Motion will Musikschulen stärken

Die St. Galler Musikschulen fordern eine bessere Verankerung im kantonalen Gesetz. Mit einer im Kantonsrat eingereichten Motion soll eine Vereinheitlichung der einzelnen Schulen geschaffen werden. Eine Forderung, die weitherum auf Zustimmung stösst.

Aline Bavier
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ST. GALLEN. Einige der vielen St. Galler Musikschulen bestehen schon seit über 50 Jahren, aber noch immer sind sie nicht gesetzlich geregelt. Nun fordert eine von allen fünf Fraktionen im St. Galler Kantonsrat eingereichte Motion von der Regierung eine gesetzliche Stärkung der musikalischen Bildung.

«Die Forderung nach einer Vereinheitlichung der Musikschulen wurde von sämtlichen Parteien unterschrieben», freut sich stellvertretend für die Schulen Guido Schwalt, Musikschulleiter in Goldach. «Ich bin gespannt, wie die Regierung entscheiden wird.»

Kantonal nicht geregelt

Im Kanton St. Gallen werden an über 30 Musikschulen mehr als 26 000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Aufgrund des neuen Finanzierungsausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kanton sind die Musikschulen laut Schwalt ohne Gesetzesgrundlagen und Rechtssicherheit. Das bedeutet, dass die Gemeinden jederzeit ihre Musikschulen schliessen könnten. Die Motion will diesen unsicheren Zustand ändern: Die geforderte rechtliche Verankerung der Musikschulen auf Kantonsebene soll zu einer Harmonisierung der einzelnen Schulen führen – und folglich zur Rechtssicherheit. «Zwischen den einzelnen Musikschulen bestehen derzeit grosse Differenzen», erklärt Guido Schwalt. «Mit der Motion sollen beispielsweise Löhne angepasst werden.»

Der Bund hat vorgespurt

Differenzen, die der in der Junisession eingereichte Vorstoss bereinigen will. Im Moment organisieren sich die einzelnen Musikschulen durch Vereinbarungen und Empfehlungen durch die Leitung des Verbands der St. Galler Volksschulträger (SGV). Dieser will seine Musikschulen gemäss seinem Präsidenten Thomas Rüegg ständig verbessern und weiterentwickeln. Und der bereits praktizierte kooperative Führungsstil entspricht den Zielen der Motion.

Die «musische Initiative» wurde auf nationaler Ebene bereits angenommen. Das Problem besteht laut Rüegg jedoch weiterhin darin, dass der Bund nicht auf die Kantone einwirken kann.

St. Gallen «fortschrittlich»

Nicht nur die Musiklehrer begrüssen die Motion, sondern auch Eltern und Schüler, wie SGV-Präsident Rüegg sagt. «Der Kanton St. Gallen ist recht fortschrittlich unterwegs. In einem sogenannten Kreisschreiben wird die Basis für die Musikschule umgesetzt. Das ist in der Tat zu wenig, und dort muss der Kanton ansetzen.»

Auf Gesetzesstufe gibt es nur wenige Weisungen oder Reglemente, die die Musikschulen betreffen. Grundsätzlich organisieren sich die meisten selber oder werden von den Schulgemeinden geleitet. Die Musikschulen erfüllen einen wichtigen Bildungsauftrag und ergänzen die Leistungen der Volksschulen. Eine Zusammenarbeit zwischen Schulen und Musikschulen ist aber auf Dauer nur möglich, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen übereinstimmen.

Qualität der Schulen erhalten

Die Motionäre wollen mit dem neuen Gesetz die Qualität der Musikschulen für die Schülerinnen und Schüler erhalten. Und die Arbeitsbedingungen der Musikschullehrkräfte sollen im Grundsatz denjenigen der übrigen Lehrkräfte gleichgestellt werden. «Mit der Motion wollen wir einheitlichere Preise der Unterrichtsstunden schaffen. Ausserdem soll jeder Zugang zu Musikstunden haben», sagt Patrick Hilb, Uzwiler BDP-Kantonsrat und selber Schulleiter.

Die Motion hat keinerlei Gegnerschaft, wie es scheint. «Die ersten Reaktionen sind erwartungsgemäss wohlwollend ausgefallen», sagt Silvia Kündig, Grünen-Kantonsrätin aus Rapperswil-Jona. Sie hat sich bereits vor zehn Jahren für die Musikschulen eingesetzt.

Nun gibt es den neuen Verfassungsartikel über die musikalische Bildung: Das Schweizer Volk anerkannte mit 73 Prozent Ja-Stimmen den positiven Einfluss der Musik auf die ganzheitliche Bildung. Und der Kanton St. Gallen habe mit der Einführung der obligatorischen zweijährigen Musikalischen Grundschule bereits einen wichtigen Schritt gemacht, fügt Silvia Kündig an. «Eine rechtliche Verankerung der Musikschulen auf Kantonsebene bildet erst die Grundlage, damit die eingeführte Musikalische Grundschule in allen Gemeinden und somit für alle Schulkinder gesichert ist», sagt die Kantonsrätin.