Mit Zukunftssorgen in die Ferien

Über 94 Prozent der im Juli aus der Volksschule austretenden Jugendlichen im Kanton St. Gallen haben eine Anschlusslösung. Gegen 300 Schüler sind aber noch auf der Suche, davon sind mehr als die Hälfte Ausländer.

Christoph Fust
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Ausländische Schüler haben trotz ausreichender Anzahl Lehrstellen überdurchschnittlich oft keine Anschlusslösung nach der Volksschule. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Ausländische Schüler haben trotz ausreichender Anzahl Lehrstellen überdurchschnittlich oft keine Anschlusslösung nach der Volksschule. (Bild: ky/Ennio Leanza)

ST. GALLEN. Noch knapp zwei Wochen Unterricht haben die etwa 5200 Schulabgänger dieses Sommers im Kanton St. Gallen vor sich, bevor sie in die Ferien entlassen werden. Während über 94 Prozent der Jugendlichen eine Anschlusslösung gefunden haben, wissen 284 Schüler immer noch nicht, wie es für sie im August weitergeht. Die Zahlen, welche der Kanton St. Gallen Ende Mai erhoben hat, zeigen, dass überdurchschnittlich viele Schüler ohne Anschlusslösung Ausländer sind.

Viermal häufiger ohne Lösung

Die 1260 ausländischen Schüler machen zwar lediglich einen Viertel der gesamten Schülerschaft aus, finden aber viermal häufiger keine Anschlusslösung als Schweizer. Am Stichtag waren 128 Schweizer und 156 Ausländer auf der Suche nach einer Anschlusslösung oder ohne definitive Absicht. Ruedi Giezendanner, Leiter Amt für Berufsbildung, kann diese Zahlen nicht umfassend begründen, bringt aber zwei Hauptargumente für die Situation vor: Erstens sei der Anteil ausländischer Schüler in Sekundarklassen wesentlich kleiner, in der Realschule und in Kleinklassen hingegen grösser als der Gesamtanteil an Schülern ausländischer Herkunft.

«Die ausländischen Schüler bringen im Durchschnitt einen eher bescheidenen schulischen Rucksack mit, zum Teil auch bedingt durch sprachliche Nachteile», sagt Giezendanner. «Zweitens ist bei ausländischen Jugendlichen in vielen Fällen die soziale Einbindung nicht im gleichen Mass vorhanden wie bei gleichaltrigen Schweizern.» Die Berufs- und Laufbahnberatung helfe den ausländischen Schülern zusätzlich zu den Lehrern der Oberstufe, sich über ihre Chancen zu informieren und diese optimal zu nutzen.

Laut Giezendanner reiht sich das aktuelle Schuljahr in die vorangehenden Jahre ein, das Problem akzentuiere sich jedoch nicht. Anders war die Situation noch in den Jahren 2000 bis 2005. «Der damalige Lehrstellenmangel hatte insbesondere für Jugendliche ausländischer Herkunft noch stärker zu Buche geschlagen», sagt Giezendanner.

Die Situation heute ist insofern paradox, als dass momentan genügend Lehrstellen zur Verfügung stehen würden. Im kantonalen Lehrstellennachweis (Lena) waren per Ende Mai 1299 offene Ausbildungsplätze in 150 Berufen registriert. Grund für den Angebotsüberhang bei den Lehrstellen ist die demographische Entwicklung mit sinkenden Schülerzahlen.

Drei Viertel machen eine Lehre

Von den 94,5 Prozent der Jugendlichen, die eine Anschlusslösung gefunden haben, treten 74,1 Prozent im August eine berufliche Grundausbildung an. 552 Jugendliche (10,7 Prozent) wählten eine Zwischenlösung. Gemeint sind damit staatliche Brückenangebote, private Lösungen wie Fremdsprachenaufenthalte, Privatschulen oder Praktika. Der Anteil liegt mit 10,7 Prozent (Vorjahr 10,4 Prozent) weiterhin markant unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Gute Chance auf allen Stufen

Die Auswertung zeigt aber auch, dass die Chance, eine Anschlusslösung zu finden, auf allen Leistungsstufen gross ist: Am Stichtag hatten 98,6 Prozent der Absolventen einer Sekundarschule eine Lösung gefunden. Bei Realschülern lag die Quote bei 94,8 Prozent, bei den Schulabgängern aus Kleinklassen betrug sie 86,6 Prozent.

Das Amt für Berufsbildung führt die flächendeckende Umfrage unter den Schulabgängern jedes Jahr durch. Bei der diesjährigen Umfrage vom 29. Mai konnte ein hundertprozentiger Rücklauf verzeichnet werden, wie es in der Mitteilung heisst.