MSG-Gründer soll 44 Anleger geprellt haben

Der Gründer der Finanzgruppe Money Service Group (MSG), Michael Seidl, steht ab heute in Vaduz vor Gericht. Der 41jährige Deutsche soll Anleger um 36 Millionen Franken betrogen haben.

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VADUZ. Die Gerichtsverhandlung im Fürstentum dauert voraussichtlich bis 19. Oktober, wobei neun Prozesstage vorgesehen sind. Wann das Urteil verkündet wird, steht noch nicht fest. Bei einer Verurteilung droht dem MSG-Gründer, dem schwerer gewerbsmässiger Betrug vorgeworfen wird, eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren. Insgesamt soll er 44 Anleger betrogen haben.

Kundengelder zweckentfremdet

Den Anlegern wurde versprochen, ihr Geld werde in Fonds, «Anlagen mit fester Laufzeit» und in Solarparks investiert. Der MSG-Gründer, der am 25. Juli 2011 aufgrund eines internationalen Haftbefehls in St. Gallen festgenommen wurde, hatte aber laut der Liechtensteiner Staatsanwaltschaft gar nie die Absicht, solche Investitionen vorzunehmen.

Insgesamt überwiesen Anleger 29,5 Millionen Euro und 1,2 Millionen Franken auf Konten der vom MSG-Gründer kontrollierten Gesellschaften oder auf dessen Privatkonto. Von diesen Geldern konnten nur noch 160 000 Euro sowie Schmuck, Zigarren und Wein im Gesamtwert von 200 000 Franken sichergestellt werden. Laut Anklage wurden die Kundengelder für den Geschäftsbetrieb der Gesellschaften der Money Service Group, das aufwendige Privatleben des MSG-Gründers und seiner Familie, Rückzahlungen an andere Anleger und für Ausschüttungen an die «Solarpark-Investoren» verwendet. Unter anderem soll die Seidl-Villa allein monatlich 22 500 Franken Miete gekostet haben.

Anleger aus Deutschland

Gegen Seidl, der in den 1990er-Jahren den Eishockeyclub SC Herisau präsidiert hatte, läuft auch im Kanton St. Gallen ein Verfahren wegen vermuteten Anlagebetrugs. Im Fokus der Justiz steht dabei ein weiteres Unternehmen des Angeklagten, die Samiv AG, über die inzwischen der Konkurs eröffnet wurde. Die Firma hatte ihren Sitz in Herisau und eine Zweigstelle in Rorschach. Seidl steht unter Verdacht, über die Samiv AG 50 Millionen Euro veruntreut zu haben. Die meisten der etwa 2000-Samiv-Anleger stammen aus Deutschland.

Die Money Service Group war vor allem im Sportsponsoring aktiv. So sponserte der Finanzdienstleister die höchste Schweizer Fussballliga, den Formel-1Rennstall Sauber sowie den ehemaligen Formel-1-Weltmeister und heutigen TV-Experten Niki Lauda. Die Verträge sind mittlerweile ausgelaufen oder wurden gekündigt. Die MSG soll aber im Sponsoring noch einige offene Rechnungen haben. (sda/ms)