Mit Understatement und Sauberkeit zum Erfolg

LUSTENAU. Heute startet die 26. Ausgabe des Szene Open Air in Lustenau. Das Festival gleich ennet der Grenze kleckert lieber, als dass es klotzt und schafft etwas, womit seine grossen Kollegen aus der Schweiz Probleme haben.

Janique Weder
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Festivalleiter Hannes Hagen (Bild: Hanspeter Schiess)

Festivalleiter Hannes Hagen (Bild: Hanspeter Schiess)

Grösser, länger, professioneller. So verkaufen sich Schweizer Festivals heutzutage. Sie überbieten sich bei den Bühnen, Besuchern und Bands.

Ob sie das besser macht? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Dass es auch bescheidener und trotzdem erfolgreich geht, zeigt sich unweit von der schweizerisch-österreichischen Grenze. In Lustenau, eingebettet zwischen dem Diepoldsauer Schmitter Zoll und dem Widnauer Wiesenrain Zoll, findet das Szene Open Air heuer zum 26. Mal statt. Das Festival ist klein, fein und überschaubar. Und diese Kleinheit ist nicht mangelnden Erfolgen geschuldet, sondern Programm. Festivalleiter Hannes Hagen pflegt das Understatement und sagt: "Wir wollen gar nicht grösser werden. So wie es jetzt ist, ist es gut."

Festivalleiter Hannes Hagen (Bild: Hanspeter Schiess)

Festivalleiter Hannes Hagen (Bild: Hanspeter Schiess)


Mehr Platz hat's nicht
Grösser könnte das Open Air denn auch gar nicht werden, zumindest nicht am jetzigen Standort: Das Gelände am Alten Rhein mag genau so viel fassen, wie Besucher für dieses Jahr erwartet werden: 7000 bis 8000 pro Tag, wovon jeder fünfte aus der Schweiz stammt. Wachsen wolle man laut Hagen ausserdem nicht, weil hinter dem Szene Open Air keine professionelle Firma stecke, sondern der Jugend- und Kulturverein Szene Lustenau. Wer fürs Open Air arbeitet, macht das ehrenamtlich.

Finanziell wird das Festival unter anderem von der Gemeinde Lustenau und dem Land Vorarlberg getragen. Das Budget für die Künstler beträgt für alle drei Tage 300'000 Euro. Gebucht wird, was gefällt, der Musikstil spielt dabei keine grosse Rolle. "Das Szene Open Air ist kein Spartenfestival", sagt Hagen. Dieses Jahr etwa treten unter anderem K.I.Z. und Casper (böser und weniger böser Hip Hop aus Deutschland) auf sowie die derzeit vielerorts gehypten Austropopper Bilderbuch. Für leisere Töne sorgt die Bernerin Sophie Hunger, und auch weniger populäre Musikstile finden ihren Platz: Die Band des Jazzseminars Lustenau betritt am Freitag und am Samstag die Bühne.

Das Zelt wird zum Sammlerstück - und mitgenommen
... Und wie verhält es sich im Ländle mit dem Festivalthema und -problem Nummer eins, dem Abfall? Wie die Zahlen belegen gar nicht so schlecht. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 15 Tonnen Abfall gesammelt. Das macht pro Besucher und Tag 700 Gramm aus. "Unsere Grösse erlaubt uns einige Dinge zu machen, die auf grossen Festivals nicht möglich sind", sagt Hagen. Zum Beispiel liefen während des dreitägigen Festivals Freiwillige auf den Zeltplatz umher, suchten Kontakt zu den Campern - und animierten sie so zum Aufräumen. "Ausserdem bleiben bei uns praktisch keine Zelte stehen". Denn wer will, kann sich das Logo des Open Airs auf sein Zelt sprühen lassen. "Das Zelt wird so zum Sammlerstück, und die Leute nehmen es nach Hause." Die Aktion heisst "Love your tent!". Es scheint, als stecke viel Herz in diesem Festival.

Für das Szene Open Air vom 30. Juli bis 1. August gibt es noch Tickets. Mehr Infos auf www.szeneopenair.at.

Bilderbuch, "Maschin":



Sophie Hunger, "Shape":