Montag oder doch erst Dienstag? Hin und Her um die Öffnung der deutschen Grenze für Einkaufstouristen – Innenministerium schafft Klarheit

Dürfen Schweizer nun am Montag wieder nach Deutschland einkaufen gehen oder nicht? Dazu gab es am Wochenende erneut verwirrende Signale. Bis sich das deutsche Innenministerium einschaltete.

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Ab Montag ist der Kreuzlinger Autobahnzoll auch für Einkaufstouristen wieder offen.

Ab Montag ist der Kreuzlinger Autobahnzoll auch für Einkaufstouristen wieder offen.

Bild: Reto Martin

Am Montag öffnet die Schweiz ihre Grenzen zu Deutschland, Österreich und Frankreich wieder vollständig. Ob das auf deutscher Seite zeitgleich geschieht, darüber entstand in den vergangenen Tagen Verwirrung. Es war unklar, ob beispielsweise Einkaufstouristen bereits am Montag, 15. Juni wieder nach Deutschland einreisen dürfen oder erst am Dienstag, 16. Juni.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Bundespolizei Baden-Württemberg getwittert, die vorübergehenden Grenzkontrollen würden «mit Ablauf des 15. Juni» beendet. Verlinkt war dabei eine Stellungnahme des deutschen Innenministeriums, in der es allerdings hiess, die Kontrollen würden «zum 15. Juni» aufgehoben.

Heute Nacht geschieht's

In verschiedenen Medien kursierte am Samstag ein Zitat einer Pressesprecherin des Hauptzollamts Lörrach: Sie gehe davon aus, dass Einkaufstouristen am Montag noch an der Grenze abgewiesen würden. Schliesslich schaltete sich am Samstagnachmittag dann aber der Sprecher des deutschen Innenministers Horst Seehofer auf Twitter ein: Auf Anweisung von Seehofer werde die Bundespolizei «die Grenzkontrollen an den Binnengrenzen zum 14.6.2020, 24 Uhr praktisch einstellen». Das heisst, in der Nacht von Sonntag auf Montag. Damit sollte dem Einkauf ennet der Grenze am Montag also nichts mehr im Weg stehen.

Erleichterung bei deutsche Händlern

Die bevorstehende vollständige Öffnung der Grenze Baden-Württembergs zur Schweiz sieht die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee für die Händler als «das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels». Ihr Hauptgeschäftsführer Claudius Marx teilte am Sonntag in Konstanz mit:

«Wir freuen uns sehr auf und über diesen Moment.»

Kunden aus der Schweiz könnten nun wieder ungehindert im Südwesten einkaufen, einkehren und auch länger verweilen. Wegen der coronabedingten weitgehenden Schliessung der deutschen Grenzen hatten Schweizer nicht mehr so einfach im Südwesten einkaufen können. Für die Händler in der Region bedeutete das enorme Verluste.

Ein Drittel der Kunden kommt aus der Schweiz

Kunden aus der Schweiz machen nach Marx' Angaben im Schnitt ein Drittel, in einzelnen Branchen bis zu zwei Drittel der Kundschaft aus. Etwa 1,5 Milliarden Euro fliessen ihm zufolge jährlich in die Region. Wie hoch sich der Schaden am Ende der Corona-Pandemie aufsummieren wird und ob und wie viele Insolvenzen es bis dahin geben wird, sei momentan schwer absehbar.

Weniger Freude an der Grenzöffnung haben derweil die Detailhändler in der Schweiz. Wie die «Sonntagszeitung» berichtet, lanciert beispielsweise der Discounter Aldi Preissenkungen von bis zu 33 Prozent. «Wir wollen dem Einkaufstourismus entgegenwirken», sagte Aldi-Suisse-Chef Timo Schuster gegenüber der Zeitung. Auch Lidl plane Rabatt-Aktionen in grenznahen Filialen. Detailhandelsexperten beim Verband Swiss Retail Federation und bei der Credit Suisse gehen jedoch davon aus, dass der Einkaufstourismus bald wieder sein altes Niveau erreichen wird. (av/dpa/lsw)