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Nach Attacke auf Trischli-Gäste:
«... dann hat dieser Türsteher den falschen Beruf»

Ein Türsteher des St.Galler Trischli-Clubs ist mit einer Stange auf Gäste losgegangen. In der Clubszene herrscht Betroffenheit - und der Ruf nach anderen Schwerpunkten in der Schulung von Sicherheitsangestellten wird laut.
Daniel Walt
Aus dem St.Galler Nachtleben seit Jahren nicht wegzudenken: Das Trischli. (Archiv/Michel Canonica)

Aus dem St.Galler Nachtleben seit Jahren nicht wegzudenken: Das Trischli. (Archiv/Michel Canonica)

«Solche Vorfälle sind unschön und ärgerlich», sagt Jürg König. Er ist Präsident des Verbands Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Discotheken (Asco), der sich für die Interessen der Unterhaltungsgastronomie einsetzt. König zeigt sich betroffen von den üblen Szenen, die in der Nacht auf Samstag in der St.Galler Burggraben-Parkgarage zu beobachten waren: Ein Türsteher des Trischli Clubs traktierte Gäste mit einer Stange. Ein Besucher musste in der Folge im Spital verarztet werden - er war allerdings derart betrunken, dass er dort randalierte und die Polizei deswegen nochmals ausrücken musste:

Wie ein weiblicher Trischli-Gast gegenüber «Tagblatt Online» berichtet, hatte es im Vorfeld bereits im Club Auseinandersetzungen und Prügeleien gegeben. Die fragliche Gruppe sei schliesslich aus dem Club geworfen worden. Daraufhin eskalierte die Situation in der angrenzenden Tiefgarage, wovon auch Videoaufnahmen zeugen.

Jürg König. (pd)

Jürg König. (pd)

«Eindeutig ein Schulungsproblem»

Für Jürg König steht fest: «Wenn ein Gast Ärger macht, ist es völlig in Ordnung, wenn ihn der Türsteher anpackt und aus dem Lokal hinausstellt.» Der Job sei allerdings eine permanente Gratwanderung, zu der auch vielerlei Provokationen durch Gäste gehörten.

Ein Problem sieht König darin, dass viele Clubs Türsteher anstellten, die einseitige Voraussetzungen mitbrächten. «Diese Leute sind korpulent, viele kommen vom Krafttraining her», sagt König. Türsteher machten körperlich zwar Eindruck, seien aber psychologisch zu wenig geschult teils mit Folgen, wie König sagt:

«Solchen Leuten brennen eher einmal die Sicherungen durch.»

«Einen diplomatischen Türsteher werden Sie kaum finden», drückt sich Jürg König aus. Umso wichtiger sei es, in den Ausbildungen für das Sicherheitspersonal einen verstärkten Akzent auf die Themen Psychologie und Kommunikation zu legen. «Hier gibt es meiner Wahrnehmung nach eindeutig ein Schulungsproblem».

«Aggressionen rechtfertigen keine Übergriffe»

«Türsteher haben einen schwierigen Job», sagt Alexander Bücheli, Mediensprecher der Schweizer Bar- und Clubkommission, welche die Interessen von Nachtlokalen auf nationaler Ebene vertritt. Nicht nur die Gewalt gegen Polizisten nehme zu – auch Türsteher seien exponiert: Ihr Image sei nicht das beste, und sie würden oftmals zur Zielscheibe von Frustrationen und Aggressionen. «Trotzdem: Das rechtfertigt in keiner Art Übergriffe – wenn das ein Türsteher macht, dann hat er den falschen Beruf», sagt Bücheli.

Alexander Bücheli. (pd)

Alexander Bücheli. (pd)

In der Schweiz arbeitet die Sicherheitsbranche nach Alexander Büchelis Wahrnehmung verhältnismässig professionell. Im Ausland hört man teils von Verbindungen von Türstehern zur Unterwelt – Stichworte: Erpressung, Zuhälterei, Verstösse gegen das Waffen- und das Betäubungsmittelgesetz. «Das ist hierzulande sicher nicht der Fall», sagt er. In Bezug auf den Fall im Kanton St.Gallen unterstreicht Bücheli, dass Sicherheitsfirmen registriert sein und ihr Personal ausbilden müssen. Doch er hält gleichzeitig fest:

«Selbst bei der sorgfältigsten Auswahl von Mitarbeitern und mit besten Schulungen lassen sich Eskalationen nicht immer verhindern.»

Auch Bücheli kritisiert allerdings, dass Themenkreise wie Psychologie oder Kommunikation in der Ausbildung zu wenig gewichtet würden. «Die Schulung orientiert sich eher an polizeilich-militärischen Bestandteilen», hält er fest.

Ein guter Türsteher sei auch eine Art Schutzengel für seine Gäste, beispielsweise bei medizinischen Problemen – und die erste Visitenkarte des Betriebs, sagt Alexander Bücheli weiter. Er findet: Ein freundliches «Willkommen!» gehört genauso zum Repertoire eines Türstehers wie ein «Gute Nacht!» - Höflichkeitsfloskeln, die beim Trischli-Vorfall in der Nacht auf Samstag mit Bestimmtheit nicht zu hören waren.

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