Der bissige Hecht im St.Galler Mannenweier wird nun doch umgesiedelt – und es war sogar noch ein zweiter Raubfisch im Wasser

Ende Juli wurde eine St.Gallerin im Mannenweier von einem Hecht in den Fuss gebissen. Jetzt wurde überprüft, ob es im Weiher eine Überpopulation des Raubfisches gibt. Zwei Hechte wurden dabei abgefischt und umgesiedelt.

Christa Kamm-Sager
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Der Albtaum jedes Schwimmers: Ein Raubfisch verwechselt den Fuss mit einem Fisch und beisst zu.

Der Albtaum jedes Schwimmers: Ein Raubfisch verwechselt den Fuss mit einem Fisch und beisst zu.

Bild: pd

Was einer 32-jährigen Frau Ende Juli im Mannenweier passierte, könnte einem die Freude am Schwimmen verderben: Eine Abkühlung im beliebten Weiher endete für sie im Spital. Die Wunden am Fuss liessen auf den Biss eines Hechts schliessen. Auch Marcel Zottele, Verantwortlicher für die Fischereiaufsicht beim kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei, kam zum gleichen Schluss und sagte: Der Mannenweier sei als Lebensraum für Hechte ideal. Darum sei es durchaus möglich, dass einer dieser Raubfische die Schwimmerin am Fuss gepackt habe.

Zwei 70-Zentimeter-Exemplare umgesiedelt

Wie aber nun weiter? Sollen die Hechte raus aus dem Weiher, damit die Menschen ein unbeschwertes Bad geniessen können oder muss dieser Raubfisch für ein natürliches Gleichgewicht im Weiher bleiben? In der Stadt entbrannte eine kontroverse Diskussion zu diesem Thema.

Wegen Bauarbeiten ist der Mannenweier bis im Februar abgesperrt.
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Das Wasser wurde in den vergangenen Tagen abgelassen. Nun ist die Wasseroberfläche rund fünf Meter tiefer als normal.
So ergeben sich ungewohnte Blicke auf die Uferpartien.
Die Boje wurde an Land gezogen und liegt vor der Badhütte.
Das Sprungbrett ist abgebaut. Das Betreten der Baustelle verboten.
Grund für die Bauarbeiten ist eine knapp 100-jährige hölzerne Leitung und ein alter Schieber zwischen dem Mannenweier und dem etwas höher gelegenen mittleren Bubenweier.
Die Leitung (im Bild rechts neben dem Umkleidegebäude ist die Röhre sichtbar) muss ersetzt werden.
Um überhaupt an die marode Verbindungsleitung heranzukommen, wird das Wasser beim Bubenweier komplett abgelassen und beim Mannenweier (im Bild) teilentleert.
Hinter dem Umkleidegebäude wurde ein Fahrweg für die schweren Baumaschinen angelegt.
Der Pegel ist rund fünf Meter tiefer: «Da wäre es zu gefährlich, wenn sich jemand auf den Stegen aufhalten würde», sagt Marcel Spielmann, Fachspezialist für Wasserbau bei der Stadt.
«Das Risiko ist zu gross, dass jemand runterfallen könnte.»
Wegen der Unfallgefahr hat sich die Stadt entschieden, das Gelände grossräumig abzusperren.
Einige hartgesottene Schwimmer, die beinahe das ganze Jahr über und bei kühlen Wassertemperaturen ihre Längen im Mannenweier ziehen, ärgern sich über die Sperrung.
Man sei im äusserst knappen Bauprogramm sehr auf gutes Wetter und nicht zu kaltes Wasser angewiesen, sagt Wasserbauexperte Spielmann.
Damit die Badi zum Beginn der Badesaison im kommenden Mai wieder eröffnen könne.
Ein weiteres Risiko sind neben den Holzstegen...
...die Uferpartien, die durch den wegfallenden Wasserdruck instabil werden könnten.
Unbefugten ist der Zutritt zur Baustelle verboten.
Beim Augenschein am Mannenweier waren einzig zwei Bademeister damit beschäftigt, allerlei Unrat einzusammeln, der zum Vorschein gekommen ist.
Herausgefischt wurden zum Beispiel Flaschen und Dosen.
Auch beim Bubenweier ist das Wasser schon zum Teil entleert.
Enten suchen im Schlick nach Futter.
Und die Seerosen liegen auf Grund. Trotzdem leidet die Romantik auf dem Steg am Bubenweier scheinbar nicht.

Wegen Bauarbeiten ist der Mannenweier bis im Februar abgesperrt.

Bild: Sandro Büchler (24.9.2020)

Jetzt ist die Badesaison auch durch die aktuelle Baustelle beendet – und der Hechtbestand im Mannenweier um zwei Fische reduziert. «Wir haben uns nach dem Vorfall dazu entschieden, während der Badesaison nichts zu unternehmen, wenn es beim einmaligen Biss bleibt», so Zottele.

Auch wegen des Biss habe man nun aber einen erfahrenen Fischer damit beauftragt, im Mannenweier nach Hechten zu fischen und so den Bestand zu prüfen. Zwei rund 70 Zentimeter lange Exemplare seien in der Folge herausgefischt und umgesiedelt worden.

«Wir gehen davon aus, dass kein Überbestand des Raubfisches vorliegt. Sonst hätte der Fischer einen Hecht nach dem anderen herausgezogen.»

Wichtig für Gleichgewicht in Gewässer

Bei einem Überbestand an Hechten würde es schnell zu wenig Beutefische wie beispielsweise Rotaugen, Brachsen und Rotfeder geben. Das sei aber im Mannenweier nicht der Fall. Gäbe es zu wenig von diesen Beutefischen, würde der Hecht kannibalistisch reagieren und sich selber regulieren. «Der Hecht ist wichtig für das Gleichgewicht in einem Gewässer, so wie etwa der Fuchs wichtig ist für das Gleichgewicht im Wald.» Es sei zwar äusserst selten, aber es könne vorkommen, dass ein Hecht statt eines anderen Fisches einen menschlichen Fuss erwische, sagt Zottele.

Bei der Kommunikation des Vorgehens rund um die Umsiedlung der gefangenen Hechte waren Verantwortliche von Stadt und Kanton nicht gleich informiert und es kam zunächst zu einigen Missverständnissen. Jetzt haben die beiden Instanzen das Vorgehen miteinander abgesprochen.

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