Mysteriöser Baumdiebstahl

KREUZLINGEN. Auf einem privaten Waldgrundstück im Thurgau wurden 400 Jungeichen gestohlen. Der Besitzer vermutet einen Racheakt von Kiffern: Im vergangenen Jahr meldete er ein Hanffeld.

Daniela Ebinger
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400 Jungeichen wurden im Gebiet Höchste gestohlen. (Bild: Keystone/Symbol)

400 Jungeichen wurden im Gebiet Höchste gestohlen. (Bild: Keystone/Symbol)

Auf den ersten Blick weist auf dem Grundstück nichts auf die 400 gestohlenen Jungeichen hin. Es befindet sich, säuberlich gepflegt und eingezäunt, im Gebiet Höchste zwischen Zuben und Schönenbaumgarten vor einem steilen Abhang. Dort pflanzte der Waldbesitzer in Absprache mit dem Kanton Thurgau über 400 Jungbäume für das kantonale Eichen-Förderprojekt.

Doch bei seinem Kontrollgang am Montagvormittag entdeckte er Schlimmes: Alle Bäume waren verschwunden. «Ich bin vor zwei Wochen mit dem Velo durchgefahren, und da war alles noch in Ordnung», sagt er. Das Grundstück sei bis vor ein paar Jahren ein wildes Waldstück mit übermässig viel Brombeerstauden gewesen. Da der Wald für ihn ein Ausgleich zum Alltag und seine Leidenschaft ist, trifft ihn der Diebstahl seiner Bäume sehr.

Racheakt von Kiffern?

Um die polizeilichen Ermittlungen nicht zu beeinflussen, will er keine Vermutungen über die Hintergründe des Diebstahls anstellen. Nur so viel: Im vergangenen Jahr entdeckte er bei der Waldpflege am Rand des eingezäunten Waldgrundstücks eine Hanfplantage. Nachdem er dies bei der Polizei gemeldet hatte, wurden die Pflanzen gerodet. Kurze Zeit später schnitten Unbekannte bei ihm auf dem Waldgrundstück rund 100 Jungbäume verschiedener Arten ab. «Ich dachte, das war ein Racheakt und liess es dabei», sagt der Waldbesitzer. Das Gleiche erlebte er schon auf einem weiteren Waldstück bei Bottighofen vor rund zehn Jahren. «Kiffer betreiben solche Unsitten je länger je mehr und setzen ihre Pflanzen dann ins Dickicht.»

Schaden rund 3000 Franken

Was beim aktuellen Vorfall mit seinen Jungeichen passiert ist, weiss er nicht. «Tatsache ist, dass sie weg sind. Vielleicht sind sie schon vernichtet worden.» Die jetzige Jahreszeit sei zum Pflanzen und Verpflanzen von Bäumen überhaupt nicht geeignet. Das Gebiet habe er wegen der starken Regenfälle von Sonntag und Montag nicht gross abgesucht. Der angrenzende, steile Abhang sei wegen des Unwetters ziemlich gefährlich. Deshalb weiss er auch nicht, ob die jungen Bäume irgendwo herumliegen. Die Einstiegshilfe über den Zaun entfernten die Täter ebenfalls. Für den Waldbesitzer steht fest, dass er die Bäume ersetzen will. «Eichen sind für unsere fast ausgestorbenen Mittelspechte lebensnotwendig.» Von dieser Vogelart gebe es in der Region nur noch vereinzelte Populationen. Wer für den Schaden aufkommt, ist noch nicht klar. Die Kosten für seine Arbeit und Pflege belaufen sich «grob geschätzt» auf rund 3000 Franken. Bis er die Bäume neu anpflanzen kann, muss er sich wohl gedulden. Dies sei erst kurz vor der Austreibung der Knospen nächsten Frühling möglich.