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Mut mit Entlassung bestraft – Streit im Regionalen Leistungszentrum in Wil

Der Vorstand des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz (RLZO) in Wil hat Geschäftsführerin Alexandra Breitenmoser-Lier gekündigt. Eine Entwicklung, die auch dem kantonalen Turnverband keine Freude bereiten kann.
Beat Lanzendorfer
Das Leistungszentrum will die Nachwuchsturnerinnen und -turner fördern. Hinter den Kulissen wird derzeit aber gestritten. (Bild: Benjamin Manser)

Das Leistungszentrum will die Nachwuchsturnerinnen und -turner fördern. Hinter den Kulissen wird derzeit aber gestritten. (Bild: Benjamin Manser)

Die Ostschweizer Kunstturnszene ist in Aufruhr. Die Zusammenarbeit zwischen dem Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) und den Satelliten-Vereinen lässt zu wünschen übrig. Der Grund sind personelle Zerwürfnisse im Umfeld des RLZO. Die Vorwürfe an die ehemalige Geschäftsführerin Alexandra Breitenmoser-Lier des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz (RLZO) sollen happig sein. Der genaue Sachverhalt wird laut den Verantwortlichen zum Schutz der Persönlichkeit allerdings nicht öffentlich dargelegt. Es wird aber gemunkelt, dass ihr mangelnde Loyalität gegenüber Präsident Willi Aurich zum Verhängnis geworden sei. Dies hat zur per Ende Januar ausgesprochenen Kündigung geführt. In Absprache mit dem Vorstand hatte Alexandra Breitenmoser-Lier am 13. Dezember ihren letzten Arbeitstag.

Die Kündigung ist das vorläufig letzte Kapitel eines Konflikts, der sich über Jahre hinweg zieht und schon vor dem Stellenantritt von Breitenmoser-Lier am 1. September 2017 begonnen hatte. Gemäss Aussagen Beteiligter habe die nicht vorhandene Gesprächsbereitschaft von Willi Aurich schon vorher zu Auseinandersetzungen und letztendlich zum Bruch mit Satellit-Vereinen geführt. Satelliten sollten Vereine sein, in denen der Kunstturnnachwuchs die erste Ausbildung erhält. Diese Maxime galt zumindest bis zu jenem Zeitpunkt, als die Unstimmigkeiten mit RLZO-Präsident Willi Aurich offenkundig wurden und einige der Satellit-Vereine eine weitere Zusammenarbeit verweigerten.
Der Beginn des Zerwürfnisses zwischen Willi Aurich und Alexandra Breitenmoser-Lier soll eine im Februar 2018 anberaumte Aussprache gewesen sein. In dieser konfrontierten die Eltern jener Mädchen mit Jahrgang 2009, die im RLZO trainieren, Willi Aurich mit Vorwürfen. So soll eine seiner drei Töchter mangels Interesse und Motivation den Trainingsbetrieb massiv gestört haben. Im Weiteren soll der Präsident seine Stellung dazu missbraucht haben, seine drei Töchter im Leistungszentrum mittrainieren zu lassen, obwohl ihnen die turnerischen Fähigkeiten abgingen.

Vermehrt in den operativen Bereich eingemischt

Willi Aurich begründet das Mittrainieren seiner Töchter mit der Aussage: «Die Sporthalle RLZO steht sowohl den Mitgliedern des RLZO-Kaders als auch dem Breiten- und Kindersport zur Nutzung offen. Die drei Standbeine sind seit der Eröffnung vor 10 Jahren etabliert.» Nach der erwähnten Aussprache warf Willi Aurich Alexandra Breitenmoser-Lier fehlende Loyalität vor. Gemäss ihm hätte sie sich zu wenig auf die Seite seiner Tochter gestellt. Nicht ganz klar scheint auch die Rolle von Trainer Gabor Kiss und dessen Ehefrau Esther Kissné Horvath zu sein. Im Gespräch mit Alexandra Breitenmoser-Lier vertraten sie mehrfach die Meinung der Eltern, gegenüber Willi Aurich sollen sie die Situation hingegen harmloser dargestellt haben.

Breitenmoser-Lier, die sich bis Ende Februar 2018 im 16-wöchigen Mutterschaftsurlaub befand, an erwähnter Aussprache aber teilnahm, kehrte Mitte März an ihren Arbeitsplatz zurück. Willi Aurich soll sich während ihrer Abwesenheit vermehrt in den operativen Bereich eingemischt haben und war nach ihrer Rückkehr nicht mehr bereit, übernommene Aufgaben wieder abzugeben. Zur endgültigen Eskalation kam es in den letzten Sommerferien, als sich die Familie Aurich entgegen den Richtlinien das Recht nahm, eigenmächtig in der Halle zu trainieren und ihren Urlaub ausserhalb der vorgesehenen Betriebsferien einsetzte.

