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Nach Ärger um Kontrolle in Regiobus: Die meisten Ostschweizer Bus- und Bahnbetreiber lassen Schwarzfahrer ohne Ausweis nicht einfach laufen

In einem Gossauer Regiobus kam ein Schwarzfahrer ohne Busse davon – er musste einfach aussteigen. Grund: Der Mann konnte sich weder ausweisen noch hatte er Geld bei sich. Bei anderen Ostschweizer Verkehrsbetrieben wird in solchen Situationen wenn nötig die Polizei hinzugezogen.
Natascha Arsic
Wer ohne gültiges Billett fährt, muss eine Gebühr von 100 Franken bezahlen. (Archivbild: Susann Basler)

Wer ohne gültiges Billett fährt, muss eine Gebühr von 100 Franken bezahlen. (Archivbild: Susann Basler)

Vor kurzem ist ein Schwarzfahrer in einem Regiobus ohne Geldstrafe davongekommen. Der Kontrolleur begründete seine Entscheidung damit, dass der Mann weder einen Ausweis noch Geld bei sich hatte, wie ein Leserreporter berichtete. Kurz darauf mussten eine Mutter und ihre Tochter hingegen je 100 Franken zahlen. Das Verhalten des Kontrolleurs löste heftige Reaktionen aus und warf die Frage auf, weshalb unterschiedlich gehandelt wurde, wie diverse Leserkommentare zeigen.

Viele sind sich einig und sagen: «Das ist eine Frechheit. Entweder wird jeder bestraft oder keiner.» Andere berichten von ähnlichen Situationen, die sie selbst schon beobachtet haben. Einige Leser scherzen: «Ab nun also am besten den Ausweis zu Hause lassen und sich blöd stellen.» Auch die Auswertung unserer Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Leser – bis Dienstagmittag liegt der Wert bei 65 Prozent – denkt, es hätte härter vorgegangen werden müssen:

Für Feststellung der Personendaten kann Polizei hinzugezogen werden

Werden Schwarzfahrer in solchen Situationen auch in anderen Ostschweizer Verkehrsbetrieben ohne Bussen weggewiesen? Eine Umfrage zeigt: nein. Die Vorgehensweise bei Billettkontrollen ist bei den meisten ähnlich. «Wenn ein Fahrgast bei einer Kontrolle weder einen Ausweis noch Geld auf sich hat, wird er gebeten, seine Personalien schriftlich anzugeben», sagt Ben Küchler, Mediensprecher von Postauto Schweiz. Anschliessend bestehe die Möglichkeit, diese Daten anhand von Kundendatenbanken oder über die Adressprüfung der Post zu verifizieren. «Erweist sich dies als erfolglos, kann Kontakt mit der Polizeistelle aufgenommen werden.»

Werner Fritschi von der Thurbo AG. (Bild: Reto Martin)

Werner Fritschi von der Thurbo AG. (Bild: Reto Martin)

Auch Werner Fritschi, stellvertretender Geschäftsführer der Thurbo AG, sagt: «Das Zugpersonal ist angewiesen, die richtige Adresse auch mit anderen Hilfsmitteln sicherzustellen. Ist das nicht möglich, kann das Personal die Transportpolizei oder auch die Kantonspolizei für die Feststellung der Personendaten hinzuziehen.»

Ralf Eigenmann von den VBSG. (Bild: Benjamin Manser)

Ralf Eigenmann von den VBSG. (Bild: Benjamin Manser)

Das gleiche Vorgehen gilt auch bei den VBSG. «Das Personal kann den Bus mit dem Fahrgast verlassen und mit ihm auf das Eintreffen der Polizei warten», sagt Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter VBSG. Die Kontrolleure dürfen die Person jedoch nicht festhalten.

Haben Personen, die behaupten, kein Geld zu haben oder kein Deutsch zu sprechen, also keinen Vorteil bei den VBSG? Eigenmann bestätigt: Das Personal behandle alle gleich.

«Wir haben eine Pflicht gegenüber denjenigen Fahrgästen, die sich an die Regeln halten.»

Wenn die Kommunikation aufgrund von zu schlechten Deutschkenntnissen nicht klappt, werde die Polizei hinzugezogen. Bei der Thurbo AG heisst es auf Anfrage, das Personal sei angewiesen, Schwarzfahrer zu erfassen. «Die Gewährung von Kulanz oder auch die konsequente Einforderung der entsprechenden Beträge ist Sache des zentralen Kundendienstes bei Thurbo in Kreuzlingen», sagt Fritschi.

Die Regiobus AG hat die Ticketkontrollen seit rund zehn Jahren an die Appenzeller Bahnen ausgelagert. Angesprochen auf die Vorgehensweise des Kontrolleurs, sagte Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen, vergangene Woche: «Wenn die betreffende Person weder über einen Ausweis noch über Geld und auch über keine Sprachkenntnisse verfügt, bleibt nur die Wegweisung – und das haben wir gemacht.» Es habe sich hierbei in dieser Kombination aber um einen Einzelfall gehandelt.

Probleme mit Schwarzfahrern auch bei anderen Verkehrsbetrieben bekannt

Sowohl die Thurbo AG als auch Postauto Schweiz halten fest, dass solche Situationen mit Schwarzfahrern immer wieder vorkommen. «Bei knapp 100'000 Fahrgästen pro Tag kann man das aber nicht als ‹häufig› bezeichnen», sagt Fritschi. Das Personal aller angefragten Verkehrsbetriebe werde entsprechend geschult, um auch mit kritischen Situationen umgehen zu können. Es sei jedoch Sache der Polizei, festzustellen, ab welchem Punkt die Person in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden kann.

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