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NACH GLOCKENGELÄUT-URTEIL: «Das Glockengeläut ist eine Tradition, die man beibehalten sollte»

In Wädenswil dürfen die Glocken in der Nacht weiterhin jede Viertelstunde schlagen. Der Entscheid des Bundesgerichts ist eine Enttäuschung für die Gegner nächtlichen Geläuts. Und er weckt Hoffnungen bei Kirchgemeinden.
Bundesrichter haben diese Woche entschieden, dass die Glocken der evangelischen Kirche Wädenswil auch künftig nachts jede Viertelstunde schlagen dürfen. (Symbolbild) (Bild: OLIVER BERG (DPA dpa))

Bundesrichter haben diese Woche entschieden, dass die Glocken der evangelischen Kirche Wädenswil auch künftig nachts jede Viertelstunde schlagen dürfen. (Symbolbild) (Bild: OLIVER BERG (DPA dpa))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Samuel Büechi lässt kein gutes Haar am obersten Gericht der Schweiz. «Das Bundesgericht gleicht einem Mullah-Regime», sagt der Gründer der in Trogen ansässigen IG Stiller, die sich gegen «übermässigen Glockenlärm» zur Wehr setzt. Zu Büechis Enttäuschung haben die Bundesrichter diese Woche entschieden, dass die Glocken der evangelischen Kirche Wädenswil auch künftig nachts jede Viertelstunde schlagen dürfen. Damit stiessen sie ein Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts um, das nach der Klage eines Wädenswiler Ehepaars den Stopp der Viertelstundenschläge verfügt hatte.

Seinen Entscheid begründet das Bundesgericht auch mit der im Zürcher Dorf fest verwurzelten Tradition des Glockengeläuts. Für Samuel Büechi unverständlich: «Man kann heutzutage nicht mehr mit der Tradition argumentieren, wenn es um die Gesundheit geht.» Das Argument sei auch sonst höchst fragwürdig. «Mit Verweis auf die Tradition wurde früher auch die Sklaverei verteidigt.» Und damit würden konservative Mullahs – islamische Rechtsgelehrte – heute noch Beschneidungen rechtfertigen.

Büechi, der in Trogen nach jahrelangem Streit mit der Gemeinde erreichte, dass die Glockenschläge gedämpft wurden, gibt sich trotzdem kämpferisch. «Wir sind frustrationsresistent.» Die IG Stiller werde sich weiter für die Nachtruhe einsetzen, «auch wenn das Urteil dem einen oder anderen lärmgeplagten Kläger den Wind aus den Segeln nehmen dürfte».

In der Euphorie etwas früher geläutet

Andernorts hat der Entscheid des Bundesgerichts Freude ausgelöst. «In der Euphorie haben wir die Glocken am nächsten Morgen etwas früher geläutet», sagt Thomas Leuch, der die Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen präsidiert. Wegen Lärmklagen hatte sich die Gemeinde mit der katholischen Kirche und der Stadt darauf geeinigt, das Morgengeläut versuchsweise von 6 auf 7 Uhr zu verschieben. Auch der nächtliche Viertelstundenschlag ist seit Anfang September in Kreuzlingen nicht mehr zu hören. Zumindest jener der zwei katholischen Kirchen nicht. «Das Uhrwerk der evangelischen Kirchenglocke ist alt und denkmalgeschützt», sagt Leuch. «Das Aussetzen der Schläge gestaltet sich deshalb sehr schwierig.» Noch warte er auf die Offerte einer Spezialfirma für die Umstellung. «Möglicherweise ist diese nun aber ohnehin hinfällig.»

Bei der katholischen Kirche will man trotz des Urteils die Schläge für die Dauer der Versuchsphase bis Ende 2018 aussetzen. «Wir sind rechtlich daran gebunden», sagt Kirchgemeindepräsident Beat Krähenmann. Habe der Bundesgerichtsentscheid Bestand, kehre man danach womöglich aber zur bisherigen Praxis zurück. «Das Glockengeläut ist eine Tradition, die man beibehalten sollte.»

In Degersheim schweigen nachts die Glocken der katholischen Kirche seit Januar wegen einer Klage völlig. Daran werde sich vorderhand auch nichts ändern, sagt Kirchgemeindepräsident Markus Stäheli. Die Kirchbürger hätten nach einer Pilotphase dem Abstellen des Geläuts im April zugestimmt – wenn auch äusserst knapp. «Ich gehe davon aus, dass man sich seither damit abgefunden hat, dass die Glocken nicht mehr läuten.»

Tobias Hänni

tobias.haenni@ostschweiz-am-sonntag.ch

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