«Na und? – In unserem Weier hat es halt Raubfische»: Badegäste in St.Gallen nehmen den Fisch nach Fischbiss im Mannenweiher in Schutz

Eine Frau wurde im St.Galler Mannenweiher von einem Fisch gebissen und musste ins Spital. Die betroffene Frau will den Weier meiden. Langjährige Badegäste schütteln den Kopf und nehmen die Raubfische gar in Schutz.

Raphael Rohner
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Achtung, Fisch? Badegäste auf Drei Weieren.

Achtung, Fisch? Badegäste auf Drei Weieren.

Bild: Michel Canonica (25. Juni 2020)

Eine 32-jährige Frau wurde am Montag im St.Galler Mannenweiher von einem Fisch in den Fuss gebissen. So stand es in diversen Medien. Derzeit ist der Fischbiss das Thema Nummer Eins bei den Badegästen. Läuft man am Beckenrand entlang und beobachtet Fische, wird man angesprochen, ob man den Hai sichten möchte.

Auf der mittleren Boje diskutiert ein Paar mit einem anderen Schwimmer: «Haben Sie etwa Angst vor diesem Fisch? Das war bestimmt ein ganz blöder Zufall. Der wird bestimmt einfach zugebissen haben.» Ein Herr gesellt sich dazu und schildert: «So trüb wie das Wasser hier ist, hat der Hecht den sich bewegenden Fuss bestimmt mit einem anderen Fisch verwechselt. Oder er sieht sonst nicht mehr gut.»

Tatsächlich ist die Sicht im Wasser schon wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche stark eingeschränkt. Wer an den Grund tauchen möchte, sieht die Steine auch im Nichtschwimmerbecken erst, wenn er sie direkt vor Augen hat.

Stammgäste nehmen Fisch in Schutz

Bei langjährigen Badegästen sorgt der ganze Rummel um den Fischbiss, mutmasslich war es ein Hecht, für Kopfschütteln. Armin Eisenring schwimmt seit über 40 Jahren in den Weiern und hat schon mengen Fisch gesehen. So ein Hecht sei bestimmt nicht der grösste Fisch, der sich da im Wasser tummle. «Ich habe erst vor kurzem abends einen Barsch oder so gesehen und der war wirklich riesig. Aber die interessieren sich ja nicht für uns Schwimmer. Ich bin eh dafür, dass es mehr Fische hätte.»

Die gebissene Schwimmerin ist überzeugt: Es war ein Hecht.

Die gebissene Schwimmerin ist überzeugt: Es war ein Hecht.

Bild: Imago Images

Im Wasser schwimmt Marie-Theres Zraggen aus St.Gallen vorbei, direkt neben ihr tauchen zwei etwa 25 Zentimeter grosse Fische an die Wasseroberfläche und verschwinden wieder. Ruhig schwimmt sie weiter und grinst kurz. Angst vor den Fischen oder gar dem Hecht hat sie nicht:

«Ich habe grössere Angst vor Corona, als von einem Fisch gebissen zu werden in den Weieren.»

Auch andere Badegäste sehen den Fisch nicht als Problem: «Ich schwimme seit über 60 Jahren hier. Dass jemand von einem Fisch gebissen worden sein soll, habe ich noch nie gehört. Der Fisch müsste eher Angst vor mir haben», sagt Günther Gengelbach aus St.Gallen. In seinen Augen ist aber klar, dass Menschen als Schwimmer Eindringlinge seien und die Fische sich verteidigen.

So sehen es auch viele andere Badegäste des Mannenweihers. Die Raubfische seien Teil des Ökosystems und gehören dahin. Da müsse man halt auch ein Stück weit Rücksicht nehmen und vorsichtig sein. Die Fische gar aus dem Weier holen, will niemand: «Es hat genügend Platz für alle, da kann es schon einmal vorkommen, dass man sich aus Versehen in die Quere kommt», sagt eine Frau, die gerade über den Steg ins Wasser steigt.

Wenige Gäste sind verunsichert

Die Geschichte hat einige Badegäste auch verunsichert. Fiorella Eggenberger sitzt zwar unmittelbar neben dem Wasser, doch geht sie nicht gerne ins Wasser, seit sie von der Geschichte mit dem Biss gehört hat: «Ich habe auch sonst kein gutes Gefühl, wenn ich weiss, dass es da Fische hat. Wenn die jetzt aber noch Menschenfüsse mit Fischen verwechseln, dann blieb ich lieber an Land.»

Auch ein jüngerer Mann hat ein unbehagliches Gefühl: «Was soll's die werden mich schon nicht beissen, sind ja keine Haifische.» Kurz darauf springt er vom Sprungturm ins Wasser und lässt sich wie andere Badegäste im Wasser treiben.

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