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Mundart im Gesetz verankern?

Die Junge SVP will, dass in St. Galler Kindergärten mehr Dialekt gesprochen wird. Sie beabsichtigt, eine Volksinitiative zu lancieren. Die anderen Parteien winken ab. Mundart sei bereits Unterrichtssprache im Kindergarten.
Inge Staub
Mundart im Kindergarten – auch in St. Gallen wird diskutiert. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Mundart im Kindergarten – auch in St. Gallen wird diskutiert. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Reden, wie der Schnabel gewachsen ist: Nach der Abstimmung im Kanton Zürich fordert nun auch die Junge SVP St. Gallen, dass in den hiesigen Kindergärten nur noch Dialekt gesprochen werde. Dies solle, wie ihr Präsident Jeffrey Bleiker sagt, gesetzlich verankert werden. Die Jungpartei erwäge, eine Volksinitiative zu lancieren.

Noch ist offen, ob die Junge SVP von ihrer Mutterpartei in ihrem Vorhaben unterstützt wird, zumal das Thema Mundart im Kindergarten in das Ressort von SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker fällt. «Grundsätzlich sind wir mit der derzeitigen Regelung im Kanton St. Gallen nicht unzufrieden», erklärt Fraktionschef Michael Götte. Befassen wird sich die St. Galler SVP dennoch mit der Thematik. Die Fraktion wird an ihrer Sitzung Ende Mai entscheiden, ob sie in der Junisession des Kantonsrates einen Vorstoss einreichen wird.

Hochdeutsch in Singspielen

Im Kanton St. Gallen ist Mundart im Kindergarten Unterrichtssprache. Doch wird in der entsprechenden Weisung des Erziehungsrates auch verlangt, dass im Kindergarten «erste Grundlagen für die Verwendung von Hochdeutsch als Unterrichtssprache gelegt werden». Hochdeutsch soll als situations- und gruppenbezogene Ergänzung zum Beispiel für Verse, Lieder, Singspiele und Geschichten verwendet werden. Der Anteil Hochdeutsch wird im zweiten Kindergartenjahr gesteigert.

Pragmatische Lösung

«Diese Regelung ist flexibel und überlässt der Kindergärtnerin den nötigen Entscheidungsspielraum», sagt Karin Ilg, Primarlehrerin und Kantonsrätin GLP. Ähnliches ist von den Sozialdemokraten zu hören. Für die Fachkommission Bildung der SP erklärt Kantonsrat Donat Ledergerber: «Der Status quo in unserem Kanton ist eine gute, gangbare und pragmatische Regelung mit vernünftigem Spielraum.» Die Verankerung von Mundart als einzig zulässige Sprache im Kindergarten sei eine Überreaktion. «Im Kindergarten müssen beide Sprachformen ihren Platz haben», betont Ledergerber.

Von einer praxisgerechten Lösung spricht auch die CVP. Es sei ausserordentlich wichtig und richtig, dass man im Kindergarten noch Mundart spreche und höre. Die CVP vertraut darauf, dass die Erziehungspersonen im Kindergarten Mundart anwenden. «Mit der Mundart im Kindergarten erhält auch ein Ausländerkind die Möglichkeit, richtig Mundart zu lernen, und erhält dadurch die Chance, besser integriert zu werden», sagt CVP-Fraktionschef Thomas Ammann.

Für die FDP ist Mundart im Kindergarten derzeit kein Thema. «Wir haben in der Volksschule dringendere Probleme zu lösen», erklärt FDP-Geschäftsführer Adrian Schumacher. FDP-Kantonsrätin Helga Klee bedauert den Zürcher Entscheid. Dieser führe dazu, dass die Kinder mit der Hochsprache weniger vertraut sein würden, wenn sie in die erste Klasse kämen.

Nur wenige ohne Dialekt

Befürchtungen, dass die St. Galler Kinder gar nicht Dialekt sprechen, weil die Kindergärtnerinnen diesen nicht beherrschen, zerstreuen sowohl Ralf Rimensberger, Leiter Amt für Volksschule, als auch die Präsidentin des Kantonalen Kindergarten-Konvents Esther Köppel-Rohrer. Im Kanton St. Gallen würden nur vereinzelt Kindergärtnerinnen unterrichten, die nicht aus der Ostschweiz stammen.

Auch die Kindergärtnerinnen finden es wichtig, dass ihre Sprösslinge Mundart reden. Der Knackpunkt bei der Geschichte sei, dass einige Gemeinden einen Prozentsatz festlegen würden, wie viel Hochdeutsch gesprochen werden müsse. Dies sei in der Praxis nicht umzusetzen, kritisiert Köppel-Rohrer.

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