Mysteriöse Brandserie in Riedt bei Erlen: 51-jähriger Thurgauer steht zum zweiten Mal vor Gericht – reichen die Beweise nun für ein Urteil aus?

Der mutmassliche Brandstifter steht am heutigen Donnerstag erneut vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Ende Oktober 2019 fand die erste Hauptverhandlung statt, doch der Fall wurde sistiert und an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. In der Zwischenzeit wurden weitere Abklärung gemacht.

Ida Sandl
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An der Bahnhofstrasse 12 in Weinfelden verhandelt das Bezirksgericht Weinfelden über die Brandserie in Riedt bei Erlen.

An der Bahnhofstrasse 12 in Weinfelden verhandelt das Bezirksgericht Weinfelden über die Brandserie in Riedt bei Erlen.

Bild: Reto Martin
  • Die Brandserie in Riedt bei Erlen begann im März 2016
  • Anfang Januar 2019 eskalierte die Situation: Ein Pferdestall stand in Flammen
  • Am selben Abend wurde ein Thurgauer verhaftet – seitdem sitzt er im Gefängnis
  • Richter weisen Strafverfahren Ende Oktober 2019 zurück an die Staatsanwaltschaft, weil noch zu viele Fragen offen waren
  • Anklage beantragt Freiheitsstrafe von 13 Jahren
  • Beschuldigter streitet bisher sämtliche Taten ab

Es brannte auffällig oft in und um Riedt bei Erlen. Mal eine Hecke, dann ein Weizenfeld, wiederholt ein Müllcontainer oder ein Holzhaufen. Autos wurden zerkratzt, eine Fassade beschädigt. Meist nichts Grosses und doch beunruhigte es die Einwohner. Von einem Feuerteufel war die Rede.

Angefangen hat die mysteriöse Brandserie Ende März 2016. Am 1. Januar 2019 eskalierte die Situation. Ein Pferdestall stand in Flammen. Die Feuerwehr war mit 80 Mann vor Ort und verhinderte, dass das Feuer aufs Wohnhaus übergriff. Die Gebäude gehören Erlens Gemeindepräsident Thomas Bosshard. Beim Versuch, das Feuer zu löschen, verbrannte er sich an der Hand und an der Stirn. Tiere kamen nicht zu Schaden, doch es blieb ein happiger Sachschaden von rund 400'000 Franken.

Noch am selben Abend wurde der Beschuldigte verhaftet. Seitdem sitzt er im Gefängnis. Der 51-jährige Thurgauer hat bisher sämtliche Taten bestritten, das Gericht muss deshalb aufgrund der Beweise ein Urteil fällen.

Der Mann steht heute nicht zum ersten Mal vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Ende Oktober 2019 fand die erste Hauptverhandlung statt, doch sie war schon nach kurzer Zeit zu Ende. Die Richter schickten die Anklageschrift zurück an die Staatsanwaltschaft, verbunden mit einem ganzen Bündel von Aufträgen.

Zu viele Fragen offen

«Es geht um viel. Wir brauchen Gewissheit», hatte Vizepräsidentin Claudia Spring die Rückweisung begründet. Für den Beschuldigten steht tatsächlich viel auf dem Spiel. Der Staatsanwalt hat eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren beantragt. Er wirft dem Mann Brandstiftung, versuchte Brandstiftung und Sachbeschädigung vor – alles mehrfach begangen.

Die Anklage stützt sich unter anderem auf Aufzeichnungen von Videokameras an den Tatorten. Doch die sind wohl nicht so eindeutig. Der Verteidiger zweifelt ihre Echtheit jedenfalls an. Es gebe Hinweise, dass die Bilder manipuliert seien.

Noch dazu habe es zu jener Zeit ähnliche Vorkommnisse im Raum Riedt gegeben, für die sein Mandant nicht in Frage komme, erklärte der Verteidiger an der Verhandlung im Oktober. Er verlangte deshalb eine vollständige Liste aller Ereignisse, die der Polizei gemeldet wurden.

Konkurs einer Riedter Firma fällt in die Zeitspanne der Brände

Das hat seinen Grund: Denn zu den Geschädigten zählt auch eine Riedter Firma, die pleiteging. Von einem Tag auf den anderen standen Mitarbeiter auf der Strasse. Der Konkurs fällt in die Zeitspanne, in der es besonders oft gebrannt hat. Das heisst, es habe in der Region einige enttäuschte Menschen gegeben, die ein Motiv für ein Feuer gehabt hätten.

Auf Geheiss des Gerichts musste die Staatsanwaltschaft daher die Echtheit der Videos überprüfen. Die Richter wollen ebenfalls wissen, wo, welche Überwachungskamera installiert war und welchen Radius sie aufgenommen hat. Es sollen auch weitere Personen befragt und ein zweites psychiatrisches Gutachten muss erstellt werden.

Prozess wegen Corona diesmal nicht öffentlich

Zum ersten Termin Ende Oktober sind sehr viele Zuschauer erschienen. Diesmal sind wegen der Hygienevorschriften jedoch keine Besucher zugelassen. Ausser den Beteiligten dürfen nur akkreditierte Journalisten teilnehmen. Das Bezirksgericht hat für den Prozess einen ganzen Tag angesetzt.

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