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Nach der Dürre: «Die Folgen für die Ostschweizer Wälder zeigen sich erst im kommenden Sommer»

Der Hitzesommer 2018 hat den Ostschweizer Wäldern zugesetzt. Wegen der Dürre verfärbten sich bereits im Juli die ersten Blätter, einzelne Bäume verdorrten sogar. Inzwischen sind den Wäldern die Strapazen kaum noch anzusehen. Doch wie es um sie tatsächlich steht, zeige sich erst im kommenden Jahr, sagen Forstexperten.
Stephanie Martina
Wie im Herbst: Ein Waldstück bei Frauenfeld anfangs August. (Bild: Benjamin Manser)

Wie im Herbst: Ein Waldstück bei Frauenfeld anfangs August. (Bild: Benjamin Manser)

Herbst im Juli. So früh wie dieses Jahr schickte der Herbst seine Vorboten wohl noch nie. Bereits während der Sommerferien trugen einige Bäume ein buntes Kleid und begannen, ihre Blätter abzuwerfen. Doch ganz so schnell wie manche dachten, wurde es doch nicht Herbst – im Gegenteil: «Teilweise entsteht bei uns im Thurgau sogar der Eindruck, als würden sich die Blätter dieses Jahr später verfärben als in anderen Jahren», sagt Daniel Böhi, Leiter des Forstamtes des Kantons Thurgau. Im August habe er gedacht, dass der Herbst dieses Jahr aufgrund von Hitze und Dürre schnell voranschreiten würde. Dieser Prozess sei dann jedoch durch biochemische Prozesse gestört worden, sodass es mehrere Wochen lang beinahe einen Stillstand gegeben habe, erklärt Böhi und fügt an:

«Jetzt sind dem Wald die Strapazen des Hitzesommers kaum noch anzusehen. Ein gewöhnlicher Herbst hat begonnen.»

St.Galler Herbst ist früh dran

Im Kanton St.Gallen sei der Herbst dieses Jahr hingegen früher dran als üblich, sagt Kantonsoberförster August Ammann. «Die Blätter verfärbten sich rund ein bis zwei Monate früher.» Dass noch nicht viele von ihnen zu Boden gefallen seien, habe damit zu tun, dass es diesen Herbst noch keinen Frost gab. Erst dann würden sich die farbigen Blätter von den Bäumen lösen.

Doch nicht in allen Regionen sei der Herbst gleich weit fortgeschritten. Das St.Galler und Appenzeller Voralpengebiet sei derzeit noch weniger herbstlich. Die Wälder des Fürstenlands und jene an den Südhängen seien hingegen teils schon richtig bunt geworden. Diese Unterschiede seien unter anderem darauf zurückzuführen, dass diesen Sommer meist sehr lokal Niederschlag fiel und es nur wenig flächendeckenden Regen gab. «Je nach Standort konnte ein Baum daher mehr oder weniger Feuchtigkeit aus Luft und Erde aufnehmen», erklärt Ammann.

Stunde der Wahrheit erst im nächsten Sommer

Keine Frage, die heftige Dürre hat den Ostschweizer Bäumen zugesetzt. Welche Spuren der heisse, trockene Sommer hinterlassen hat, könne derzeit jedoch noch nicht abgeschätzt werden. «Das ist wie Kaffeesatzlesen», sagt Kantonsoberförster Ammann. Erst im nächsten Jahr werde sich zeigen, wie gut die Bäume den Hitzesommer tatsächlich überstanden haben. Denn das Wetter der kommenden Monate spiele eine wichtige Rolle: Fällt diesen Herbst und im nächsten Frühling ausreichend Regen und ist der Winter schneereich, könnten sich die Bäume erholen. «Sind hingegen Herbst, Winter und Frühling trocken, bedeutet das für die Bäume weiterhin grossen Stress», sagt Ammann. Vor allem Flachwurzler wie Buchen und Fichten würden leiden, weil sie über ein flaches Wurzelwerk verfügen und daher nicht mehr an genügend Flüssigkeit kommen würden. Pfahlwurzler, wie etwa die Weisstanne, könnten Feuchtigkeit über längere Zeit aus dem Boden ziehen, weil ihre Wurzeln tiefer ins Erdreich vordringen würden.

Wald der Zukunft

Weder Ammann noch Böhi sehen derzeit Grund zur Sorge: «Ich bin ein Pragmatiker», sagt Ammann.

«Die Natur weiss sich schon zu helfen. Ein einzelner Hitzesommer reicht nicht, um das Ökosystem Wald zu schädigen.»

Die Folgejahre – vor allem der nächste Sommer – würden entscheidend sein. Folgen weitere Hitzesommer würden die Bäume deutlich mehr leiden und die Mortalität würde mit jedem trockenen Sommer steigen.

Sein Thurgauer Berufskollege Daniel Böhi pflichtet dem bei: «Solche Hitzesommer sind für den Wald nicht gut, aber er übersteht sie, solange es einzelne bleiben.» Natürlich gäbe es in Thurgauer Wäldern Bäume, vor allem Buchen und Fichten, die sehr gelitten oder gar verdorrt seien. Dramatisch sei das jedoch nicht, beruhigt Böhi.

Doch man habe schon Bedenken, was mit den Wäldern geschehe, wenn der Klimawandel fortschreite – und Hitzesommer Normalität würden, sagt Böhi.

«Es gibt nur eins: Wir müssen den Wald klimafit machen. Wenn wir weiterhin beinahe mediterranes Klima haben, wird sich die Zusammensetzung unserer Wälder ändern müssen.»

Doch man könne nicht einfach ganze Baumartengarnituren austauschen, betont der Thurgauer Kantonsforstingenieur. Es brauche einen kontinuierlichen, mittelfristigen Umbau des Waldes.

Erkenntnisse für diesen Umbau erhoffen sich die Experten von einem Forschungsprojekt aus Birmensdorf. Dort gibt es Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten, die über mehrere Jahrzehnte beobachtet werden. Auf diese Weise soll ermittelt werden, welche Baumarten unter den klimatischen Bedingungen, welche gegen Ende des 21. Jahrhunderts erwartet werden, besser wachsen können als diejenigen, welche heute gedeihen.

Sommer 18: Mehr Borkenkäfer, weniger Eschensterben

Welche Folgen der Hitzesommer 2018 für die Ostschweizer Wälder haben könnte, zeigt sich frühestens im kommenden Jahr. Trotzdem haben die Forstdienste bereits jetzt mit Nachwehen der Hitzewelle zu kämpfen. Der Wintersturm Burglind und die wochenlange Trockenheit haben nämlich für den Borkenkäfer optimale Fortpflanzungsbedingungen geschaffen. Sowohl im Kanton St.Gallen als auch im Kanton Thurgau stellt die Bekämpfung der Borkenkäfer derzeit eine grosse Herausforderung dar.

Doch Dürre und Hitze haben auch ihr Gutes: Die Eschenwelke breitete sich in Ostschweizer Wäldern kaum weiter aus. Vor allem im Kanton Thurgau, wo der Eschen-Anteil zehn bis elf Prozent beträgt, ist man froh, dass sich die Krankheit nicht weiter ausbreiten konnte. Der Pilz bevorzugt nämlich feuchte oder nasse Sommer.

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