Mit Tempo 30 die Lärmbelastung senken

«Noch fern von weniger Lärm», Ausgabe vom 17. September

Reto Schmid Notkerstrasse 13, 9000 St. Gallen
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Dass die meisten Kantone und Gemeinden bei der Lärmsanierung ihrer Strassen in Verzug sind, ist Umweltjuristen bekannt. Dem Artikel kommt das Verdienst zu, auf diesen Missstand über den Fachkreis hinaus aufmerksam zu machen; sind es doch die Anwohnerinnen und Anwohner stark befahrener Verkehrsachsen, die unter dem gesundheitsschädigenden Lärm leiden. Dass dem Gesundheitsschutz keine höhere Priorität beigemessen wird, ist nicht nachvollziehbar. So scheint es, dass sich den externen Kosten des Verkehrs alle unterzuordnen haben. Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass der Kantonsrat die nötigen finanziellen Mittel dem kantonalen Baudepartement anscheinend nicht zugesprochen hat. Gerade auch im Wissen darum, dass die öffentliche Hand hohe Entschädigungsforderungen der Hauseigentümer befürchten muss. Was der ansonsten gut recherchierte Bericht nicht mit einem Wort erwähnt: Tempo 30 auf Hauptstrassen als effektivste Lärmsanierungsmassnahme. Diese Massnahme beschäftigt die Gerichte aktuell, erstens wegen detaillierterer Lärmermittlungsmethoden und zweitens wegen des Umstands, dass auch einzeln auftretende, besonders stark ansteigende Lärmpegel in der Nacht in die Beurteilung mit einbezogen werden müssen. Das Bundesamt für Umwelt prognostiziert deshalb bei Tempo 30 eine deutliche Reduktion des Strassenlärms. Derzeit läuft auf einer kantonalen Hauptstrasse in der Stadt Zug ein vom Bundesgericht verfügter, mit Spannung erwarteter Feldversuch. Die Verwaltungsgerichte in Zürich und Bern heissen reihenweise Beschwerden gegen Sanierungen gut, bei denen diese Massnahme nicht gebührend geprüft wurde. Diese wirksamste innerstädtische Lärmsanierung wird in fast allen Fällen von den Kantonen chronisch übersehen beziehungsweise gar nicht konkret geprüft. Hier geht es um die gegensätzlichen Interessen von Privatverkehr und Hauseigentum. Es wäre deshalb konsequent, wenn sich der Hauseigentümerverband für diese wirksamste Massnahme zur Reduktion von Strassenlärm starkmacht. Mit dieser politischen Unterstützung könnten kostenintensive Einsprachen und Entschädigungsforderungen bereits vorgängig vermieden werden.

Reto Schmid Notkerstrasse 13, 9000 St. Gallen