreten Anfragen seitens der Schule vorgelegen, allenfalls Lehrgangsteilnehmende zu beschäftigen. Bischoff Textil ist nur noch ein KMU Der neue Geschäftsführer von Bischoff Textil AG in St.Gallen, Gwen Aubry, sieht die Ostschweizer Textilunternehmen ebenfalls in der Pflicht, die wirtschaftliche Realität im Auge zu behalten:

Gwen Aubry. (Bild: PD)

Gwen Aubry. (Bild: PD)

«Nehmen Sie unser Beispiel: Nach der letztjährigen Reorganisation ist die Bischoff Textil AG für die Ostschweiz faktisch noch ein KMU mit 28 Beschäftigten.» Der Markt werde durch den thailändischen Joint-Venture-Partner bearbeitet. «Wir sind Lohnhersteller für Bischoff-Gamma, das von Thailand aus geleitet wird.» Die Nachfrage nach zusätzlichem Designernachwuchs wäre also auch ihrerseits nicht gegeben.

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