Mittel des Schänders zeigen

Der Prozess gegen einen Kinderschänder muss vom St. Galler Kantonsgericht neu aufgerollt werden. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde des Verurteilten teilweise gutgeheissen.

Urs-Peter Inderbitzin
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Das Kantonsgericht hatte den 53jährigen Schweizer im Juni 2009 wegen mehrfacher Vergewaltigung, Inzest, mehrfacher sexueller Nötigung und mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Das Kreisgericht-Werdenberg hatte den Kinderschänder zuvor zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Tochter «zur Verfügung gestellt»

Das Kantonsgericht hatte es als erwiesen erachtet, dass der Mann von 1990 bis 1993 seine Tochter und deren Freundin sexuell missbraucht hatte.

Die Reduktion der Strafe erfolgte, weil der Zeitpunkt der Taten nicht genau rekonstruiert werden konnten und diese teilweise bereits verjährt waren.

Die regelmässigen, teilweise wöchentlichen Vergewaltigungen und sexuellen Missbräuche gipfelten darin, dass der Vater seine zehnjährige Tochter und deren gleichaltrigen Freundin im Frühjahr 1993 zwei Männern zum Geschlechtsverkehr zur Verfügung stellte.

Die beiden Mädchen wurden in einen Keller in Sargans gebracht und dort gefesselt auf einer Matratze liegend vergewaltigt. Während des erzwungenen Geschlechtsverkehrs hätten sich die Männer über die Angst der Mädchen lustig gemacht. Einer der Täter soll dabei gesagt haben: «Jöh, schau mal, wie die grossen Augen vor Angst zittern.»

Mittel der Gewalt aufzeigen

Vor Bundesgericht warf der Kinderschänder den St. Galler Behörden Verfahrensfehler vor. Ausserdem verstosse seine Verurteilung in verschiedener Hinsicht gegen Bundesrecht und die Europäische Menschenrechtskonvention EMRK. Das Bundesgericht hat seine Rügen weitgehend abgewiesen. Trotzdem muss die St. Galler Justiz den Fall noch einmal beurteilen.

Bei der Verurteilung wegen sexueller Nötigung hatte es das Kantonsgericht unterlassen darzulegen, welche Mittel der Kinderschänder konkret bei der Nötigung angewendet hatte. Der allgemeine Hinweis, der Mann habe psychischen Druck und Gewalt angewendet, genügt laut Bundesgericht nicht.

Das Kantonsgericht muss dies nachholen und in seinem Urteil aufzeigen, worin die Gewalt bzw. der psychische Druck bestand und in welchen Handlungen es diese Elemente erblicke.