Mit Tempo 200 den Berg hinauf

Beim Autogaragen-Besitzer Roland Graf dreht sich alles um schnelle Autos. Am Hemberger Bergrennen will der 46-Jährige aus Brunnadern mit seinem Renault Clio am Sonntag um die Podestplätze mitfahren.

Tim Naef
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BRUNNADERN. Roland Graf ist schon ganz aufgeregt: Heute beginnt das Hemberger Bergrennen. Sein «Heimrennen», wie er es nennt. Der 46-Jährige aus Brunnadern ist sozusagen neben der Rennstrecke aufgewachsen. «Ich stand bereits als kleiner Bub an der Piste», sagt Graf. «Schon als Kind war ich begeistert von Autos aller Art.» Es verwundert daher nicht, dass er seine Faszination zum Beruf gemacht hat. 2007 hat der gelernte Automechaniker eine Autogarage in Ebnat-Kappel übernommen. Graf wird morgen nicht nur an der Strecke stehen und zuschauen. Er fährt selbst mit. Mit seinem umgebauten Renault Clio geht er in der Klasse E1 an den Start.

Für die Strasse nicht zugelassen

Seit 1991 ist Graf regelmässiger Teilnehmer an Bergrennen in der Schweiz, aber auch in Österreich und in Deutschland. Mehr als ein Hobby war es aber nie. «Damit Geld zu verdienen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das Gegenteil ist meist der Fall.» Graf lacht. Vor drei Jahren wurde er mit einem Honda Integra in Hemberg Erster in seiner Klasse. «Da hat das fahrerische Können noch eine grössere Rolle gespielt», sagt Graf. «Doch es durften fast keine Veränderungen am Auto vorgenommen werden.» Deshalb hat er sich dannzumal für einen Klassenwechsel entschieden.

Sein jetziges Auto hat nicht mehr viel mit einem Serienwagen zu tun. Eine Strassenzulassung hat es keine mehr. Vom Motor bis zur Frontscheibe ist alles umgebaut. Das Auto ist auf beiden Seiten um zehn Zentimeter breiter geworden. Das Getriebe ist neu und selbst die Airbags hat Graf entfernt. «Je weniger Gewicht, desto besser. Alles Unnötige habe ich abmontiert.» Vom ursprünglich 1,1 Tonnen schweren Renault sind noch knapp 830 Kilogramm übriggeblieben.

Eine Frage des Geldes

«Ob ich vorne mitfahren kann, ist aber eine Frage des Geldes. Vom Zeitaufwand will ich gar nicht reden», sagt Graf. Denn wer mehr Geld habe, sei auch schneller. Wie viel Geld und Arbeit er bereits in sein Auto investiert hat, will er nicht genau sagen. «Es waren bestimmt ein paar Tausend Franken. Und die Arbeitsstunden habe ich aufgehört zu zählen.» Aber sein Hobby mache ihm immer noch Spass und deshalb sei es alles andere als Arbeit und daher das Geld gut investiert. «Das Schrauben gefällt mir genauso gut wie das anschliessende Rennen-Fahren.»

Sein Ziel ist es, dieses Jahr aufs Podest zu fahren. Graf kennt seine Konkurrenten. «Wir sind aber eine eingeschworene Gemeinschaft.» Doch auf der Strecke will er keine Geschenke verteilen. «Natürlich wollen wir alle gewinnen.»

Fast genauso wichtig wie der Sieg ist dem Garagisten eine neue persönliche Bestzeit. «Dafür habe ich das ganze Jahr an meinem Auto herumgetüftelt, den Motor verbessert und nochmals Gewicht reduziert.»

«Angst habe ich keine»

Mit seinem Auto wird Graf mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde den Berg hinauf rasen. «Angst habe ich keine. Bis jetzt bin ich immer ohne grösseren Zwischenfall ins Ziel gefahren», sagt der 46-Jährige. «Wichtig sind das Vertrauen ins Auto und der Respekt vor der Rennstrecke.» Fahrerisch sei das Bergrennen nicht sehr anspruchsvoll. Andernorts werde wesentlich schneller gefahren. Für Roland Graf «ist und bleibt das Hemberger Bergrennen das wichtigste.»