Nach Kritik: Der «St.Galler Eiszauber» kehrt mit Ökostrom und neuem Parcours auf die Kreuzbleiche zurück

Der St.Galler Eiszauber gastiert ab 22. November wieder auf der Kreuzbleiche. Nach der Premiere im vergangenen Winter ist das keine Selbstverständlichkeit: Obwohl der Anlass für die Veranstalter ein Erfolg war, sahen sie sich mit Kritik aus Politik und Nachbarschaft konfrontiert. Einige Änderungen sollen nun Abhilfe schaffen.

Luca Ghiselli
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Zügelt einige hundert Meter nach Nordosten: Das Eisfeld des «St.Galler Eiszauber» wird neu auf dem Veranstaltungsplatz zwischen Reit- und Sporthalle aufgebaut. (Bild: Urs Bucher, 18. Januar 2019)

Zügelt einige hundert Meter nach Nordosten: Das Eisfeld des «St.Galler Eiszauber» wird neu auf dem Veranstaltungsplatz zwischen Reit- und Sporthalle aufgebaut. (Bild: Urs Bucher, 18. Januar 2019)

Es war ein eisiger Wind, der dem «St.Galler Eiszauber» bei seiner Premiere im Winter 2018/2019 entgegenwehte. Von links hagelte es im St.Galler Stadtparlament Kritik: Die Veranstaltung sei ein «ökologischer Unsinn» und ein «massiver Eingriff in den öffentlichen Raum», so der O-Ton aus der Einfachen Anfrage von SP-Stadtparteipräsident Peter Olibet. Und auch die Herzen einiger Quartierbewohner liess der «Eiszauber» kalt: Laute Musik, versperrte Spazierwege sowie der lange Auf- und Abbau stiessen vereinzelt auf Unverständnis.

Die Nebengeräusche, sie waren für Veranstalter Radio FM1, das wie das «St.Galler Tagblatt» zur CH-Media-Gruppe gehört, ein Wermutstropfen. Denn eigentlich war die Premiere der grossen Eislandschaft auf der Kreuzbleiche ein Erfolg: 30'000 Besucherinnen und Besucher und ein regelmässig ausgebuchtes Alp-Chalet konnten sie verzeichnen. «Vor diesem Hintergrund war uns von Anfang an klar, dass wir gerne wieder auf die Kreuzbleiche kommen möchten», sagt André Moesch, Leiter Events bei CH Media. Jetzt ist klar: Der «Eiszauber» kehrt zurück.

«Eiszauber» dauert dieses Jahr eine Woche länger

Der Auftakt für die zweite Auflage des St.Galler «Eiszaubers» erfolgt bereits am 21. November, also noch eine Woche früher als im Vorjahr. Danach können Besucher bis am 2. Februar dort Glühwein trinken, Schlittschuh laufen oder Eisstockschiessen betreiben.

«Hinter uns liegt ein intensiver Austausch mit den Behörden», sagt Moesch. Man habe die Erfahrungswerte aus dem Vorjahr diskutiert und sei gemeinsam mit den Behörden zum Schluss gekommen, einige Anpassungen vorzunehmen.

Der neue Standort des Eiszaubers auf der nordöstlichen Kreuzbleiche. Die Eiswege führen entlang der bestehenden Kieswege. (Visualisierung: FM1)

Der neue Standort des Eiszaubers auf der nordöstlichen Kreuzbleiche. Die Eiswege führen entlang der bestehenden Kieswege. (Visualisierung: FM1)

  • Der Standort: Statt wie im Vorjahr neben der alten Kreuzbleiche-Turnhalle befindet sich der Eingang und das Chalet neu an der Militärstrasse, gleich gegenüber der Reithalle. Also dort, wo in den warmen Jahreszeiten auch Zirkusse gastieren. Der Veranstaltungsplatz hat einen festen Untergrund und hält so deutlich mehr Gewicht aus.
  • Die Streckenführung: Die Eiswege, auf denen die Besucher auf Kufen ihre Runden drehen, führen neu entlang der bereits bestehenden Kieswege – und nicht quer über die Wiese. So sollen Landschäden vermieden werden.
  • Der grüne Strom: Auf Ansinnen der Stadt setzen die «Eiszauber»-Veranstalter dieses Jahr ganz auf Ökostrom.
André Moesch, Leiter Events CH Media. (Bild: Ralph Ribi)

André Moesch, Leiter Events CH Media. (Bild: Ralph Ribi)

Moesch ist überzeugt, dass mit diesen Änderungen die meisten Konflikte gelöst werden können. Für Auf- und Abbau sind zehn Tage budgetiert, die Arbeiten beschränken sich auf die westliche Kreuzbleiche und tangieren das Quartier so weniger.

Und auch für die Organisatoren selbst bringen diese Neuerungen Vorteile. «Der Eingang liegt nun einige hundert Meter näher an Bahnhof und Tiefgarage und ist so für die Besucher schneller erreichbar», sagt Moesch. Und weiter:

«Die Stadt und wir sind aufeinander zugegangen, und wir haben uns gefunden.»

Zwar sei der Bewilligungsprozess noch nicht ganz abgeschlossen, die Bewilligung wird aber in den kommenden Tagen erwartet. «Es dürfte sich um eine Formsache handeln.»

Wann die Bewilligung vorliegt, ist noch offen

Roman Bottlang, Leiter Marketing und Event bei der städtischen Dienststelle Sport, bestätigt auf Anfrage, dass für den «Eiszauber» 2019/20 noch keine Bewilligung vorliegt. «Von Stadtgrün bis hin zum Amt für Baubewilligungen sind eine ganze Reihe an Ämtern und Dienststellen in den Prozess involviert», sagt er. Wann die Bewilligung vorliegen wird, könne er nicht sagen. «Wir befinden uns aber immer noch in einem intensiven Austausch.» Dazu gehörten auch Begehungen vor Ort, ausserdem gelte es, das Detailkonzept des Veranstalters zu prüfen.

Man habe sich – wie bei jeder Veranstaltung im öffentlichen Raum – im Frühjahr zu einer Schlussbesprechung mit den Organisatoren getroffen. Dabei seien die diversen kritisierten Punkte diskutiert und Änderungen vorgeschlagen worden, gerade bezüglich des Eingriffs in den öffentlichen Raum und der Ökologie sowie der Verträglichkeit mit den Anwohnern. Welche Massnahmen nun umgesetzt werden, wird sich am Ende des Bewilligungsprozesses zeigen.

Quartierverein begrüsst Verlegung des Standorts

Eine positive erste Reaktion auf die angestrebten Änderungen kommt vom Quartierverein St.Otmar. Präsident Fredi Spieler sagt auf Anfrage: «Den Standort nach Nordosten zu verlegen, scheint mir eine vernünftige Idee. Wir hatten diese Massnahme in den Gesprächen mit den Beteiligten auch vorgeschlagen.»

Spieler hält fest: «Wir finden es grundsätzlich gut, wenn im Quartier etwas läuft. Aber wir finden es noch besser, wenn das mit minimaler Beeinträchtigung der Anwohner geschieht.» Die nun vom Veranstalter beschlossenen Massnahmen seien ein Schritt in diese Richtung.

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