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Im Kanton St.Gallen unter Beobachtung: Wenn der Schnee in den Fluss kommt

In den Ostschweizer Bergen liegt sehr viel Schnee. Nun wird es wärmer: Eine beschleunigte Schmelze könnte aber zusammen mit weiteren Niederschlägen zu Hochwasser führen. Die gute Nachricht: Die Grundwasserstände haben sich wieder erholt.
Marcel Elsener, Christoph Zweili
Das Jahrhunderthochwasser in Rorschach: Am 25. Mai 1999 laufen Schaulustige über die ausgelegten Stege in der Hafenstadt. (Bild: Archiv)

Das Jahrhunderthochwasser in Rorschach: Am 25. Mai 1999 laufen Schaulustige über die ausgelegten Stege in der Hafenstadt. (Bild: Archiv)

Die Schneemengen im Alpstein oder in den Flumserbergen sind gewaltig. Wann hatte es zum letzten Mal so viel Schnee? Eine oft gehörte Frage in diesen Wochen. Die Antwort ist verblüffend: Erst im vergangenen Jahr! Da lag Mitte Februar gleich viel Schnee. Aber auch 1999, also im Jahr des Jahrhunderthochwassers. Weil zurzeit wieder überdurchschnittlich viel Schnee liegt, könnte die Schneemenge «in Verbindung mit langanhaltenden hohen Temperaturen und Regenfällen zu Hochwasser und Überschwemmungen führen», teilt der Kanton St. Gallen mit und erwähnt Vorkehrungen: Beim Amt für Wasser und Energie, bei Rheinunternehmen und Linthverwaltung verfolge man die Lage zusammen mit den Fachstellen des Bundes aufmerksam.

Zivilschutz Steinach baut Stege für die Anwohner im Hochwassergebiet. (Bild: Archiv)
Hochwasser bei Weesen, aufgenommen am Freitag, 14. Mai 1999. Der Wasserstand lag damals bei 421,65 Zentimeter. Die Evakuierung von 400 Personen wurde vorbereitet. (Bild: Archiv)
Die mannshohen Felsbrocken kamen im Flussbett des Flibachs in Weesen zum Stillstand. (Bild: Archiv)
Hochwassersituation am Bodensee: Touristen drängen sich auf den ausgelegten Stegen in Rorschach. (Bild: Archiv)
Hochwassersituation am Bodensee: Vor der Rorschacher Badhütte schipperte ein "Badhüttentaxi". (Bild: Archiv)
Meterhohe Wellen donnerten gegen die Hafenmole in Bregenz (Bild: Archiv)
Überflutung im Thurgebiet 1999. (Bild: Archiv)
Überschwemmung in Rorschach - Ausflügler auf den ausgelegten Stegen. (Bild: Archiv)
Bild: Archiv
Die Altenrheiner Schiffsanlegestelle war damals versunken. (Bild: Archiv)
Auch Ferienhäuser am Alten Rhein standen unter Wasser. (Bild: Archiv)
Bild: PD
Wo sonst Flugzeuge starten und landen, waren damals Fachleute mit Kanus an Reparaturarbeiten beschäftigt. (Bild: Archiv)
Bild: PD
Hochwassersituation am Hafenbahnhof Rorschach. (Bild: Archiv)
Das Gewitter verursachte im Thurgau grosse Schäden. Die Schaffhauser Rettungskompagnie I/26 musste in Güttingen ein Bachbett ausbaggern. (Bild: Archiv)
Der Campingplatz Idyll in Altenrhein war durch das Hochwasser vollständig unter Wasser. (Bild: Archiv/Umberto w. Ferrari)
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Erinnerung an Überschwemmungen 1999

Überwachung gefragt, Prognosen unmöglich

Droht 2019 ein Hochwasser wie zuletzt 2016, als der Rhein randvoll in den Bodensee floss, oder gar eine Überschwemmung wie 1999 und 1987? Schwierig zu sagen, heisst es bei den Fachleuten, das hänge von vielen Faktoren ab; wie viel Schnee und welches Wetter der Frühling bringt, lasse sich nicht voraussagen. «Aufgrund der Schneemengen sind wir am Punkt, wo alles möglich ist», sagt Michael Eugster, Leiter Amt für Wasser und Energie, und meint: Entwarnung und Normalzustand (wie 2018), oder das Gegenteil, Alarmstufe rot (wie 1999). «Allerdings haben wir heute viel bessere Grundlagen als vor zwanzig Jahren.»

«Nervös werden wir nicht», sagt Hans-Peter Wächter, Projektleiter Hochwasserschutz am Rhein. Zwar liegt viel Schnee und lassen die wärmeren Temperaturen viel Schmelzwasser erwarten, doch:

«Eine grosse Schneedecke allein bringt noch kein Hochwasser.»

