MOSNANG: Toggenburger Künstlerin wirft Textilfirma Ideenklau vor

Die Toggenburger Scherenschnittkünstlerin Jolanda Brändle wirft einem Aargauer Stoffproduzenten vor, ihre Muster gestohlen zu haben. Der Angeschuldigte will davon nichts wissen.

Beat Lanzendorfer
Merken
Drucken
Teilen
Jolanda Brändle in ihrem Geschäft in Mosnang. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Jolanda Brändle in ihrem Geschäft in Mosnang. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Stoffe mit Scherenschnittmuster gehören zu den Verkaufsrennern im Lädeli «zur Schererei» von Jolanda Brändle in Mosnang. Ihr Sortiment umfasst Textilien für Küche, Bad und Schlafzimmer und kann auch online gekauft werden. Anfang des Jahres ging der Bestellungseingang plötzlich zurück. Brändle führte dies auf saisonale Schwankungen zurück. Gross war ihr Ärger dann aber, als ihr eine Kollegin erzählt, ein Stoffladen habe via Facebook neue Stoffe angekündigt – mit Scherenschnittmustern, die praktisch identisch mit jenen von Brändle sind. Die Toggenburgerin begann im Internet zu recherchieren. «Ich fand heraus, dass die Firma Novitex Fashion AG in Zofingen für die Produktion der Scherenschnittstoffe verantwortlich ist», erzählt sie. Was dann passiert, treibt ihr noch heute die Zornesröte ins Gesicht. Sie kontaktiert den Novitex-Geschäftsführer Andreas Sprecher telefonisch. Laut Brändle reagierte Sprecher abschätzig und wies jede Ähnlichkeit von sich. Er habe darauf beharrt, dass die Muster von ihm sind. «Er hat mir sogar angeboten, Stoffe bei ihm zu bestellen», sagt die enttäuschte Scherenschnittkünstlerin. Auf
Anfrage unserer Zeitung will sich Sprecher nicht zu den Vorwürfen äussern.


Ein E-Mail an den «Kassensturz»

Brändle kämpft weiter. Aber auch eine Rechtsberatung bringt nicht das gewünschte Ergebnis. «Vergessen Sie es. Sie müssten viel Geld in die Hand nehmen und am Ende wäre nicht sicher, ob der Rechtsstreit zu Ihren Gunsten ausgeht», habe ihr ein Rechtsanwalt gesagt. Trotz Frust im Bauch lässt sie die Angelegenheit vorerst ruhen. Doch dann betreten Kundinnen und Kunden ihren Laden in Mosnang und fragen nach den Stoffen des anderen Herstellers, weil die doch von Brändle seien. Sie entscheidet sich um und wird erneut aktiv.

Am 26. September schreibt Brändle dem «Kassensturz» ein E-Mail und schildert ihre Situation. Noch am selben Tag kommt die Antwort: «Wir sind sehr an Ihrem Fall interessiert.» Es folgen Filmaufnahmen, am Dienstagabend wurde der Bericht auf SRF ausgestrahlt. Mittlerweile habe sich die Firma bereit erklärt, eine einvernehmliche Lösung anzustreben. Brändle ihrerseits hat einen Rechtsanwalt kontaktiert, der ihre Rechte vertreten wird.


Nationale Bekanntheit dank Olma-Plakat

Jolanda Brändle entdeckte ihre Leidenschaft für Schere und Papier 1998 in einem Scherenschnittkurs der örtlichen Bäuerinnenvereinigung. Ihre ersten Kunstwerke zeigte sie im Jahr 2000 im Bütschwiler Seniorenzentrum Solino und in weiteren Ausstellungen. 2012 erlangte sie nationale Bekanntheit mit der Gestaltung des Olma-Plakates. Der aktuelle Fall mit der Firma Novitex ist für Brändle nicht der erste Konflikt im Zusammenhang mit dem Urheberrecht. «Es sind häufig Vereine, die ohne Einverständnis meine Scherenschnittmuster verwenden», erzählt sie. «Jegliches Verständnis fehlt mir aber, wenn Geschäfte aus wirtschaftlichen Überlegungen meine Ideen stehlen.» Die Künstlerin nennt allerdings auch diverse positive Beispiele: Scherenschnittmotive von ihr sind auf Ledersachen, Fonduegeschirr und vielen anderen Gegenständen zu finden – ganz legal. Auf Anfrage ist sie nämlich bereit, Druckrechte abzugeben. Die Höhe der Entschädigung hänge davon ab, ob die Rechte für ein Jahr, eine bestimmte Kollektion oder anhand der Verkaufszahlen vergeben werden. Um Probleme zu vermeiden, vereinbart sie Verträge nur schriftlich. Wenn eine Firma aber partout keine Beziehung eingehen will, hilft allerdings auch das nicht. Für die Zukunft hofft sie deshalb, dass das Urheberrecht ernst genommen und ihre Scherenschnittideen nicht weiter ungefragt übernommen werden.