Mord im Asylheim Mels: Verdächtiger soll 29-mal mit Messer auf Opfer eingestochen haben – ihm drohen nun 20 Jahre Haft

Vor dem Kreisgericht in Mels hat sich ein längst abgelehnter Asylbewerber wegen Mordes zu verantworten. Er wird beschuldigt, im nahen Asylheim einen Kollegen getötet zu haben – geplant, wortlos und skrupellos.

Reinhold Meier
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Mit 29 Messerstichen soll ein Verdächtiger in der Asylunterkunft in Mels sein Opfer ermordet haben – nun drohen ihm 20 Jahre Haft.

Mit 29 Messerstichen soll ein Verdächtiger in der Asylunterkunft in Mels sein Opfer ermordet haben – nun drohen ihm 20 Jahre Haft.

Bild: Aramyan / iStockphoto

Der 35-jährige Algerier war im Sommer 2017 beim Grillieren am Walensee mit einem Ägypter in Streit geraten. Dabei habe er von jenem einen Faustschlag aufs Ohr erhalten, so die Anklage. Beide kannten sich von der Asylunterkunft in Mels. Der Beschuldigte habe danach einem bekannten «Onkel» in St. Gallen mehrfach von seinen Ohrenschmerzen und Tinnitus erzählt. Vor allem aber davon, dass er den Mann mit einem Messer töten müsse, um seine «Ehre» wiederherzustellen. «Vor allen Leuten, rein, raus, bis zum letzten Atemzug.»

Anfang des folgenden Jahres kaufte er ein Victorinox-Messer mit einer 18-Zentimeter-Klinge und versteckte es beim Melser Bahnhof. Vier Tage später soll er dann, immer laut Anklage, zur Tat geschritten sein. Dazu begab er sich morgens in die Asylunterkunft, um sich kurz zu vergewissern, dass sein Opfer, der Ägypter, im Bett lag. Dann holte er sein Messer aus dem Versteck beim Bahnhof und kehrte ins Heim zurück.

Festnahme nach nur zwölf Minuten

Beim Gruppenschlag stach er ohne ein einziges Wort auf sein Opfer ein. Immer wieder, wie wild geworden, in einem blitzartigen Staccato. Über drei Seiten hinweg hält die Anklageschrift minutiös insgesamt 29 schwere, teils über einen Meter lange Schnitt- und Stichverletzungen fest, die so tief waren, dass sie zahlreiche Muskeln wie Blutbahnen durchtrennten und teils bis auf die Knochen trafen.

Das Opfer versuchte zu flüchten, Mitbewohner eilten zur Hilfe. Vergeblich. Nur 78 Sekunden nach dem Betreten des Hauses, flüchtete der Beschuldigte nach seiner Bluttat aus der Unterkunft. Die Tatwaffe versteckte er rasch beim Melser Werkhof nahe der Seez, später hat sie ein Polizeihund dort erschnuppert. Doch schon zuvor, kaum 12 Minuten nach der Tat, klickten die Handschellen. Die Polizei nahm den noch blutverschmierten Mann beim nahen Glashüttenweg fest. Sein Opfer verstarb trotz mehrerer Notoperationen zwölf Stunden nach der Tat an den zahlreichen Durchtrennungen von Schlagadern sowie an äusserem und innerem Blutverlust, so die Anklage weiter.

Ausschaffung mehrfach gescheitert

Zur lamentablen Vorgeschichte gehört der Umstand, dass der mutmassliche Täter schon vor sieben Jahren illegal in die Schweiz eingereist war. Bereits nach einem halben Jahr war sein Asylantrag rechtskräftig abgelehnt und seine Ausweisung verfügt worden. Doch er blieb. Später kam er ein halbes Jahr in Ausschaffungshaft, konnte aber von dort aus offenbar nicht nach Algerien überstellt werden.

So blieb er weiter illegal im Land. Zwar verliess irgendwann seine Notunterkunft ohne weitere Angaben, wohl um sich nach Norden abzusetzen. Denn ein Jahr später stand er plötzlich wieder vor der Tür, Deutschland überstellte ihn zurück in die Schweiz. Es folgte eine erneute Ausreiseaufforderung. Ohne Erfolg. Zudem erliess das St. Galler Migrationsamt eine Eingrenzung auf die Gemeinde Mels, die ihn nicht scherte.

Mordmerkmale erfüllt?

In der Untersuchungshaft schliesslich soll der Mann mehrfache Sachbeschädigungen begangen haben, Fernseher, Sitzplatz, Zellentür und Fenster seien schwer beschädigt worden, wirft ihm die Anklage vor. Beim Bahnhof Buchs soll er zudem schon früher einer Frau ihren Koffer gestohlen und ferner seit Jahren illegale Drogen konsumiert haben, namentlich Cannabis.

Die Staatsanwaltschaft beantragt denn auch 20 Jahre Haft, ein Strafmass, das man in dieser Höhe am Mels Kreisgericht seit rund zwei Jahrzehnten wohl nicht mehr gesehen hat. Dies, weil sie die Mordmerkmale erfüllt sieht, namentlich das besonders verwerfliche Motiv sowie die besonders verwerfliche Art der Ausführung. Hinzu soll eine 15-jährige Landesverweisung mit Eintrag ins europäische Schengensystem kommen. Straferhöhend wirken die vorgeworfenen Drogendelikte, die Sachbeschädigungen, rechtswidrigen Aufenthalte und der Diebstahl. Der Prozess findet am 21. Oktober im Kreisgericht in Mels statt.

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