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Mit zwei Franken Leben retten

ST.GALLEN. Millionen von Menschen in Kenia, Somalia und Äthiopien droht der Hungertod. Mit Lebensmitteln und Medikamenten hilft der St. Galler Arzt Daniel Meyer mit seinem Projekt «Fousa» den Bewohnern rund um das kenianische Dorf Ulu.
Nina Rudnicki
Lebensrettender Einsatz: Der St. Galler Arzt Daniel Meyer operiert in Kenia einen Dorfbewohner. (Bild: zVg)

Lebensrettender Einsatz: Der St. Galler Arzt Daniel Meyer operiert in Kenia einen Dorfbewohner. (Bild: zVg)

St. Gallen. «Als erste sterben während einer Hungersnot die Kinder», sagt Daniel Meyer, Oberarzt am St. Galler Kantonsspital und Leiter des Hilfsprojektes «Fousa» in Kenia. In den ärmeren Gebieten Kenias rangierten die Kinder meist an zweiter Stelle – nach ihren Eltern und den Erwachsenen. Das sei nicht aussergewöhnlich, denn in einer Familie mit zehn Kindern hätten diese nicht den gleichen Stellenwert wie heutzutage in Europa.

Fünffache Lebensmittelpreise

Vor allem die Kinder sind es, die Daniel Meyer an Kenia binden. Seit seinem ersten Einsatz im Jahr 2001 reist der Arzt mehrmals jährlich in das Dorf Ulu, um den Bewohnern an Ort zu helfen. Immer wieder hat er Erlebnisse, die ihn motivieren, weiterzumachen. «Einem an Typhus erkrankten Buben, der bereits im Koma lag, konnte ich das Leben retten, indem ich für zwei Franken das notwendige Antibiotikum kaufte», sagt der 36-Jährige. «Für uns ist das kaum vorstellbar, aber die Dorfbewohner können sich einen solchen Betrag nicht leisten – schon gar nicht während einer Hungersnot.»

Weil die letzten zwei Regenzeiten ausblieben und als Folge davon die Ernten ausfielen, sind die Lebensmittelpreise in die Höhe geschossen. Kostete ein Sack Mais, der für eine Grossfamilie gerade mal für zwei Wochen reicht, vor zwei Monaten noch zehn Franken, sind die Preise laut Meyer mittlerweile um das Fünffache angestiegen. Dass auf die Menschen in Ulu eine Katastrophe zukomme, sei absehbar. Viele Menschen litten bereits an Mangelerscheinungen und seien dadurch auch für Krankheiten anfällig. «Die häufigsten sind Infektionskrankheiten wie Malaria, Lungenentzündungen, Typhus und Wurm- oder Pilzbefall. Ein daran erkrankter Säugling stirbt fast immer», sagt er.

In abgelegenen Gebieten helfen

Die Menschen in der Region um Ulu gehören dem Stamm der Kambas an, einem Nachbarstamm der Massai, der sich hauptsächlich von Mais und Bohnen ernährt. Die Dürre lässt aber nicht nur die Saaten eingehen. Wenn kein Gras mehr wächst, sterben auch die Kühe. Diese sind die Hauptnahrung der Massai, die sich vor allem von Milch mit Blut gemischt und Kuhfleisch ernähren. In Dürreperioden kauft Meyer deshalb mit den Spendengeldern des Hilfsprojekts «Fousa» Lebensmittel ein, die Helfer vor Ort fahren in die abgelegenen Gebiete, um sie dort zu verteilen.

«In den Dörfern leben viele Aids-Waisen und alte Leute», sagt er, «Die meisten von ihnen können nicht lesen und erfahren deshalb nicht, wo die Lebensmittel abgegeben werden.» Indem die Helfer zu den Menschen fahren, könne er sicher sein, dass die Hilfsgüter direkt an diejenigen Menschen gingen, die diese auch am dringendsten benötigten.

«Der weisse Mann hilft»

Herrscht keine Dürre und Hungersnot, wird die Hälfte des Budgets von «Fousa» für Medikamente, die andere Hälfte für den Aufbau der Dorfschule, der «Klinik» und der Wasserleitungen verwendet. «Ungefähr 20 000 Franken kommen pro Jahr durch Spenden zusammen. Damit können wir 100 000 Menschen helfen», sagt Meyer. «Unsere Hauptaufgaben sind neben der medizinischen Grundversorgung die Prävention und die Aufklärung.» Auf dem Platz vor der Klinik gebe es jeweils Gesundheitsgespräche mit den Dorfbewohnern zu Themen wie HIV oder Hygiene. Viele der Dorfbewohner glaubten nicht daran, dass es HIV tatsächlich gebe, sagt er. Denn HIV sehe man nicht und am Ende sterbe man nicht am Virus selber, sondern zum Beispiel an einer Lungenentzündung.

Dennoch, misstrauisch dem Arzt gegenüber sind die Dorfbewohner nicht. «Der weisse Mann hilft» sei die weitverbreitete Meinung unter den Einwohnern, sagt Meyer. Lange Zeit seien es tatsächlich fast nur weisse Ärzte gewesen, welche lebensbedrohliche Krankheiten behandeln konnten.

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