Mörschwil, Moskau, Mannenweier

Sarah Hauser hat nicht nur ihren Beruf, sondern ihre Berufung gefunden. Seit Oktober leitet sie die Koordinationsstelle für Aussenbeziehungen des Kantons St. Gallen. Und zwar «mit Herz und Seele», wie sie lachend sagt.

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Sarah Hauser in ihrem Büro – mit Dossiers, Kunstpostkarten und russischem Werbeplakat. (Bild: Urs Jaudas)

Sarah Hauser in ihrem Büro – mit Dossiers, Kunstpostkarten und russischem Werbeplakat. (Bild: Urs Jaudas)

Sarah Hauser hat nicht nur ihren Beruf, sondern ihre Berufung gefunden. Seit Oktober leitet sie die Koordinationsstelle für Aussenbeziehungen des Kantons St. Gallen. Und zwar «mit Herz und Seele», wie sie lachend sagt. Auch wenn ihre Leidenschaft der russischen Literatur und Kultur gehört – und der Kultur und Philosophie allgemein, den «ganzen schöngeistigen Dingen». In ihrem Beruf könne sie das alles vereinen.

Zwischen Brüssel und Bodensee

Sarah Hauser ist vielseitig interessiert. Das muss sie sein bei den zahlreichen Aufgaben, die sie jeden Tag zu bewältigen hat. So schnell wie sie spricht, arbeitet sie auch, quirlig und rasch, gleichzeitig an verschiedenen Dossiers, in verschiedenen Gremien, Ländern und Kantonen – und doch hat sie immer alles im Überblick.

Heute im Büro in der Staatskanzlei am St. Galler Klosterplatz, morgen in Brüssel in der bayrischen Vertretung an einem Diskussionsabend der Arge Alp über «Strategien für den Alpenraum». Übermorgen Koordinationsgespräche mit der Internationalen Bodenseekonferenz IBK in St. Gallen. Parallel bereitet sie das Zürcher Treffen der Ostschweizer Regierungskonferenz mit der Generaldirektion der SRG vor. «Meine vielen Chefs machen die Arbeit interessant», sagt Sarah Hauser, «doch muss ich immer wissen, welche Rolle ich gerade innehabe.»

Ihr Job sei gar nicht so einfach zu erklären. «Kollegen fragen mich gerne, ob ich die Aussenbeziehungen zu Appenzell Ausserrhoden koordiniere», lacht die 35-Jährige, die manchmal beim Einkaufen von Alkoholika im Supermarkt immer noch den Ausweis vorzeigen muss. Hauser koordiniert die Aussenbeziehungen des Kantons St. Gallen auf drei Ebenen: interkantonal, grenzüberschreitend, international. Interkantonal heisst, dass sie im Rahmen der Konferenz der Kantonsregierungen Vernehmlassungen koordiniert sowie die Interessenvertretung der Ostschweizer Kantone in Bern inhaltlich vorbereitet. Grenzüberschreitend koordiniert sie mit den Anrainerländern im Rahmen der IBK Projekte in Exekutive und Verwaltung, wie gemeinsame Lösungen beim Verkehr oder der Umwelt gefunden werden. International koordiniert sie unter anderem die Zusammenarbeit mit den Partnerregionen des Kantons St. Gallen in Osteuropa. «Es ist eine sehr vielseitige Arbeit, für die man ein grosses Netzwerk braucht», sagt Sarah Hauser. Das konnte sich die Mörschwilerin aufbauen. Seit dem Abschluss ihres Studiums in Russistik, Politikwissenschaften und Kulturphilosophie in Freiburg arbeitet Hauser bei der Koordinationsstelle für Aussenbeziehungen. Zuerst als Mitarbeiterin, 2006 wurde sie stellvertretende Leiterin und jetzt Leiterin. Parallel erwarb sie 2007 einen Master in Business Law an der HSG.

Bratwurst, Couture, Literatur

«Meine Stelle ist ein Glücksgriff», sagt Sarah Hauser. Von der Ostschweiz aus europaweit agieren zu können, das geniesst sie. «Unsere Bratwurst ist die Beste, unsere Haute Couture von Akris die Schönste.» Zu Hause sei sie eindeutig in der Ostschweiz, doch sie sei auch gerne unterwegs. So muss sie jedes Jahr kurz in das Pariser Lebensgefühl eintauchen.

Und immer wieder lockt Russland. Schon als Mädchen las sie sich durch die russische Literatur des elterlichen Bücherregals («vielleicht hat meine Mutter während der Schwangerschaft viel Tschaikowsky gehört»), als Studentin besuchte sie regelmässig Sommerkurse zwischen Moskau und Irkutsk. Und bei minus 20 Grad in einer Troika unterwegs durch St. Petersburg – da fühlt sich Sarah Hauser wie Anna Karenina. Am wohlsten aber ist ihr auf einer Bank auf Drei Weieren, weiter Blick über Land und See – die Heimat zu Füssen und die Seele in der Welt zu Haus. Julia Nehmiz