Mordspuren führen nach Arbon

Einer der Tatverdächtigen im Tötungsfall von Ganterschwil kommt aus dem Thurgau. Der 50jährige mutmassliche Täter arbeitete in einem Arboner Alters- und Pflegeheim. Das Fluchtfahrzeug, der rote Audi A1, ist ebenfalls auf ihn eingelöst.

Samuel Koch
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Der Tatort in Ganterschwil: Hier soll der 50jährige Arboner zusammen mit einem Komplizen einen Mord verübt haben. (Bild: newspictures/Beat Kälin)

Der Tatort in Ganterschwil: Hier soll der 50jährige Arboner zusammen mit einem Komplizen einen Mord verübt haben. (Bild: newspictures/Beat Kälin)

ARBON. Neue Erkenntnisse und Spuren im Mordfall Ganterschwil kommen ans Licht. Vergangene Woche hatten ein 50jähriger Schweizer und ein 29jähriger Mazedonier im Lochermoos in Ganterschwil einen Mann auf offenem Feld erschossen. Spuren eines der beiden Tatverdächtigen führen in den Kanton Thurgau.

Das Fluchtauto beobachtet

Der 50jährige Schweizer wohnte bis vor kurzem in Arbon. «Mir fiel letztens der rote Audi A1 auf, den ich immer wieder wegfahren sah», schildert ein Anwohner seine Beobachtungen. Er hätte sofort an das von der Polizei gesuchte Auto mit den Thurgauer Nummernschildern gedacht, und die darauffolgenden polizeilichen Überwachungen im Quartier bestätigten ihn. Gekannt habe er den Mann jedoch nicht.

Anders im Café Treffpunkt an der Arboner Hauptstrasse. Die Serviertochter erinnert sich an den 50jährigen Tatverdächtigen, kenne ihn aber ebenfalls nicht sehr gut. Er sei hin und wieder im «Treffpunkt» als Gast ein und aus gegangen. «Er war ein Gast wie jeder andere auch», meint sie.

Tatwaffe weiterhin unauffindbar

Bis im vergangenen Jahr arbeitete der Arboner als Hauswart und Aushilfskoch im Alters- und Pflegeheim der Evangelischen Kirchgemeinde an der Romanshornerstrasse in Arbon – keine zwei Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Der zuständige Heimleiter wollte zu seinem ehemaligen Mitarbeiter keine Stellung nehmen, und auch der Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde, der Trägerin des Alters- und Pflegeheims, ist schockiert und kannte den 50-Jährigen nur flüchtig.

Ein weiteres Puzzleteil im Fall Ganterschwil gibt aber weiterhin Rätsel auf. Von der Tatwaffe fehlt bisher jede Spur, wie die Staatsanwaltschaft St. Gallen auf Anfrage bestätigt. Der Arboner und sein 29jähriger Komplize sitzen zurzeit in Untersuchungshaft. Diese sei vom zuständigen Zwangsmassnahmengericht vorläufig für drei Monate bewilligt worden. «Die Kantonspolizei St. Gallen wertet derzeit sämtliche Spuren aus», sagt Roman Dobler, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen. Zudem würden erste Befragungen der Tatverdächtigen durchgeführt.

Drohungen per SMS

Am vergangenen Mittwochnachmittag wurde ein 36jähriger Slowake, der in Begleitung einer 38jährigen Frau war, auf einem Feldweg im Lochermoos in Ganterschwil offenbar durch Schüsse von zwei Männern getötet (Ausgabe vom 11. September). Die beiden mutmasslichen Täter konnten in der darauffolgenden Nacht nach einer polizeilichen Grossfahndung in Staad SG verhaftet werden. Das Fluchtfahrzeug, das auf den 50-Jährigen eingelöst ist, wurde wenige Stunden später in Goldach gefunden. Jetzt steht das Auto jedenfalls nicht mehr auf dem Parkplatz vor seiner Wohnung in Arbon. Das Schild seines Parkplatzes mit der passenden Autonummer wurde unkenntlich gemacht.

Während die Spuren des einen Tatverdächtigen in den Thurgau führen, gehen Hinweise zum 29jährigen Mazedonier in den Kanton Glarus. Laut «Südostschweiz» soll er der Ex-Freundin des Erschossenen und mit am Tatort anwesenden Frau aufgelauert haben. Die 38jährige Frau soll am Tag vor der Tat ein SMS mit den folgenden Worten erhalten haben: «Nach Arbeitsschluss werdet ihr abgepasst. Ihr habt keine Chance!» Der Mazedonier habe der Frau sogar mit dem Tod ihrer Kinder gedroht.