Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gemeindepräsidenten: Nach der Abwahl auf Stellensuche

Die Abwahlversicherung für Gemeindepräsidenten wird häufiger abgeschlossen, parallel dazu ist das Risiko für Abwahlen gestiegen. Die Jobsuche kann für abgesetzte Exekutivpolitiker schwierig sein.
Urs-Peter Zwingli
Wahlkampf im März in Romanshorn: Aktuelles Beispiel einer überraschenden Abwahl eines Gemeindepräsidenten (David H. Bon). (Bild: Andrea Stalder  )

Wahlkampf im März in Romanshorn: Aktuelles Beispiel einer überraschenden Abwahl eines Gemeindepräsidenten (David H. Bon). (Bild: Andrea Stalder  )

Immer mehr Ostschweizer Gemeinden richten für ihre Vorsteher eine Versicherung im Fall einer Abwahl ein. Insgesamt 87 Gemeinde-, Stadt- und Schulratspräsidentinnen und -präsidenten sind aktuell in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden finanziell abgesichert, wenn das Stimmvolk sie nicht mehr im Amt sehen will. Sie erhalten dann je nach Alter und Amtsdauer für bis zu sechs Jahre einen Teil ihres Lohns weiterhin ausbezahlt.

«Das Risiko einer Abwahl ist auch in mittelgrossen Gemeinden gestiegen. Das kann ein Grund dafür sein, dass mehr Gemeinden ihre Vorsteher absichern», sagt dazu Kurt Baumann, Präsident des Verbandes Thurgauer Gemeinden (VTG).

Der VTG informiert seine Mitglieder regelmässig über die offiziell «Nichtwiederwahl-Absicherung» genannte Versicherung, die von der Thurgauer Bürgschaftsgenossenschaft (TGB) angeboten wird. Empfehlungen gibt der Verband aber nicht ab. Hinzu kommt: Nur Gemeindepräsidenten, die mindestens ein 50-Prozent-Pensum innehaben, können versichert werden. Viele kleine Ostschweizer Gemeinden können also grundsätzlich keine solche Versicherung abschliessen.

Die Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten (VSGP) hat ihre Mitglieder kürzlich ebenfalls darauf hingewiesen, dass die TGB-Versicherung existiert. «Vor dem Hintergrund der Gemeindeautonomie können die Mitglieder selber entscheiden, was sie daraus machen», sagt Boris Tschirky, VSGP-Präsident und Gemeindepräsident von Gaiserwald.

Harte Wahlkämpfe hinterlassen Skepsis

Jüngste Beispiele für überraschende Abwahlen sind in der Ostschweiz Romanshorn und Herisau: Dort verpassten die Gemeindevorsteher im März die Wiederwahl nach Angriffen durch parteilose Kandidaten. «Die Abgewählten stehen danach innert zwei oder drei Monaten ohne Stelle da, und zuvor haben sie sich voll auf den Wahlkampf konzentriert. In dieser Situation schnell eine neue Stelle zu finden, ist nicht einfach», sagt Baumann, der selber in Sirnach seit 20 Jahren im Amt ist.

Der berufliche Leistungsausweis eines Gemeindepräsidenten sei zwar vielseitig, aber auch schwer greifbar. «Man ist in dieser Position Generalist und versteht etwas von Finanzen, vom Bauwesen, vom Sozialwesen, der Bildung und so weiter. Gleichzeitig ist man von seinem angestammten Beruf in der Regel jahrelang weg, eine Rückkehr kann schwierig sein.» Hinzu kommt: Oft werden Wahlkämpfe mit harten Bandagen geführt und die Kandidaten müssen sich öffentlichen Vorwürfen stellen. «Es kann sein, dass danach bei der Stellensuche Skepsis und Vorurteile auftauchen», sagt Baumann.

Gemeindepräsidenten haben vielseitiges Wissen

«Entscheidend ist, wie sich ein Politiker in einem Wahlkampf öffentlich verhält. Tritt er ruhig auf und geht er sachlich auf Vorwürfe ein, kann dies bei der Stellensuche nach der Abwahl durchaus Pluspunkte geben», sagt Roger Nellen, Geschäftsführer der Executive Search Boutique Nellen & Partner, eine Personalberatungs- und Headhuntingfirma mit Standorten in St. Gallen, Zürich und Basel. Ein Stadt- oder Gemeindepräsident agiere wie ein Geschäftsführer, der verschiedene Anspruchsgruppen und deren Erwartungen und Interessen zu managen habe. «Es sind vielseitig qualifizierte Führungspersonen. Die Rolle des Gemeindepräsidenten kann man vorbereitend nirgendwo lernen, man eignet sich das Wissen dafür «on the job» an. Personen in dieser Funktion lernen schnell Neues, sind belastbar und leistungsorientiert.»

Weiter gelte es in dieser Position, verschiedene Meinungen aktiv einzuholen und gut zuzuhören. Exekutivpolitiker seien deshalb häufig starke Kommunikatoren, sagt Nellen. «Oftmals haben sie während vieler Jahre gezieltes Networking betrieben und damit ein solides Kontaktnetz in Wirtschaft und Politik etabliert.» Dieses könnten sie für die Stellensuche nach einer Abwahl allenfalls nutzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.