Nach Pyro-Wurf beim Luzern-Match: FCSG-Anhänger erhält mildere Strafe

Das Bundesstrafgericht senkt den unbedingten Teil der Freiheitsstrafe für einen Fan des FC St.Gallen. Dieser hatte im Jahr 2016 Böller auf den Rasen der Swissporarena geworfen. Ein Matchbesucher erlitt dadurch einen schweren Gehörschaden.

Manuel Bühlmann
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Rauchpetarde auf dem Spielfeld im Super-League-Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St.Gallen in der Swissporarena.

Rauchpetarde auf dem Spielfeld im Super-League-Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St.Gallen in der Swissporarena.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 21. Februar 2016)

Kurz nach dem Anpfiff des Spiels des FC Luzern gegen den FC St.Gallen flogen die beiden Böller auf das Spielfeld. Der erste Sprengkörper war ein Blindgänger, der zweite explodierte mit einem lauten Knall. Ein Matchbesucher erlitt an jenem Sonntagnachmittag im Februar 2016 einen bleibenden Hörschaden. Videoaufnahmen überführten den Werfer, ein damals 22-jähriger Anhänger des FC St.Gallen.

In der Folge erhob die Bundesanwaltschaft erstmals Anklage wegen eines Vorfalls in einem Sportstadion. Der Fall landete daher vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona, das den Beschuldigten im August 2017 unter anderem der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht, der schweren Körperverletzung sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz schuldig sprach.

Verurteilt wurde der Ostschweizer zu drei Jahren Freiheitsstrafe, die Hälfte davon hätte er absitzen müssen. Ob und wie lange der Pyro-Werfer ins Gefängnis muss, steht allerdings auch heute – mehr als vier Jahre nach der Tat – noch immer nicht definitiv fest.

Bundesrichter werten Verhalten als «verwerflich» und «hinterhältig»

Die Verteidigerin des Beschuldigten versucht, ihren Mandanten vor einem Freiheitsentzug zu bewahren. Mit ihrer Beschwerde ans Bundesgericht war sie vor einem Jahr teilweise erfolgreich: Die oberste Instanz verlangte Korrekturen. Als Reaktion auf die höchstrichterliche Kritik reduzierte die Strafkammer des Bundesstrafgerichts die Freiheitsstrafe im vergangenen Sommer um 6 auf 30 Monate, wovon ein Jahr unbedingt ausgesprochen wurde. Damit gab sich der Ostschweizer noch nicht zufrieden, er wandte sich an die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts und beantragte eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten – bedingt.

Doch einen Teil der Strafe wird der Pyro-Werfer im Gefängnis absitzen müssen, das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Urteil der Berufungskammer hervor. Ausführlich begründen die Bundesstrafrichter darin, wieso sie die Höhe von insgesamt 30 Monaten für gerechtfertigt halten. Als «verwerflich» und «hinterhältig» bezeichnen sie das Vorgehen des Beschuldigten. Der von ihm genannte Beweggrund – Vergeltung für die zuvor gegen andere St.Galler Fans ausgesprochenen Stadionverbote – könne sein Verhalten in keiner Weise entschuldigen. Und, so die Bundesstrafrichter:

«Letztlich blieb es rein zufällig bei bloss einer tatsächlich verletzten Person.»

Dennoch war die Berufung des Fussballfans in einem zentralen Punkt erfolgreich: Der unbedingte Teil der Freiheitsstrafe wird gesenkt; der Beschuldigte muss neun statt zwölf Monate ins Gefängnis. Zugute halten ihm die Bundesstrafrichter die Einigung mit dem Matchbesucher, der schwer am Gehör geschädigt wurde. Nachdem die beiden Männer eine Genugtuung vereinbart hatten, zog das Opfer alle Strafanträge zurück und beantragte einen Freispruch für den Täter.  «Der Beschuldigte hat sich um die Wiedergutmachung des von ihm verursachten Schadens bemüht», stellt die Berufungskammer fest. Zudem sei er beruflich und sozial integriert. Neben der Arbeit engagiere er sich ehrenamtlich in der Nachwuchsabteilung eines Sportvereins.

Halbgefangenschaft wäre möglich

Weil der unbedingte Teil der Freiheitsstrafe unter 12 Monaten liegt, könnte er Halbgefangenschaft beantragen und somit «grundsätzlich weiterhin am Erwerbsleben teilnehmen», wie es im Urteil heisst. Sollte sein Gesuch bewilligt werden, müsste er nur seine Freizeit hinter Gittern verbringen, für die Arbeit dürfte er das Gefängnis jeweils verlassen.

Ob es bei dieser Strafe bleibt, ist offen: Der Entscheid kann ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Bundesstrafgerichtsurteil CA.2019.18 vom 24. Februar 2020

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