München sticht St. Gallen aus

Die Organisatoren des europäischen Darmkongresses haben entschieden: Sie führen den Anlass neu in München durch. Hauptgrund für den Wegzug von St. Gallen ist das geringe und teure Hotelangebot.

Regula Weik
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Der «European Colorectal Congress» wird neu im internationalen Kongresszentrum München durchgeführt. (Bild: Messe München GmbH)

Der «European Colorectal Congress» wird neu im internationalen Kongresszentrum München durchgeführt. (Bild: Messe München GmbH)

ST. GALLEN. Der Entscheid ist erst wenige Tage alt: Der «European Colorectal Congress» findet dieses Jahr nicht mehr in St. Gallen statt; er wird nach München verlegt. Sie hätten sich diesen Schritt nicht einfach gemacht, sagt Daniela Marx, Direktorin Congress Management bei der Medkongress AG St. Gallen und verantwortlich für den Darmkongress.

Die Probleme seien schon länger be- und erkannt: Nahezu die Hälfte der Kongressteilnehmer – es sind gegen 1500 – hätten wegen der begrenzten Anzahl Hotelbetten in der Stadt ausserhalb von St. Gallen untergebracht werden müssen. Für die Betroffenen habe dies täglich «einen erheblichen Mehraufwand an Zeit – bis zu einer Stunde – und Kosten» bedeutet. Und: Für viele Teilnehmer aus Osteuropa seien die Übernachtungskosten in der Schweiz kaum erschwinglich. «Ihre Löhne sind deutlich tiefer als die hiesigen Löhne», sagt Daniela Marx. Es sei den Kongressverantwortlichen ein Anliegen, ihr fundiertes Wissen auch den Chirurgen und Auszubildenden aus Osteuropa weitergeben zu können – «es nützt nichts, wenn das Wissen im Westen hängen bleibt.» Es sei nicht im Sinne des Anlasses, wenn Interessierte aus Kostengründen von der Teilnahme ausgeschlossen seien.

70 Prozent für München

Sie hätten «ganz viel» versucht, um den Kongress in St. Gallen zu halten, sagt Daniela Marx. Doch schliesslich habe auch eine Online-Umfrage unter ehemaligen Kongressteilnehmern ein deutliches Verdikt ergeben: 70,1 Prozent – es nahmen 900 Personen an der Umfrage teil – hätten für München und gegen St. Gallen votiert.

So findet der diesjährige «European Colorectal Congress» vom 1. bis 4. Dezember im internationalen Kongresszentrum in München statt. Zahlreiche Hotels – Daniela Marx spricht von 600 Betten – lägen in München direkt neben dem Messeareal; die Teilnehmer könnten somit den Kongress zu Fuss erreichen. Für eine Mehrzahl der Teilnehmer seien die Reiseverbindungen in die deutsche Metropole zudem besser als nach St. Gallen.

«Ausgeliefert»

Die Veranstalter, betont Daniel Marx, profitierten von der Verlegung nicht – nicht finanziell: «Die Kosten für den Kongress auf dem Münchner Messegelände sind nicht tiefer als auf dem St. Galler Olma-Areal.»

Das mag Olma-Direktor Nicolo Paganini ein Trost sein. Der Wegzug des mehrtägigen Kongresses tut ihm dennoch weh. Das Frustpotenzial sei gross, denn den Argumenten Verfügbarkeit und Kosten der Hotelbetten sei er «ausgeliefert». Er spricht von einem «Verlust für den Kongressstandort St. Gallen», und es gehe Wertschöpfung für die Stadt und die Region verloren. Wie stark trifft der Wegzug die Olma Messen? «Nicht existenziell, aber es schmerzt», sagt Paganini. Der Bereich Kongresse und Events – über hundert Veranstaltungen jedes Jahr – mache ungefähr zwölf Prozent des gesamten Geschäftsumsatzes aus. «Wir leben primär von den Publikumsmessen wie Olma und Offa.»