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MODE: «Eine gute Hose am Födle»

Der St. Galler Sozialpädagoge Daniel Manser näht in seiner Küche seit über 30 Jahren Hosen mit ­Knittereffekt. Namhafte Designer loben seine Schnitte – und in der Modeszene stellen sich erste Erfolge ein.
Melissa Müller
Nähen sei wie verlieben, sagt Daniel Manser: «Ich bin völlig fixiert.» (Bilder: Benjamin Manser)

Nähen sei wie verlieben, sagt Daniel Manser: «Ich bin völlig fixiert.» (Bilder: Benjamin Manser)

Melissa Müller

Daniel Manser legt die Stirn in Falten über seiner schwarzen Hornbrille, fädelt eine Nadel ein und näht flink einen Knopf an die Lederhosenleiste. Auf dem Sofa türmen sich Stoffreste, der Stubenteppich ist mit Schnittmustern, Scheren und Büchern übersät; auf dem Küchentisch thront eine Nähmaschine. Sein Hobby wächst ihm langsam über den Kopf. «Das ist kein Zustand, ich kann keine Gäste mehr einladen, muss mir ein Atelier suchen.» Nächtelang näht der 54-Jährige in seiner St. Galler Wohnung an der Berneggstrasse Hosen aus Segeltuch oder Leder.

Lange war die Hosenmache­rei seine private Passion. Schon seit 30 Jahren macht sich der Sozialpädagoge seine Hosen selber, weil er die meisten Männerhosen ab Stange öde findet. Jetzt stellen sich erste Erfolge in der Modeszene ein. Seit kurzem hängt eine Kreation Mansers in der Boutique Roma. Mode­designerin Ida Gut und Textildesigner Martin Leuthold sind bereits auf den Autodidakten aufmerksam geworden und zollten ihm Respekt für seine japanisch inspirierten Schnitte.

An der Offa auf den Hosen sitzengeblieben

An der Offa betrieb er einen Stand und blieb auf den avant­gardistischen Stücken sitzen. «Schön, aber zu teuer», sagten viele, die nicht bereit sind, 600 Franken für eine Stoffhose und 1200 Franken für eine Leder­hose auszugeben. Eine Zickzacknaht ziert das Innenfutter seiner Unikate, «ein Profi würde es anders machen», aber er strebe nicht das Konventionelle an. Die Stoffe färbt er daheim in der Badewanne ein. Er mag Knitter: «Unsere Welt ist schon genug glattgebügelt», sagt der 1,86-Meter-Mann, der, wie viele Künstler, Modemacher und Architekten, von Kopf bis Fuss in Schwarz gehüllt ist.

Das butterweiche Pferde- und Rindsleder bezieht er aus Italien. Er mag den Widerstand des ar­chaischen Materials, das schon Ötzi trug, das Ziehen und Stossen, auch wenn davon die Fingerbeeren wund werden. Und es gefällt ihm, wenn er ein Resultat sieht. «Das ist bei der Arbeit mit Menschen oft schwieriger», sagt der Gruppenleiter im Internat an der Sprachheilschule in St. Gallen. Davor hat er schon als Konditor, Taxichauffeur, Fliessbandarbeiter, Holzfäller und Kellner gearbeitet.

Ein Katzenkopf aus Giess­keramik starrt von der Stubenwand auf zehn Gitarren. Daneben zieht ein grossformatiges Gemälde eines menschlichen Herzens, von Daniel Manser selbstgemalt, den Blick auf sich. Bis vor zehn Jahren war er Kunstmaler. Mit den Hosen sei er aber schon jetzt kommerziell erfolgreicher. «Eine gute Hose am Födle ist halt wichtiger als ein Bild an der Wand.»

Schon als Kind begeisterte er sich für Mode. Aus Stoffresten, die er auf dem Estrich fand, nähte er auf Mutters Nähmaschine Kleider zusammen. Mit 16 kaufte er sich eine rote Hose. Allerdings wagte er sich damit in seiner Heimat, dem konservativen Appenzell, nicht auf die Strasse.

Geliebter Geruch aus der Kindheit

Sein Label taufte er Terpentin. Er liebe diesen Geruch, der ihm seit der Kindheit vertraut ist. Sein Vater Albert Manser war ein berühmter Bauernmaler, immer roch es zu Hause nach Terpentin. Manchmal erzählte Daniel Manser dem Vater nach der Schule stolz, dass er die Note 6 erhalten habe. Doch der Vater hörte kaum zu; er war zu vertieft in die Planung eines Bildes. «Heute kann ich das verstehen», sagt Daniel Manser. Auch er liege oft stundenlang auf dem Sofa und denke über Schnittmuster nach, «das absorbiert mich total, ich gehe schwanger mit Ideen und bekomme davon fast autistische Züge».

Obschon der Hosenmacher nicht auf Bauernmalerei steht, anerkennt er: «Mein Vater hatte Sinn für Farbe. Und ein bisschen Bappe schwingt in meinen Hosen mit.» Der Junior bevorzugt gedeckte Farben wie Aschgrau, Graugrün und Ocker.

Bislang kauften Bekannte seine Beinkleider. Dass dies nun auch andere tun, erfüllt ihn mit Stolz. Kürzlich liess sich ein Architekt bei ihm eine Hose schneidern und schenkte dem Urheber dazu noch eine Flasche Rotwein.

Modeshow von «Iigfädlet»

An der Modeshow der Finissage von «Iigfädlet» im Zeughaus Teufen (29. Oktober, 14–16 Uhr) defilieren Models in Terpentin-Hosen über den Laufsteg.

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