Daraufhin verfassten Eltern einen Brief, den sie dem St. Galler Turnverband zukommen liessen.

In dem Brief brachten sie ihre Bedenken zum Ausdruck, machten auf Missstände aufmerksam und forderten Massnahmen. Unter anderem bemängelten sie den fehlenden Nachwuchs, seit die Zusammenarbeit mit mehreren Satellit-Vereinen beendet worden sei. Dies habe zu einem finanziellen Engpass geführt, weil dadurch Verbands- und Mitgliederbeiträge fehlten. Die angespannte Situation sei bei der Suche nach neuen Sponsoren ebenfalls nicht förderlich. Die Eltern verlangten kategorisch einen neuen Vorstandspräsidenten sowie die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit Satellit-Vereinen, Nachbarkantonen und dem Fürstentum Liechtenstein.
Unverständnis löst auch die Gründung eines Amateurbereichs aus, von dem hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, er sei nur wegen der Aurich-Töchter ins Leben gerufen worden. Zu allem Überfluss werden die Amateurturnerinnen auf Weisung des Präsidenten von den Profitrainern trainiert, womit wichtige Ressourcen beim Kader und im erweiterten Kader fehlen würden.

Obwohl sich der Vorstand bereit erklärte, die Vorwürfe ernst zu nehmen und nach Lösungen zu suchen, passierte gemäss Informationen einiger Eltern nichts. Daraufhin sah Geschäftsführerin Alexandra Breitenmoser-Lier den Zeitpunkt für gekommen, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie nahm Kontakt mit dem St. Galler Turnverband sowie mit dem Stiftungsrat auf, in der Folge kam es am 15. Oktober zu einer Anhörung der Parteien. Diese abgegebenen, seitens eines beigezogenen Mediators erstellten Empfehlungen nahm der RLZO-Vorstand zur Kenntnis, sah sich aber nicht in der Pflicht, diese umzusetzen.

Die Kündigung nahegelegt

Eine Woche später, am 23. Oktober, legte der RLZ Ostschweiz-Vorstand der Geschäftsführerin nahe, von sich aus zu kündigen, was diese kategorisch ablehnte. Einen Tag später erhielt Alexandra Breitenmoser-Lier die Kündigung. Gezeichnet war sie von Bruno Strub, Vizepräsident des RLZ Ostschweiz sowie von Peter Weibel, Mitglied des Vorstandes. Mittlerweile hat der Vorstand eine neue Geschäftsleiterin eingestellt, die am 1. Januar ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Auf Anfrage bestätigte Alexandra Breitenmoser-Lier, dass man ihr per Ende Januar gekündigt hat. Zu den erwähnten Ereignissen wollte sie allerdings keine Stellung nehmen. Ihr ist es hingegen ein Anliegen, zu betonen, dass es ihr immer um das Wohl des RLZ Ostschweiz gegangen ist. «Mehr möchte ich dazu nicht mehr sagen.»

Imelda Stadler steht hinter der entlassenen Geschäftsführerin
Laut Stiftungsratspräsidentin Imelda Stadler hat die Stiftung keinen direkten Einfluss auf das Tagesgeschäft. «Die Stiftung hat vor zehn Jahren die Halle erstellt und tritt gegenüber dem eingemieteten RLZ Ostschweiz sowie der IG St. Galler Sportverbände als Vermieterin auf.» Die derzeitige Situation könne sie nicht gutheissen. «Ich bin seit zehn Jahren Stiftungsratspräsidentin und finde es schade, wie das Ganze gehandhabt wird. Ich habe meinen Unmut auch schon schriftlich kundgetan, ohne Erfolg. Alexandra Breitenmoser-Lier hat Mut bewiesen und Missstände aufgedeckt. Hinter meiner Aussage, dass im Vorstand personelle Veränderungen nötig sind, kann ich voll und ganz stehen.»
Dominik Meli, Präsident des St. Galler Turnverbandes, sind die Probleme im Umfeld des RLZ Ostschweiz durchaus bewusst. «Uns sind die Meinungsverschiedenheiten bekannt. Wir bieten selbstverständlich auch Hand bei der Bewältigung der Konflikte. Dies bedingt allerdings die Bereitschaft aller Parteien, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.»

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