MUSEUM: Auf Besuch im Schloss

Gabriele Keck hat die Ausstellung im Schloss Frauenfeld neu konzipiert. Die Besucherzahlen zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

Thomas Wunderlin
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Vom Historischen Museum Bern her hatte Gabriele Keck klare Vorstellungen davon, wie Museen heute funktionieren. Als sie nach Frauenfeld wechselte, begann die wirblige Direktorin, die Dauerausstellung neu zu konzipieren. Diese war in ihren Grundzügen praktisch unverändert, seit das Historische Museum Thurgau 1960 im Schloss Frauenfeld eröffnet wurde.

Das verwinkelte Gebäude mit Balkendecken, Holzböden und Butzenscheiben bietet keinen neutralen Rahmen für eine Ausstellung. Das Schloss ist übermächtig – und ein Besuchermagnet. «Es ist unser Hauptobjekt», sagt Keck. Aber es geht um die Inhalte, und die beweglichen Stücke müssen ansprechend präsentiert werden. Keck hat deshalb schwarze Stelen aus Faserplatten mit integrierten Vitrinen angeschafft. Die Stelen sollen «einen Kontrast zum Mittelalter» schaffen. Die Preziosen werden optimal beleuchtet, lagern in klimatisierter Atmosphäre und sind diebstahlgesichert. Kurze Begleittexte erklären das Gezeigte. Weitere Informationen sind über Touchscreenbildschirme zu finden, die von den Besuchern intensiv genutzt werden. «Detaillierte Hintergrundinformationen können damit natürlich nicht geboten werden», sagt Keck. Das Kuratorenteam prüfe deshalb ein zusätzliches Angebot. Nicht ein teurer Audioguide soll es sein, sondern vielleicht eine App. Da Museen heute soziale Treffpunkte sind, gibt es im Hochparterre einen Bücherladen mit Kaffeemaschine.

Von «Dauerausstellung» ist nicht mehr die Rede

Den Begriff «Dauerausstellung» hat Keck sich selbst und ihren Mitarbeitern verboten. «Das klingt langweilig», sagt die Kunst- und Mittelalterhistorikerin. Die «Schlossausstellung», wie die Schau offiziell heisst, erzählt, wie der Thurgau nach 1415 allmählich zu einem eidgenössischen Untertanengebiet wurde. Kunstschätze aus dem Thurgau sind weltweit in namhaften Museen ausgestellt, wohl mehr als aus jedem anderen Kanton. Denn der Thurgau versuchte im 19. Jahrhundert, mit den Gütern der aufgehobenen Klöster die leere Staatskasse zu füllen. Dennoch sind auch im einstigen Sitz des Landvogts, dem Schloss Frauenfeld, zahlreiche Originale zu besichtigen. Dazu zählen der silbern und golden glänzende Krummstab des Abts Placidus von Fischingen, die Mitra des Abts von Kreuzlingen und der Feldbacher Flügelaltar.

Die Besucherzahlen deuten an, dass Keck auf dem richtigen Weg ist. Nach dem Spitzenwert von 13860 Besuchern 2015 werden es dieses Jahr rund 17000 Besucher sein. Dazu beigetragen hat, dass 2016 gleich zwei Sonderausstellungen zu sehen waren und das Schaudepot St. Katharinental einen regelrechten Boom erlebt hat. Das Publikum wurde auch angezogen durch die zahlreichen Begleitveranstaltungen zu den Sonderausstellungen.

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch