MITSPRACHE: Die St.Galler haben mehr zu sagen

Im Bistum Chur steht die Wahl eines neuen Bischofs an. Anders als im Bistum St.Gallen hat das Wahlgremium bei der Zusammenstellung der Kandidatenliste nichts zu melden.

Silvan Lüchinger
Merken
Drucken
Teilen
Der Churer Bischof Vitus Huonder, gewählt 2007. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Der Churer Bischof Vitus Huonder, gewählt 2007. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch

Im August 2024 – sofern er dann überhaupt noch im Amt ist – wird der St.Galler Bischof Markus Büchel dem Papst seine Demission einreichen. So, wie es dieser Tage sein Churer Amtskollege Vitus Huonder mit Vollendung seines 75. Lebensjahres getan hat. Das Prozedere der Nachfolgeregelung, das damit eingeleitet wird, kennt allerdings gewichtige Unterschiede.

Der Nachfolger von Vitus Huonder kann aus einer anderen Diözese als dem Bistum Chur kommen; auch die Wahl eines Ausländers ist nicht ausgeschlossen. Der nächste St.Galler Bischof hingegen – es wird erst der zwölfte sein, während Huonder fast 90 Amtsvorgänger hat – muss aus dem Bistum selber stammen und dort auch einige Jahre gewirkt haben. Sei dies in der Seelsorge, im Lehramt oder in der Bistumsverwaltung. Zudem darf er, anders als in Chur, nicht Ordenspriester sein.

Domkapitel St.Gallen stellt Liste selber zusammen

Wichtiger sind allerdings die unterschiedlichen Mitwirkungsrechte. Für Chur wird jetzt der Apostolische Nuntius (Botschafter) in Bern, der Amerikaner ­Thomas E. Gullickson, die Suche nach Kandidaten aufnehmen. Mit wem er dabei spricht, ist seine Sache. Als Ergebnis der Konsultationen wird Gullickson in Rom einen Dreiervorschlag ­präsentieren. Bevor dieser zum Papst geht, kann ihn die Bischofskongregation verändern oder erweitern. Ist die Kandidatenliste auch vom Papst abgesegnet, wählen die 24 Churer Domherren dar­aus den neuen Bischof. Wann das sein wird, hängt stark von Gullicksons Vorankommen bei der Kandidatensuche ab.

Die St.Galler haben bei der Wahl eines neuen Bischhofs wesentlich mehr mitzureden. Hier stellt das Domkapitel selber eine Sechserliste zusammen. Anlässlich der letzten Wahl 2006 waren auch die Gläubigen aufgefordert worden, Vorschläge einzureichen. Dabei wurden rund 40 Namen genannt.

In der Folge prüft Rom die Wählbarkeit der Vorgeschlagenen und gibt die Liste frei. Jetzt erfolgt nicht etwa die Wahl, sondern die Sechserliste geht ans Katholische Kollegium, das Parlament der St.Galler Katholiken. Dieses kann maximal drei der Vorgeschlagenen als «minder genehm» bezeichnen und von der Kandidatenliste streichen. Erst jetzt treten die 13 Mitglieder des Domkapitels zur eigentlichen ­Bischofswahl zusammen.

Proteste nach der Bischofswahl 1995

Bis zur Wahl von Markus Büchels Vorgänger Ivo Fürer war es üblich, dass der Name des neuen Bischofs unmittelbar nach der Wahl bekanntgegeben wurde. Der ­damalige Papst Johannes Paul II. nahm dann aber in Anspruch, die Wahl noch vorher zu bestätigen. Im Bistum St.Gallen löste das Unverständnis und teils heftigen Protest aus.

Ein mit St.Gallen vergleichbares Mitsprache- und Mit­wirkungsrecht bei der Wahl des Diözesanbischofs kennt in der Schweiz lediglich das Bistum Basel. Auch die Auswahlmöglichkeit des Churer Domkapitels ist letztlich ein Privileg. Für die überwiegende Mehrzahl der Bistümer weltweit steht das Wahlrecht dem Papst zu. .