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MÖBELMARKT: Die Einkaufstouristen kommen zurück

Seit dem Sinkflug des Euro herrscht in der Schweizer Möbelbranche ein Preiskampf um den immer kleineren Kuchen. Doch der Eurokurs steigt. Nun ist die Talsohle erreicht, hoffen die Ostschweizer Möbelhändler.
Kaspar Enz
Die Schweizer geben jeden vierten Franken für Möbel bei Ikea aus. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

Die Schweizer geben jeden vierten Franken für Möbel bei Ikea aus. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

«Crazy prices» verspricht die Coop-Tochter Toptip. Jysk wirbt mit 30 Prozent auf Lattenroste und Pfister mit 15 Prozent auf Tische und das Drumherum: «Rabatt, Rabatt, Rabatt», beschreibt Kurt Frischknecht die Mentalität im Schweizer Möbelmarkt. «Der Handel ist deshalb auch etwas selber schuld, dass die Kunden so auf den Preis schauen», meint der Geschäftsführer des Verbands Möbel Schweiz.

«Ein Rabatt von zehn Prozent auf 100 Franken sieht scheinbar besser aus als 80 Franken», sagt auch Markus Gandola. Auf den Zug aufspringen will der Geschäftsführer des Möbelhauses Schnetzer in Gossau nicht. Er will gute Leistungen für faire Preise bieten, konstant. «Es soll keine Rolle spielen, ob jemand heute einkauft oder morgen.» Doch die Rabattwelle im Möbelhandel geht wohl weiter: Der österreichische Möbelriese XXXLutz ist bekannt dafür, und er will in die Schweiz. Ein Standort in Rothrist soll der Grundstein für ein Schweizer Filialnetz sein. Chancen habe der Neuankömmling durchaus, glaubt Kurt Frischknecht. «Mit vier bis fünf Standorten kann der schnell 200 bis 300 Millionen umsetzen.»

Der Kuchen wird kleiner

Ein grosser Brocken in einem Markt, der in den letzten Jahren immer kleiner wurde. Mit den sinkenden Eurokursen schauten sich die Schweizer immer mehr jenseits der Grenze nach Möbeln um. Im Inland tobte bald ein Preiskampf. Wehren müssen sich die herkömmlichen Anbieter nicht nur gegen die Möbelhäuser jenseits der Grenze. Der Onlinehandel macht zwar erst sechs Prozent des Marktes aus. «Aber die Grossen, von Amazon bis Beliani, investieren», sagt Kurt Frischknecht. Gerade für kleinere und mittelgrosse Möbelhändler werde der Kuchen immer ­kleiner. Bereits kontrollieren die zehn grössten der Branche, allen voran Ikea, vier Fünftel des Marktes. Ein Trend, der sich fortsetzt, auch wenn viele der Grossen Umsatzrückgänge verzeichnen. «Wir haben zum Teil mit Konkurrenz zu kämpfen, die es sich leisten kann, nicht zu rentieren», sagt Markus Gadola. «Sie können auch Millionen in Werbung investieren.»

Der Herausforderung stellen sich die Ostschweizer Möbelhändler auf unterschiedliche Weise. So wirkten die Grossen zwar mächtig. «Aber sie sind eher im günstigen Segment und bieten sel­ten gute Beratung», sagt Markus ­Gadola. Auf die persönliche Dienstleistung setzt auch das ­Möbelhaus Gamma in Wil. Zwar komme es vor, dass Kunden im Möbelhaus die Sessel ausprobieren, um sie dann günstig online zu bestellen. «Aber die Mehrheit unserer Kundschaft schätzt die Kompetenz und belohnt sie mit einem Kauf», sagt Geschäftsleiter Charly Gamma. Zumal er auf Premiummarken setzt, die online kaum zu bekommen sind. «Manche Produkte sind bei Planung und Montage komplex.» Gerade wenn es um die Konzeption ganzer Einrichtungen gehe, auch beim Kunden zu Hause. «Diese Dienstleistungen sind kaum online zu haben.»

Günstiger als in Feldkirch

David Meier setzt auf Trans­parenz. Wegen der Preise, sagt der Geschäftsführer des Möbelmarkts Meier, brauche man nicht ins Vorarlberg zu fahren. Und zeigt Möbel, die bei ihm in Wittenbach deutlich günstiger sind als bei XXXLutz in Feldkirch oder Bregenz. «Jede Preisliste kann man herunterladen. Jedes Produkt ist auf der Homepage abgebildet. So sind wir vergleichbar.» Wer mit solchen Preisen punkten will, muss spitz kalkulieren. «Unsere Ausstellung ist nicht so schön wie anderswo», gibt Meier zu. Auf der Fläche, auf der andere eine Polstergruppe ins beste Licht rücken, stehen bei ihm zwei. Das spart Platz. Auch dass man mit einem deutschen Einkaufsnetzwerk zusammenarbeite, helfe. Die Strategie scheint zu fruchten. «Wir haben nichts zu jammern.»

Doch nicht nur in Wittenbach sind die Preise konkurrenzfähig. «Auch die Preise grosser Labels haben sich in der Schweiz dem internationalen Markt angepasst», sagt Charly Gamma. Das bestätigt man auch beim Verband. Bis die Kunden das aber merken, könnte es noch eine Weile dauern, sagt Kurt Frischknecht. Und der Einkaufstourismus stagniere zwar, aber auf hohem Niveau – rund 800 Millionen Franken geben Schweizer im Ausland für Möbel aus. Trotzdem schöpfen Ostschweizer Möbelhändler Hoffnung. «Die Kunden kommen langsam zurück», sagt Markus Gadola. «Die Grossen an der Grenze machten letztes Jahr Umsatzverluste.»

Leichter als Ikea

Markus Fust nimmt es derweil mit dem Onlinehandel, dem Einkaufstourismus und Ikea gleichzeitig auf. Seit einem Jahr testet die Wiler Schreinerei Fust das Regalsystem Ecoleo. Nun ist die definitive Website online. Hier kann der Kunde sich ein Gestell aus Quadern zusammenstellen, Farben, Türen und die Form wählen. «Man kann auch um die Ecke bauen», sagt Fust. Zu Hause lässt sich das Gestell zusammenstecken, «ganz ohne Werkzeug». Und der Preis, ist Fust stolz, kann mit ausländischen Anbietern mithalten. «Und das in Schreinerqualität. Möglich ist das, weil wir Planung, Bestellung und Montage sparen. Der Kunde macht das ja selber.» Und die Produktion der Bauteile ist stark automatisiert. Im Möbelmarkt finde zwar eine Strukturbereinigung statt, sagt Markus Fust. «Aber mit Innovationen kann man immer noch Erfolg haben.»

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