Kolumne
Mosttröpfli: Scheidung auf Thurgauisch

Was tut man, wenn man von der chronisch überfüllten Thurtalstrasse genug hat? Antwort: Sich trennen und umsteigen.

Christian Kamm
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Christian Kamm.

Christian Kamm.

Urs Jaudas

Sie kennen das: eine dunkle Vorahnung, dass etwas, das jahrelang Bestand hatte, auseinanderbrechen könnte. Schon lange haben Sie sich nur noch über den anderen aufgeregt. Über seine Eigenschaften beziehungsweise über das, was er ihnen nicht (oder nicht mehr) bieten kann. Es war ihnen plötzlich wohler ohne ihn. Man hat sich, nennen wir es beim Namen, auseinandergelebt.

Deshalb habe ich mich von der Thurtalstrasse getrennt. Einen Schlussstrich gezogen. Aus, finito, fertig. Wir gehen per sofort getrennte Wege. Wir fahren nun jeder für sich. Soll sich diese Strasse doch weiterhin auf Kosten jener Autofahrerinnen und Autofahrer amüsieren, die noch nicht so weit sind wie ich. Mir egal. Denn ich, ich fahre wenn möglich nur noch mit dem Zug.

Falls Sie wissen wollen, was denn nun den Ausschlag für meine Scheidung gegeben hat, dann fällt mir die Antwort nicht leicht. Natürlich könnte ich eine Schimpftirade über all diese Lastwagen vom Stapel lassen, die sich durch das Thurtal quälen. Ständig werden es mehr. Und wo die überall herkommen: Polen, Litauen, Rumänien, Serbien. Wenn die osteuropäischen Freunde ausnahmsweise ausfallen, wartet hinter der nächsten Kurve garantiert ein Mostinder mit seinem Traktor. So habe ich mir diese Beziehung wirklich nicht vorgestellt.

Zugegeben: Mit der Eisenbahn, meiner neuen Partnerin, läuft auch noch nicht alles rund. Aber ich taste mich allmählich an sie heran. Und manchmal renne ich ihr sogar hinterher – weil es der Fahrplan so will. Aber so richtig enttäuscht hat sie mich noch nie, die Bahn. Wenn Sie mich fragen: Das könnte etwas werden mit uns.