Interview

Moderator Reto Scherrer: «Mein Traum war es immer, vom Restaurant aus eine Radiosendung auszustrahlen»

Ex-«Samschtig-Jass»-Moderator Reto Scherrer wechselte per Anfang Jahr vom SRF zu Blick TV. Der Thurgauer bleibt im Herzen aber ein «Radiomacher».

Desirée Müller
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Blick-TV-Moderator Reto Scherrer ist glücklich in seinem neuen Job

Blick-TV-Moderator Reto Scherrer ist glücklich in seinem neuen Job

Bild: PD

Vom Praktikanten beim Lokalradio zum SRF-Moderator und neu Blick-TV-«Senior-Moderator». Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Reto Scherrer: Um sein Ziel zu erreichen, braucht es drei Dinge: Herzblut, Leidenschaft und Ausdauer. Verbindet man diese drei Komponenten, kann nichts schiefgehen. Ob es Talent braucht, weiss ich nicht. Das beste Beispiel ist die Familie Knie. Es kann ja fast nicht sein, dass seit Generationen all ihre Kinder mit einem Talent für die Manege zur Welt kommen. Auch diese müssen hart arbeiten.

Wie war Ihr erster Arbeitstag in der Medienwelt?

Nach dem KV und der RS bot sich mir die Chance auf ein Praktikum beim damaligen Radio Thurgau. Und wissen Sie, wer am gleichen Tag wie ich das Praktikum begann? Mona Vetsch! Nach sechs Monaten bekamen wir beide eine Festanstellung und verbrachten sozusagen unsere Jugendjahre im Radiostudio in Frauenfeld.

Anfangs sah es so aus, als ob auch Sie irgendwann «Beizer» werden wie Ihre Eltern.

Ich wollte immer schon zum Radio. Meine Eltern meinten aber, ich müsse zuerst eine «richtige» Ausbildung machen. Diese absolvierte ich im Hotel Thurgauerhof in Weinfelden. Jahre später merkte ich aber, dass die Arbeit an der Hotelrezeption einiges mit dem Radiomachen gemeinsam hat. Bei beiden Berufen ist man ein Dienstleister. Man möchte den Gästen oder eben den Zuschauern, beziehungsweise den Zuhörerinnen und Zuhörern eine schöne Zeit ermöglichen und ihnen Freude bereiten.

Welche war oder ist die spannendste Person, die Sie in Ihrer Laufbahn kennen gelernt haben?

Mit grossem Abstand Frau Burkhardt. Während meiner Zeit beim Radio Top rief ich die Seniorin im Altersheim täglich an. Bis zum Schluss wusste sie nicht, dass unsere Gespräche im Radio übertragen wurden. Nach zehn Jahren, an meinem letzten Arbeitstag, habe ich sie dann das erste Mal getroffen. Sie öffnete mir den Blick in das Leben alter Menschen. Ich besuchte sie bis zu ihrem Tod oft mit meiner Familie.

Sie sind seit Anfang Jahr Moderator bei Blick TV. Wie war der Abschied von den SRF- Kolleginnen und -Kollegen?

Der Abschied tat sehr weh, da wir ein super Team waren. Es ist wie überall: Mit Menschen, die man gerne hat und mit denen man befreundet ist, bleibt man auch nach dem Jobwechsel in Kontakt. Mit Mona Vetsch und Roman Kilchsperger zum Beispiel werde ich immer in Verbindung bleiben.

Wie war Ihr erster Arbeitstag bei Blick TV?

Ich entscheide innerhalb von Sekunden, ob etwas gut für mich ist, oder nicht. Sagt mir die Umgebung zu, wie riecht es, wie ist mein erster Eindruck vom Team? Als ich das Gebäude betrat, wusste ich: Es kommt gut. Erst sechs Wochen später gingen wir auf Sendung. Die Zeit war aber nötig, um mich einzuleben.

Wie sieht Ihr Redaktionsalltag während der Coronakrise aus?

Zwei Wochen nach dem wir auf Sendung waren, machte es «Bum» und das Thema Corona stand im Mittelpunkt. Das Virus dominiert auch meinen Alltag. Viele machen Homeoffice, doch als Moderator muss ich im Studio sein. Wir sind mittlerweile eine eingeschworene kleine Truppe. Es gibt zwei Moderatorenteams. Nach Schichtende verlässt man das Gebäude durch einen separaten Ausgang. Wir sehen das andere Team also nie. Nach der Sendung wird das Studio gesperrt und gründlich gereinigt. Es gelten auch bei uns höchste Sicherheitsmassnahmen.

Beim SRF standen Ihnen wohl noch viele Möglichkeiten offen. Fühlen Sie sich bei Blick TV nicht etwas eingeschränkt?

Nach der No-Billag-Abstimmung ist es schwierig geworden, neue Sendungen beim SRF aufzugleisen. Mit Blick TV hat Ringier etwas gewagt, und das gefällt mir. Natürlich sind auch bei uns die Werbeeinnahmen eingebrochen. Doch die Bereitschaft der Chefs ist da, sich neue Ideen anzuhören. Ich sehe somit meine Zukunft durchaus hier.

Das Thema Gastronomie ist für Sie ganz abgeschlossen?

Reto ohne Medien, das geht einfach nicht. Reto ohne die Gastronomie ist jedoch auch nicht möglich. Ich plane grundsätzlich nie. Daher mache ich mir auch heute keine Gedanken über meine berufliche Zukunft. Doch irgendwann kann ich mir einen guten Mittelweg vorstellen. Mein Traum als Bub war es immer, vom Restaurant Rebe meiner Eltern aus eine Radiosendung auszustrahlen. Diese wäre nur in der nächsten Umgebung zu empfangen. Ich habe mich sogar beim Bundesamt für Kommunikation über die Möglichkeiten informiert. Vielleicht, wenn die Kinder älter sind...

Sind Ihre Kinder auch schon so wortgewandt wie Sie?

Die drei sind sehr unterschiedlich. Doch sie reden in der Tat alle sehr viel. Sie sind eigentlich immer am «schwätzen». Sie sind auch frech, wissen aber genau, wann es ernst ist. Bei uns ist es eigentlich immer lustig, nur dann nicht, wenn es eben ernst ist.

Reto Scherrer

Die Gastronomie liegt dem dreifachen Familienvater im Blut: Der 44-jährige Weinfelder wuchs als Sohn eines Wirtepaares auf. Trotzdem entschied sich Reto Scherrer für eine Karriere beim Radio und Fernsehen. Man kennt ihn aus Formaten wie Samschtig-Jass oder als Stimme bei Radio SRF. Seit Januar ist der Thurgauer nun das Gesicht von Blick TV.

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