Monumentalität gesucht

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Jahresthema Das diesjährige Motto der nationalen Denkmalpflege lautet «Macht und Pracht» und ist denkbar «unschweizerisch»: Monumentalbauten gibt es hierzulande nur wenige. Im Vergleich zur europäischen Nachbarschaft hätten das Fehlen einer Monarchie und das weit zurückreichende Demokratieverständnis die Schweizer «bedeutend nüchterner» bauen lassen, hält der St. Galler Denkmalpfleger Michael Niedermann fest. Umso spannender dürften die Ausbeute des Fotowettbewerbs (ab Mai bis Ende Juni) und der öffentliche Anlass mit Führungen zum Thema sein.

Den Bezug zur klösterlichen Herrschaft stellte Kulturchef Martin Klöti an der Versammlung der Denkmalpflege in der Pfalz schon mal her: Er finde es schön, dass Politik in St. Gallen immer noch am Ort früherer Macht gemacht werde, sagte der Regierungsrat. Es sei aber auch gut, dass der Klosterhof in der Ostschweiz das Monumentalste hiesiger Machtinszenierung bedeute, denn was im 20. Jahrhundert von autoritären Regimes gebaut wurde, sei beängstigend.

Die Denkmalpflege würdigt das Thema in ihrem jüngsten Bericht mit einem reichhaltigen Essay von Peter Röllin zu Referenzen von Grösse und Macht im Stadtraum St. Gallen – vom Medici-Wappen am Karlstor bis zu den Prachtbauten der Stickereifirmen. Aktuell von Interesse sind darin der Bahnhofplatz («Das monumentale Gegenüber von Bahnhof und Post ist in dieser Ausformung einmalig») und der Betonbau von Claude Paillard fürs Theater. Wie viel Wert das geschützte Gebäude von 1968 hat, beschäftigt auch die Denkmalpflege und ist demnächst Verhandlungsgegenstand der politischen Machtverhältnisse, wie sich diese Woche gezeigt hat. (mel)