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Mutig Axt-Täter gestoppt: Ehepaar aus Flums für Prix Courage nominiert

Beatrix und Wendelin Marthy aus Flums sind für den diesjährigen Prix Courage nominiert. Die beiden griffen beherzt ein, als ein Jugendlicher mit einem Beil ein anderes Ehepaar attackierte.
Valentina Thurnherr
Wendelin und Beatrix Marthy aus Flums bewiesen ohne zu zögern echte Zivilcourage. (Bild: Beobachter)

Wendelin und Beatrix Marthy aus Flums bewiesen ohne zu zögern echte Zivilcourage. (Bild: Beobachter)

Am 22. Oktober ist es genau ein Jahr her seit der Beil-Attacke in Flums, bei der ein 17-Jähriger Lette mehrere Personen schwer verletzte. Der Flumser Wendelin Marthy erinnert sich noch genau an den Abend des Angriffs. Er und seine Frau Beatrix kamen gerade von einer Geburtstagsfeier, als sie kurz vor 20 Uhr auf den Täter und dessen Opfer trafen.

«Ich sah lediglich, wie jemand über einer kleinen Person kniete und mit einem Gegenstand heftig auf sie einschlug», sagt Marthy. Er sei sofort aus dem Auto gestiegen und habe gerufen, um die Person abzulenken. «Ich habe ihn ziemlich heftig angeflucht.» Im nächsten Moment ging der Angreifer auch schon auf ihn los.

«Ich sah nur, wie er unter seinem Mantel ein Beil hervorzog und hob meinen Arm über den Kopf.»

Die Schneide der Axt traf Marthy in die Hand. Dann ging der Täter auf seine Ehefrau Beatrix los, die ebenfalls ausgestiegen war. Beim Versuch, ihn daran zu hindern mit ihrem Auto davonzufahren, wurde sie am Handgelenk verletzt.

«Die Wirtin vom Café Post brachte mir ein Handtuch, um die heftige Blutung zu stoppen», erinnert sich Marthy. Kurz darauf sei auch schon die Polizei eingetroffen und einer der Beamten legte bei Marthy einen provisorischen Druckverband an. «Wir haben dann nicht mehr so viel mitbekommen, da ich und meine Frau ins Spital nach Walenstadt gefahren wurden.» Dort hätten sie ihre gesamte Kleidung für die Spurensicherung der Polizei abgeben müssen. «Wir mussten uns von zu Hause frische Kleider bringen lassen.» Auch die ärztliche Behandlung dauerte länger als erhofft, und so kamen die beiden erst gegen halb zwei Uhr morgens aus dem Spital. «Eigentlich sollte uns dann ein Polizist nach Hause fahren, doch der meinte, wir müssten erst auf das Bezirksamt Flums, um unsere Aussagen zu machen.» Dort seien die Eheleute einzeln verhört worden. Erst um vier Uhr morgens standen sie endlich vor der eigenen Haustür.

Direkt zurück in die Normalität

Am selben Morgen öffneten die Eheleute, wie immer, um halb acht ihren Laden. Wendelin Marthy betrieb viele Jahren eine Eisenwarenhandlung in Flums, bevor er sich 2012 entschied diese zu schliessen. Im Untergeschoss des Gebäudes verkauft das Ehepaar heute noch die letzten Reste aus dem Lager des Eisenwarenladens. «Gross helfen konnte ich an dem Morgen nicht, da ich mit meiner eingebundenen Hand nichts machen konnte, nicht einmal schreiben.» Noch heute ist die eine Seite seines Ringfingers taub. Das sei aber nicht so schlimm. «Das Leben geht weiter».

So gut wie jeder Flumser kennt den 72-Jährigen und dessen Frau. «Ich hatte früher auch eine Spielzeugabteilung in meinem Laden, deswegen kennen mich viele noch unter dem Namen ‹Lego-Wendy›, besonders die Kinder», sagt Marthy mit einem Lachen. Das sei wohl auch der Grund, warum er oft auf der Strasse angesprochen werde auf die Beil-Attacke.

Eine angenehme Überraschung

Als die Marthys von der Nomination für den Prix Courage der Zeitschrift «Beobachter» erfuhren, waren sie überrascht. «Wir wollten da erst gar nicht mitmachen.» Aber die Redaktoren hätten sich wieder gemeldet und sie nach einem längeren Gespräch davon überzeugen können, doch einzuwilligen. «Uns wurde erst in diesem Moment wirklich bewusst, dass wir durch unser ­Eingreifen jemandem geholfen haben.»

Im Mai diesen Jahres erhielten die Eheleute auch die goldene Ehrenmedaille der Carnegie-Stiftung für Lebensretter und Lebensretterinnen in Bern. Dabei wird laut der Statuten der Stiftung nicht die Lebensrettung als solche ausgezeichnet, sondern die Handlung «mit ausgesprochen heldenmütigem Charakter». Ausschlaggebend ist dabei das Mass der Gefahr, in die sich der Retter oder die Retterin begeben hat.

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