Nicht die Mächtigkeit des Schnees, sondern das in ihm gebundene Wasser sei entscheidend, weiss der Fachmann. «Gemäss Faustregel enthält ein Meter Schnee gut 10 Zentimeter Wasser. Je nach Verdichtung können aber 70 Zentimeter Schnee die gleiche Menge Wasser aufweisen.» Ein laufender Prozess mit Unwägbarkeiten – oder mit dem Fachwort gesagt: Das Schneewasseräquivalent, die in der Schneedecke gebundene Wassermenge, lässt sich für den Frühling nicht berechnen. 1999 waren bis zum Höchststand im Mai rund 10 Zentimeter Wasser mehr im Schnee gebunden als heute (siehe Grafik). Zur Illustration: Würde der heutige Schnee auf einen Schlag schmelzen, bedeutete das zwischen 150 bis 200 Millimeter Niederschlag, wie er in St. Gallen seit dem 1. Januar 2019 gefallen ist.

Rechenbeispiele, die nichts beschwören wollen. Es liegt deutlich weniger Schnee als Ende Winter 1999, doch es kann noch mehrmals schneien, sprich, der Aufbau der Schneedecke bis April andauern. Ein Hochwasser-Szenario: weitere Schneefälle im März, anhaltende Wärme im April, dazu ausgiebig Regen. Beim Jahrhundertwasser vor 20 Jahren war es eine längere Bisenlage, die über Auffahrt und Pfingsten viel Feuchtigkeit brachte, erinnert sich Wächter.

Als der Rhein letztmals Hochwasser führte: Schaulustige Mitte Juni 2016 in Diepoldsau. (Bild: Ralph Ribi)

Als der Rhein letztmals Hochwasser führte: Schaulustige Mitte Juni 2016 in Diepoldsau. (Bild: Ralph Ribi)

2016, beim letzten Hochwasser, liessen die Niederschläge im Prättigau die Landquart und in Vorarlberg die Ill anschwellen, schnell tobten die Bäche in den Seitentälern des Sarganser- und des Glarnerlandes, die Linth trat über die Ufer, doch der Rhein hielt sich innert seiner Dämme – genug Spektakel für Schaulustige auf den Brücken, aber keine namhaften Schäden. Laut Wächter waren die St. Galler «kurz davor», zur Kontrolle der Dämme die Feuerwehr aufzubieten, derweil die Vorarlberger abschnittsweise Patrouillen einsetzten. Die Feuerwehr wäre im Rheintal 2019 zum letzten Mal gefordert, ab 2020 sind es dann Zivilschutzangehörige. Hochwasser-Schutzchef Wächter überwacht alle verfügbaren Messdaten, meldet ungewöhnliche Feststellungen nach Bern und macht jede Woche eine Lageeinschätzung: «Wenn die Prognosen zu einer Verschlimmerung führen, können wir die Maschinerie stufenweise hochfahren, mit Kontrollpatrouillen und so weiter.»

Nach der grossen Trockenheit das erhoffte viele Wasser

Die ergiebigen Niederschläge – viel ­Regen im Dezember, viel Schnee im Januar – bedeuten auch eine gute Nachricht: Die Grundwasserstände haben sich weitgehend erholt. «Die Lage hat sich wider Erwarten viel rascher entspannt», sagt Wächter. Dass die Bäche nur kleine Pegelausschläge verzeichneten, bedeute viel gespeichertes Wasser im Boden. Aufgrund des feuchten Bodens habe der Schnee einsickern können, bestätigt Eugster. «Die Grundwasservorkommen haben sich relativ gut ­erholt.» Aufgrund der Erfahrungen im Hitzesommer 2003, als es erst im Folgejahr zu Tiefständen kam, habe man nach 2018 fürs laufende Jahr Schlimmeres befürchtet. Nun verzeichnen die 48 Messstationen im Kanton bereits mittlere oder für die Saison überdurchschnittliche Werte. Im Sommer lagen sie alle im besorgniserregenden Tiefstbereich.

Jedoch lässt sich derzeit ein sorgenfreier Sommer so wenig prognostizieren wie das Wetter im Frühling. «Das entscheidende Kriterium 2018 war das Fehlen von intensiven, grossräumigen, langanhaltenden Regenfällen», sagt Wächter. Und Eugster meint nur: «Wir sind noch nicht fein raus.» Entsprechend ist der Kanton froh um die Vorbereitungen für Trockenperioden: indem er etwa bei der Erneuerung von Konzessionen verfügt, dass Wasserentnahmen aus kleinen Bächen «wo möglich in das weniger kritische Grundwasser verlegt werden», wie er in der Antwort auf eine Interpellation von Meinrad Gschwend (Grüne) ausgeführt hat. Auch die Land- und Alpwirtschaft bereitet sich vor, etwa mit zusätzlichen Reservoirs und dem regelmässigen Unterhalt von Wasserleitungen.

In diesen Wochen liegt der Fokus auf der Hochwassergefahr. Der Kanton hält sich an die Daten des Bundes: Die Hy­drologie des Bundesamtes für Umwelt berechnet täglich Abflussvorhersagen für Alpenrhein, Linthkanal und Thur. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung analysiert regelmässig die Schneemengen und den Verlauf der Schneeschmelze. Für den Bodensee werden täglich Pegelstandsprognosen gerechnet. Aktuell liegt der Pegel des Bodensees leicht über dem saisonalen Mittelwert. Noch kein Grund zum Alarm, aber zu erhöhter Aufmerksamkeit.

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