Mutmasslicher Mörder von Ganterschwil soll für 20 Jahre ins Gefängnis – vor Gericht streitet er die Schuld ab

Der mutmassliche Mörder von Ganterschwil soll für 20 Jahre ins Gefängnis. Am Dienstag stand er vor Gericht und stritt die Schuld ab.

Noemi Heule
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Eifersucht, ein verpatzter Diamantenhandel, Bordellbesuche, Raub und ein kaltblütiger Mord auf offenem Feld: Das Tötungsdelikt vom September 2015 liefert alle Zutaten für einen schauderhaften Schundroman. Damals hatte der Hauptbeschuldigte seinen Rivalen, den Partner seiner Ex-Freundin, auf einem Kiesweg im Lochermoos bei Ganterschwil erschossen, so der Vorwurf. Die Verhandlung vom Dienstag ist aus Sicherheitsgründen vom Kreisgericht Toggenburg ins St.Galler Kantonsgericht verlegt worden.

Am ersten Verhandlungstag drehte sich allerdings fast alles um Formalitäten. Der Verteidiger beantragte in einer stündigen Wortmeldung, das Verfahren schlicht einzustellen. Dies, weil dem Vorwurf, die Tat könnte vom Mittäter begangen worden sein, zu wenig nachgegangen worden sei. Er zweifelte das Gutachten des Psychiaters Ralph Aschwanden an und kritisierte die Arbeit seiner Vorgängerin. Die Verteidigerin habe den Angeklagten nicht angemessen vertreten und ihn während dreier Jahre im vorzeitigen Strafvollzug nicht einmal besucht.  

Das Richtergremium lehnte diesen Antrag ab, genauso weitere Anträge des Verteidigers. Er forderte etwa, den Schmauchspuren nachzugehen, welche die Ermittler an Händen und Kleidern des mutmasslichen Mittäters fanden. Seine Erklärung: Nicht sein Mandant habe die Schüsse auf das Mordopfer abgegeben, sondern der Komplize, Besitzer der Tatwaffe und Angeklagter wegen Beihilfe zu Mord.

Die Vorgeschichte: Ein dubioser Diamantenhandel

Die beiden weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Der Hauptangeklagte, schwarze Jeans, schwarzes Hemd, schwarze Lederjacke, das kurze Haar mit Gel an den Kopf geklebt, verweigerte vor Gericht jegliche Aussage. Der mutmassliche Gehilfe, ganz in grau, sagte zwar aus, wies jedoch jegliche Verantwortung von sich: Die Fahrt zum Tatort, die Übergabe der Tatwaffe, die Tat, der spätere Besuch im Sexclub (inklusive bezogener Dienstleistungen): All das habe er nur unter Druck des Hauptangeklagten mitgemacht.  

Die beiden ungleichen Männer hatten sich bei einem Diamantenhandel kennen gelernt. Das zwielichtige Geschäft ging schief. In der Folge stand der spätere Komplize, 55, nach eigenen Angaben tief in der Schuld des 34-jährigen Hauptangeklagten. Dieser trieb die Schulden mit Drohungen ein, bis hin zu Todesdrohungen, wie der mutmassliche Gehilfe vor den Richtern ausführte. «Er hatte mich in der Hand», sagt er, rauchige Stimme, saloppe Wortwahl.

«Ich war sein Hampelmann, sein Trottel.»

Der Beschuldigte habe ihn etwa genötigt, seine Militärpistole abzutreten und ihn zum Tatort zu chauffieren.  

Der mutmassliche Mord geschah am 9. September 2015 im Gebiet Lochermoos in Ganterschwil.

Der mutmassliche Mord geschah am 9. September 2015 im Gebiet Lochermoos in Ganterschwil. 

Bild: Beat Kälin/BRK News

Überhaupt gab sich der Mittäter unwissend. Von der Dreiecksbeziehung zwischen dem Opfer, dessen Freundin und dem Beschuldigten will er nichts gewusst haben. Diese Vorgeschichte steht in der Anklageschrift. Und liest sich wiederum wie ein Kapitel aus einem klischierten Roman – wäre sie nicht traurige Realität mit einem Toten.

Von der Dreiecksbeziehung zum Eifersuchtsdrama

Weil seine Aufenthaltsbewilligung abgelaufen war, suchte der Hauptangeklagte, ein Mazedonier, eine Frau aus der Schweiz. In der Absicht, so steht es in der Anklageschrift, sie zu heiraten. Über Facebook lernte er eine Kandidatin kennen. Die Frau hatte zuvor eine Kontaktbar in St.Gallen betrieben, die jedoch in finanzielle Schieflage geraten war, weil ihr Lebenspartner verhaftet wurde.

Schnell entwickelte sich eine Beziehung zwischen dem Angeklagten und der einstigen Bordellbesitzerin. Genauso schnell ging die Liaison wieder in die Brüche, als ihr damaliger Lebenspartner vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde. Sie nahm ihn zurück und warf im Gegenzug den Angeklagten aus dem Einfamilienhaus im Lochermoos. Kurz darauf kam es zum Eifersuchtsdrama. Mit neun Schüssen und mehreren Messerstichen wurde das Oper unweit des Hauses hingerichtet.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgeführt. Die Anklage fordert für den Schützen eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren wegen Mordes und weitere Delikte, wie Raub, Sachbeschädigung und Nötigung. Für den Komplizen sind sieben Jahre gefordert, unter anderem wegen Gehilfenschaft zu Mord.